Hohe Feiertage

Mit Abstand

Abstand muss sein! Foto: Chris Hartung

Die Pandemie ist nicht vorbei, und wie befürchtet, steigen die Infektionszahlen auch in Deutschland wieder. Wie die Situation in drei Wochen aussehen wird, wenn Rosch Haschana ansteht, ist ungewiss – gleichwohl bereitet man sich in den Gemeinden natürlich auf die Hohen Feiertage vor.

»Nein«, sagt Alexander Drehmann, Geschäftsführer der Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen, rosig sehe die Corona-Situation im Moment nun wirklich nicht aus, »aber wir sind ja alle Optimisten«.

Hygieneregeln Die Vorbereitungen auf die Hohen Feiertage verlaufen bislang eigentlich wie immer, »wir kaufen wie gewöhnlich ein, nur das Konzept, nach dem wir vorgehen, ist eben nicht wie gewöhnlich«. Durch die Hygieneregeln werden viel weniger Menschen als normalerweise in die Synagoge kommen können, und das auch nur nach Voranmeldung. Ein eigentlich geplantes Gala-Dinner könne dagegen vielleicht nicht stattfinden, »da überlegen wir noch«.

Nur 80 der 160 Plätze dürfen coronabedingt besetzt werden.

Die Gemeinde habe, so berichtet Drehmann, während des Lockdowns schnell auf die Bedürfnisse vor allem der älteren Mitglieder reagiert, »es waren einige einsam, und deswegen haben wir soziale Angebote gemacht, die wir auch weiterhin anbieten werden, denn das ist wichtig für den Zusammenhalt«. Einiges, sagt er, wie Deutsch-, Hebräisch-, und Englischkurse, wurde online durchgeführt, Makkabi Duisburg bot sogar Gymnastikkurse im Netz an, »das wurde alles gut angenommen«.

»Wir planen gerade die Sitzordnung in der Synagoge während der Feiertage«, sagt Michael Gilad, Vorsitzender der Gemeinde in Krefeld. »Die Vorgaben sind streng: Es besteht Maskenpflicht, und man muss sich vorher anmelden, sonst gibt es Durcheinander. Aber«, fügt er hinzu, »unsere Leute verstehen das, niemand möchte sich schließlich anstecken oder gar unwissentlich andere infizieren.«

vorsichtsmaßnahmen Nur 80 der 160 normalerweise zur Verfügung stehenden Plätze dürfen coronabedingt besetzt werden, »aber wenn dafür alle gesund nach Hause gehen, ist das doch sehr gut«. Die 1000 Mitglieder haben sich schon an die Corona-Vorsichtsmaßnahmen gewöhnt, sagt Gilad. Natürlich fänden es alle schade, dass Großveranstaltungen nicht stattfinden können, aber das sei nun einmal nicht zu ändern.

Gibt es Lehren, die man aus der ersten Corona-Welle ziehen kann? »Wir hatten keinen einzigen Covid-19-Fall, da muss ich auf Holz klopfen, dass das auch so bleibt«, betont Michael Gilad. »Wir waren eben von Anfang an vorsichtig.« Empfehlungen habe man sofort umgesetzt. Außerdem sei es wichtig, »kreativ zu sein und nach guten und praktikablen Lösungen zu suchen, wir haben zum Beispiel sofort Masken gekauft und verteilt, um mögliche Ansteckungsrisiken zu minimieren«.

Belüftung Die Jüdische Gemeinde Osnabrück ist »optimal ausgerüstet«, wie ihr Vorsitzender Michael Grünberg schildert. »Wir haben eine Belüftungsanlage, die die von außen kommende Luft filtert und dann wieder hinausleitet, dadurch entsteht ständiger Frischluftaustausch.«
In Osnabrück gibt es auch einen Kiddusch, »aber natürlich entsprechend der strengen Corona-Vorgaben, wir machen nichts, was der Gesetzgeber nicht erlaubt«, betont Grünberg.

Während des Kidduschs dürfen nur Familien gemeinsam an einem Tisch sitzen, sonst sind lediglich zwei Personen pro Tisch erlaubt. Buffets sind verboten, »in der Küche werden nun Tellergerichte gekocht, das heißt, die Leute bekommen ein Essen, wie zum Beispiel Gulasch mit Kartoffeln und Gemüse, am Platz auf Tellern serviert«. Dabei helfen die jungen Leute aus dem Jugendzentrum, »wir haben sie gebeten, uns zu unterstützen, und nun bedienen sie die Kiddusch-Gäste«.

»Wir waren eben von Anfang an vorsichtig.«

Michael Gilad, Krefeld

Insgesamt seien die Gemeindemitglieder sehr diszipliniert, freut sich Michael Grünberg. »Alle tragen während der Gottesdienste Masken und halten sich an die Vorschriften.« Extra zu den Hohen Feiertagen werden die Räume nun umgestaltet, um allen, die sich zu den Gottesdiensten anmelden, Platz zu bieten, berichtet Michael Grünberg. »Wir wollen niemanden nach Hause schicken müssen, eine Synagoge ist ja schließlich ein Ort der Versammlung.«

Die Bima kommt in die Mitte ins Foyer, 150 Menschen werden dann bei gewahrten Abstandsregeln Platz finden. Auch die Trennung zwischen Männern und Frauen wird gewährleistet sein, »die Umgestaltung muss halachisch in Ordnung sein, unser Rabbiner ist selbstverständlich dabei einbezogen«.

Nur der Kiddusch wird in den Gemeinderäumen während der Feiertage nicht möglich sein, aber vielleicht, so Grünberg, findet sich auch dafür eine Lösung: »Uns fällt ja immer was ein, vielleicht machen wir ihn spontan im Garten, wenn das Wetter mitspielt.«

Empfehlung Einen konkreten Tipp für andere Gemeinden für das Leben während der Pandemie möchte Grünberg nicht geben. »Jeder weiß wahrscheinlich selbst am besten, was jeweils vor Ort optimal ist.« Für den Osnabrücker Vorstand sei es vor allem wichtig, »sich zu bemühen, die Möglichkeiten, die man hat, zu nutzen – und dabei keinen Aufwand und keine Mühe zu scheuen«.

Und den Mitgliedern den größtmöglichen Schutz zu bieten, wozu in Osnabrück auch das wöchentliche Testen des Rabbiners und des Kantors auf das Coronavirus gehört. »Die Gemeinde kauft die Tests«, schildert Grünberg den Ablauf, und nachdem die Proben donnerstags entnommen wurden, »lassen wir sie in einem Labor untersuchen, das Ergebnis haben wir gleich am nächsten Tag«.

In Osnabrück werden Kantor und Rabbiner wöchentlich getestet.

Das trägt zum Sicherheitsgefühl bei. »Schön war zum Beispiel, als wir vor 14 Tagen alle Enkelsöhne unserer Mitglieder aufgerufen haben, da war das Durchschnittsalter 17 Jahre.«

Welle Und was, wenn die zweite Corona-Welle, vor der derzeit Experten warnen, nun wirklich kommt? »Wir halten uns an die Gesundheitsvorkehrungen, und wenn sie da ist, dann müssen wir uns eben darauf einstellen und überlegen, was geht und was nicht«, betont Grünberg.

Seit 1982 ist er im Vorstand der Gemeinde, seit 21 Jahren Vorsitzender. »So eine Krise hat keiner von uns aus der Nachkriegsgeneration jemals erlebt«, sagt er, »aber ganz ehrlich, verglichen zu vielen anderen Ländern geht es uns doch gut.«

Tu Bischwat

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