Ehrung

Kämpfer des Wortes

Der Schriftsteller und Publizist Ralph Giordano ist am Sonntag in Aachen mit dem Ehrenpreis der lokalen Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) ausgezeichnet worden. Die DIG ehrte den 90-Jährigen für »sein beispielhaftes Eintreten für Menschenrechte sowie seine exzellenten Publikationen«.

Vor rund 100 Gästen im Saal des Gemeindezentrums sprachen neben dem Preisträger der Aachener DIG-Vorsitzende Axel Holst, der Publizist Henryk M. Broder und der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman.

Beharrlichkeit
Hadas-Handelsman dankte dem gebürtigen Hamburger Giordano für dessen Mut und Beharrlichkeit. Er habe sich »in besonderer Weise um die deutsch-israelischen Beziehungen sowie um den Kampf gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus verdient gemacht«. Giordano verteidige die Demokratie in Deutschland mit seiner stärksten Waffe, dem Wort.

»Laut und vernehmlich« erhebe er seine Stimme gegen »einseitige Schuldzuweisungen an Israel« und lasse neben seiner Kritik an manchen – wie er sage – »Maßnahmen abwählbarer Regierungen« keinen Zweifel an seiner Solidarität und an seiner Freundschaft.

»Ihre Wortmeldungen, Herr Giordano, haben wir in der israelischen Botschaft immer aufmerksam verfolgt«, sagte der Chefdiplomat. »Es beruhigt mich, wenn ich lese, was Sie über Israel zu sagen haben.« Auch Deutschland könne »froh sein«, Giordano zu haben.

Maßstäbe »Er ist ein ganz Großer«, pflichtete Henryk M. Broder dem israelischen Botschafter bei, allerdings nicht ohne auf diverse Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Laureaten hinzuweisen. Trotzdem: Seine Bewunderung sei ungemindert, Giordano habe »viele Maßstäbe für journalistische Qualität und moralische Integrität gesetzt«. Ich möchte ihm gratulieren, zeigte sich Broder versöhnlich, »auch dazu, dass er mich zwischendurch wahnsinnig aufgeregt hat.«

Eine Gemeinsamkeit von Giordano und Broder, der bereits seit 2011 Ehrenmitglied der DIG Aachen ist, sei ihr beispielhaftes Rückgrat, lobte Axel Holst. Beide engagierten sich unermüdlich – wider alle Anfeindungen und erhaltene Morddrohungen.

Giordano, dessen Stimmkraft am Mikrofon sein Alter vergessen lässt, bewies auch bei seiner Dankesrede einen langen Atem und ließ keinen Zweifel an seiner ungebrochenen Kritikfähigkeit. Wie Broder nutzte Giordano die Gelegenheit am Pult, um seine Abscheu gegen »die Selbstverständlichkeit, mit der Israel von großen Teilen der veröffentlichten und der öffentlichen Meinung in Deutschland auf die Anklagebank gesetzt wird«, zum Ausdruck zu bringen.

Besserwisser Wollten »ungefährdete Deutsche allen Ernstes die Israelis besserwisserisch belehren, wie deren Staat und Regierung ihre Bürgerinnen und Bürger vor den Mordanschlägen der Hamas und der Hisbollah zu schützen hätten?«, fragte der 90-Jährige.

Natürlich sei diese verkappte Israelkritik »nichts als gesellschaftlich gefälliger Antisemitismus«. Wovor müssten sich »Menschen meiner Biografie« mehr fürchten, fragte Giordano. »Vor dem deutschen Rechtsextremismus mit Tentakeln bis in die Mitte der Gesellschaft hinein oder vor den Defiziten der Staats- und Sicherheitsorgane im Kampf gegen ihn?«

Sein Leben lang habe er Ausschau gehalten nach »Bundesgenossen« im immerwährenden Kampf gegen den »Nationalsozialismus und seine Anhänger«, nun sei er »an die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Aachen geraten«. Ihren Preis nehme er gerne an, verkündete Giordano. »Er ermutigt mich, weiterzumachen!«

Lesen Sie die Rede von Ralph Giordano im Wortlaut http://bit.ly/19vuLz9

Berlin

»Ich will mich nicht verstecken«

Ron Dekel wurde angepöbelt, weil er eine Kippa trug. Ein Video davon ging viral, er wurde im Netz beleidigt, man lauerte ihm vor der Synagoge auf. Hier spricht der Präsident der Studierendenunion darüber, was ihm passiert, seitdem er sich sichtbar als Jude zeigt

von Mascha Malburg  27.04.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Genuss

Küche der Kindheit

Die Foodbloggerin Lena Bakman kocht die bucharischen Gerichte ihrer Großmutter

von Alicia Rust  24.04.2026

Porträt der Woche

Der Landeshausmeister

Alexander Reznitchi ist Afghanistan-Veteran, war Sportlehrer und wurde Techniker

von Brigitte Jähnigen  24.04.2026

Kino

Boxen auf Leben und Tod

Im Rahmen der 17. Jüdischen Filmtage zeigte die Kultusgemeinde die Geschichte des Hertzko (Harry) Haft

von Helen Richter  24.04.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Musik

Jiddisch und Tango

Ein grandioser Abend mit der Allround-Künstlerin Lea Kalisch

von Nora Niemann  23.04.2026

Berlin

Kontrollzentrum für mehr Sicherheit jüdischer Einrichtungen geplant

Eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung: Der Zentralrat der Juden hat Pläne, um die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu verstärken. Wie es Sicherheitskräften von Synagogen und Co. eigentlich geht, zeigt eine Umfrage

von Leticia Witte  23.04.2026

Leipzig

Schoa-Überlebender Andrei Moiseenko reist für seinen 100. Geburtstag durch Sachsen

Andrei Iwanowitsch Moiseenko wurde im Alter von 15 Jahren als Zwangsarbeiter nach Leipzig deportiert

 23.04.2026