Magdeburg

Neue Synagoge – Trotz allem wird gefeiert

Beim Spatenstich: Dieter Steinecke, Ex-Landtagspräsident, Geschäftsführer Frank Toepel, Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Gemeindevorsitzender Wadim Laiter und OB Lutz Trümper (SPD) (v.l.) Foto: picture alliance/dpa

Während die Medien in diesen Wochen von verheerenden Bildern aus dem Nahost-Konflikt geprägt sind, haben die jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt Anlass zum Feiern - auch wenn die Freude nach dem Hamas-Terror gedämpft ist. Ende Oktober wurde in Dessau der erste Neubau einer Synagoge im Land nach dem Novemberpogrom 1938 eröffnet. In wenigen Wochen, am 10. Dezember, wird die nächste Synagoge eingeweiht.

Direkt in der Magdeburger Innenstadt, nur gut 200 Meter vom alten Standort entfernt, an dem einst das jüdische Gotteshaus aus dem 19. Jahrhundert stand, ist der Neubau entstanden. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Israels Botschafter Ron Prosor und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, haben ihr Kommen zur Eröffnung angekündigt.

Für die Synagogen-Gemeinde in Magdeburg geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung, sagt die Vorstandsvorsitzende Inessa Myslitska dem Evangelischen Pressedienst (epd). Seit Jahrzehnten trifft sich die Gemeinde in einem viel zu kleinen Versammlungsraum in einer alten Villa. Dass dieser Zustand nun beendet ist, wird vier Wochen lang gefeiert - der Lage in Nahost zum Trotz: Die »Festtage jüdischer Kultur« beginnen an diesem Sonntag und dauern bis zum 17. Dezember. Geplant sind 30 Veranstaltungen, darunter Konzerte, Gespräche, Lesungen und Filmvorführungen.

»Wir werden auf jeden Fall feiern, das ist ein großer Tag für uns«, sagt Myslitska. 85 Jahre lang habe man auf diesen Tag gewartet, nun habe die Gemeinde wieder ein eigenes Gotteshaus. Gut 400 Mitglieder gehören nach ihren Angaben der Synagogen-Gemeinde an. Rund 80 Juden waren es kurz nach Kriegsende, erst mit dem Zustrom von Kontingentflüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion wuchs die Zahl wieder auf über 600 an.

Baukosten von rund 3,4 Millionen Euro, davon 2,8 Millionen als Zuschuss vom Land Sachsen-Anhalt

Im Jahr 2005 spaltete sich die Liberale Jüdische Gemeinde mit heute rund 120 Mitgliedern ab, und aus demografischen Gründen sei die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen, sagt Myslitska. Rund 120 Plätze wird die Synagoge haben - der vorherige Bau hatte 1.300. Zuletzt wurden die Baukosten mit rund 3,4 Millionen Euro angegeben, davon 2,8 Millionen als Zuschuss vom Land Sachsen-Anhalt. Doch inzwischen sind die Kosten aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen in die Höhe geschnellt - wie hoch, kann Myslitska noch nicht abschließend sagen.

Kräftig mitgeholfen bei der Finanzierung hat auch ein rund 60 Mitglieder starker Förderverein, dem Waltraut Zachhuber, ehemalige Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Magdeburg, vorsteht. »400.000 Euro hatten wir uns als Ziel gesetzt, etwa 450.000 Euro haben wir geschafft«, berichtet sie im Gespräch. Damit seien Teuerungen am Bau ein Stück weit abgedeckt.

Auch aus den christlichen Gemeinden sei für die neue Synagoge gespendet worden. Unter anderem hätten der evangelische Kirchenkreis und die Gemeinden in einem Jahr rund 100.000 Euro gesammelt, ebenso habe es von der Landeskirche Zuwendungen gegeben. Katholisches Bistum und Dekanat Magdeburg hätten gut 20.000 Euro dazu gegeben.

Bereits 1999 wurde der Förderverein gegründet. Dass es bis zur Fertigstellung der Synagoge bis jetzt gedauert hat, geht unter anderem auch auf die Auseinandersetzung mit der liberalen Gemeinde zurück. Dort hat man lange Zeit gehofft, eine Synagoge mit zwei Gebetsräumen, einen für jede Gemeinde, bauen zu können. Doch das, betont auch Zachhuber, wäre zu teuer geworden. Jetzt ist die liberale Gemeinde beim Neubau außen vor.

Deren Gemeindemitglieder dürften zwar dort an den Gottesdiensten teilnehmen, aber nicht im eigenen Ritus feiern, sagt Inessa Myslitska. »Inakzeptabel« nennt das Larisa Korshevnyuk, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde. »Gerade in diesen Zeiten verstehe ich das nicht und bin bitter enttäuscht.« Denn die Pro-Palästina-Demonstrationen der vergangenen Wochen hätten gezeigt: Jüdisches Leben in Deutschland sei instabil und nicht sicher - trotz zweier Synagogen-Neubauten so kurz hintereinander. epd

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