Nach Gesprächen mit Zentralrat

Bundesregierung erleichtert Aufnahme jüdischer Vertriebener

Jüdische Ukrainerinnen auf der Flucht (aufgenommen am 6. März in Warschau) Foto: Flash 90

Angesichts des russischen Einmarschs erleichtert die Bundesregierung nach Gesprächen mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland die Aufnahme von jüdischen Flüchtlingen aus der Ukraine.

»Wir haben uns mit der Bundesregierung auf ein Inlandsverfahren geeinigt. So bleibt jüdischen Vertriebenen aus der Ukraine die Möglichkeit erhalten, auch nach ihrer Ankunft in Deutschland einen Antrag auf Einwanderung zu stellen, wenn sie das möchten«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Freitag im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ziel sei, dass Ukrainer mit jüdischen Wurzeln in Deutschland »unter erleichterten Bedingungen und unter Beteiligung der jüdischen Gemeinden an dem Verfahren der jüdischen Zuwanderung teilnehmen können«, heißt es aus dem Bundesinnenministerium. Grund seien »die kriegsbedingte Aussetzung des regulären Verfahrens über die Botschaft in Kiew, die humanitäre Lage in der Ukraine sowie Deutschlands historische Verantwortung«.

HILFE »Das Leid, das derzeit die Menschen in der Ukraine erleben müssen, ist unerträglich. Umso wichtiger ist es, dass Vertriebenen jetzt schnell geholfen wird«, betont der Zentralrat der Juden. Jüdische Ukrainer hätten derzeit keine Möglichkeit mehr, Anträge auf Zuwanderung nach Deutschland in ihrem Heimatland zu stellen. Selbst laufende Verfahren können dort nicht mehr bearbeitet werden, so Schuster.

»Der Zentralrat der Juden ist dankbar, dass die jüdische Gemeinschaft in dieser Krise zusammensteht.«

Momentan finden bereits viele Vertriebene Hilfe in jüdischen Gemeinden. Viele Gemeindemitglieder stellen sich auch als Dolmetscher zur Verfügung, sagte Schuster. »Der Zentralrat der Juden ist dankbar, dass die jüdische Gemeinschaft in dieser Krise zusammensteht.«

Nach Schätzungen des Zentralrates der Juden könnten bis zu 5000 Personen an einer Zuwanderung über dieses Verfahren interessiert sein. Seit 1991 nimmt Deutschland laut Bericht jüdische Zuwanderer aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion über ein spezielles Aufnahmeverfahren auf.

ZUWANDERER Seit 2005 gälten für das Verfahren höhere Hürden; Aufnahmevoraussetzungen seien etwa Deutschkenntnisse, die mindestens der Niveaustufe A1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen entsprechen. Zudem erstellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine »Integrationsprognose«, ob die Zuwanderer dauerhaft selbst für ihren Lebensunterhalt in Deutschland sorgen können.

Ausgegangen war die Initiative von der Grünen-Bundestagsfraktion.

Im erleichterten Verfahren aufgrund des Kriegs in der Ukraine werde das BAMF auf die Integrationsprognose verzichten, habe das Innenministerium nun bestätigt. Die Grundkenntnisse der deutschen Sprache müssten die Betroffenen nicht mehr mit dem Stellen des Antrags, sondern binnen zwölf Monaten nach Erteilung des Aufenthaltstitels nachweisen.

Ausgegangen war die Initiative von der Grünen-Bundestagsfraktion. Die zuständige Berichterstatterin für die Förderung jüdischen Lebens, Marlene Schönberger begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung als »ein wichtiger Ausdruck unserer politischen und historischen Verantwortung«. ja/kna

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Andenken

Berlin hat jetzt einen Margot-Friedländer-Platz

Bei der Einweihungszeremonie sagt Cornelia Seibeld (CDU), die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, die »Herzkammer der Demokratie« habe nun eine neue Adresse

 07.05.2026

Deutschland

»Die Jüdische Allgemeine gehört einfach dazu«

Seit drei Generationen ist die Jüdische Allgemeine ein Kompass für die jüdische Welt. Prominente Leserinnen und Leser erzählen, warum ihnen die Zeitung wichtig ist

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Programm

Urbane Ästhetik, cineastische Architektur und späte Aufklärung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 7. Mai bis zum 14. Mai

 06.05.2026

Kino

Am Puls der Zeit

Gegen Polarisierung und Boykott: Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg will den Blick weiten

von Ayala Goldmann  06.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert