Kaschrut

Koscher in Wilmersdorf

In der Warteschlange vor der Kasse steht eine elegant gekleidete, etwas ältere Dame mit koscherem Mais in ihrer Hand. Vor ihr bezahlen gerade zwei Hippies ihr eisgekühltes Bier. Bisher noch ein ungewöhnliches Bild, denn koschere Waren gehören noch längst nicht zum Standardrepertoire normaler Supermärkte in Deutschland.

Berlin macht jetzt eine Ausnahme. Seit Anfang September bietet der Delikatessendiscounter »Nah und Gut« in der Wilmersdorfer Güntzelstraße Kaschrut-Waren in seinen Regalen an, die bisher ausschließlich in Läden mit ausschließlich koscheren Produkten verkauft wurden. Ein Novum.

Normalität »Es ist ein Gewinn für Berlin, dass koschere Speisen jetzt zur Normalität gehören. Wir wollen auch mehr Normalität für unsere Gemeindemitglieder und Beter«, sagt Rabbiner Yehuda Teichtal von Chabad Lubawitsch, der die koschere Abteilungen in dem Supermarkt angeregt hat. Nun könne jeder »einfach in den Laden gehen«, zwischen 8 und 20 Uhr einzukaufen. Es sei nun keiner mehr auf Öffnungszeiten von zwei Stunden täglich angewiesen, wie dies in einigen Läden der Fall sei.

Mehr als 300 Kaschrut-zertifizierte Produkte werden in der Güntzelstraße angeboten, darunter Frischfisch, Weine, Cornflakes, Chips, Gewürze und Fleisch, daneben gibt es eine milchige Abteilung mit Milch, Joghurt und Käse. Ebenso wird koscheres Brot verkauft. Die Waren sind in den Regalen extra mit dem Koscher-Siegel ausgezeichnet. »Die Dunkelheit beim Essen ist nun vorbei«, sagt der Rabbiner.

Ihm sei aufgefallen, dass es etliche Familien in Berlin gebe, die sich zwar koscher ernähren wollten, aber immer auf Schwierigkeiten gestoßen seien. Einzelhandelsgeschäfte, die koschere Waren verkaufen würden, seien nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Um sich mit allen notwendigen koscheren Produkten einzudecken, müssten Kunden verschiedene Läden aufsuchen. Oder Familien seien auf riesige Gefriertruhen angewiesen, in der sie »reine« Waren aus (beispielsweise) Israel bis zum Verzehr konservieren könnten.

Suche Diesen unhaltbaren Zustand habe er verbessern wollen, berichtet Teichtal. Vor einigen Monaten habe er deshalb gezielt Inhaber von Supermärkten angesprochen, ob sie bereit wären, eine koschere Abteilung einzurichten. In Stefan Völker, dem Geschäftsführer von drei Supermärkten, fand er einen Partner. Es seien »vier harte Monate« gewesen, in denen die Vorbereitungen auf Hochtouren gelaufen seien, betont Völker, aber das neue Angebot sei eine Bereicherung für das Sortiment.

Die Waren kommen überwiegend aus den USA, Israel und Europa. Eine der größten Schwierigkeiten sei es gewesen, Lieferanten zu finden. Die milchigen Produkte dagegen stammen größtenteils aus der Region. Für die Überwachung der Koscher-Regeln ist Rabbiner Shneor Havlin verantwortlich, der Deutschland-Beauftragte einer der größten Koscher-Agenturen. »Dieser Supermarkt ist erst der Anfang«, sagt Rabbiner Teichtal. Bald sollen in den Bezirken weitere Supermärkte mit einem koscheren Warenangebot folgen.

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026

Berlin

Interaktives Projekt zur jüdischen Geschichte des Scheunenviertels

Im Scheunenviertel in Berlin-Mitte gibt es seit Mittwoch zehn Straßenmarkierungen auf Jiddisch, Deutsch und Englisch. Über ein interaktives Erinnerungsprojekt wird so an die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt erinnert

von Markus Geiler  11.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026

Hilfe

Gestrandet in Deutschland

Viele Israelis wurden im Ausland vom Beginn des Krieges mit dem Iran überrascht. Sie finden Unterstützung bei der israelischen und jüdischen Gemeinschaft vor Ort

von Joshua Schultheis  11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026

Berlin-Neukölln

Wer ist dieser Mann?

Er lehrte arabische Schüler die Geschichte des Holocausts, organisierte einen Austausch mit Israelis und hielt Drohungen stand. Hudhaifa Al-Mashhadanis Geschichte faszinierte die Medien, begeisterte Politiker und schenkte ihm das Vertrauen jüdischer Organisationen. Aber ist alles daran wahr?

von Mascha Malburg  11.03.2026

Berlin

150 Rabbiner am Brandenburger Tor

Ein Fototermin setzt ein Zeichen: Rabbiner zeigen, wie jüdisches Leben heute Europa prägt. Was beim Treffen sonst noch auf dem Programm steht

 11.03.2026