Stuttgart

Junge Virtuosen

Alexander Promyslov spielte Liszt. Foto: Brigitte Jähnigen

Erwachsene wippten mit dem Körper, Kinder dirigierten auf ihren Plätzen heimlich mit Dimitri Rudiakov, der mit der Symphonie Nr. 101 von Joseph Haydn das Konzert der Internationalen Musikakademie Nigun eröffnete und Musikliebhaber in den Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle lockte. Alexander Promyslov (Klavier) und Leo Esselson (Violine), beide mehrfache Preisträger des Internationalen Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerbs, spielten unter der Leitung von Dimitri Rudiakov und dem Kammerorchester. Das Publikum war begeistert.

Die Internationale Musikakademie Nigun wurde 2014 in Stuttgart gegründet. Sie bietet jungen Musikern ein Forum, sich musikalisch vorzustellen und mit einem Orchester auf der Bühne zu bewähren.

Harmonie Es ist ein feines Weben, ein brillantes musikalisches Hochgefühl, das Solist und Orchester miteinander verbindet. Schon das bekannte Eingangsthema – von Alexander Promyslov am Klavier forciert angespielt – wird sogleich vom Orchester für wenige Takte aufgegriffen, um sodann zurück an den Solisten zu gehen. Nur wenige Werke aus der romantischen Epoche sind so auf Dialog ausgerichtet wie das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in Es-Dur von Franz Liszt.

Alexander Promyslov, geboren 1999, hat sich für ein vergleichsweise schnelles Tempo entschieden, das ihm durch das Ineinanderführen der ersten drei Sätze große Virtuosität und Konzentration abverlangt. Im Finale dann brilliert der dreifache Sieger des Karl-Adler-Wettbewerbs mit der pomphaften Wiederkehr des ersten Themas.

Leo Esselson ist der zweite solistische Interpret des Abends, den Dimitri Rudiakov mit der Symphonie Nr. 101 von Joseph Haydn eröffnete. Mit dem Vortrag der Carmen-Fantasie für Violine und Orchester hat sich der 17-Jährige für ein Werk des jüdischen Komponisten Franz Waxmann (1906–1967) entschieden. Waxmann, nach seiner Emigration in die USA vor allem als Oscar-preisgekrönter Filmkomponist bekannt geworden, greift das bekannte Carmen-Thema so auf, dass der Solist technische Brillanz und emotionalen Ausdruck zeigen kann. Leo Esselson begeistert das Publikum mit seiner Präsenz, das Orchester ist ihm ein gleichwertiger Partner.

Orchesterbegleitung Vor fünf Jahren war es eine Gala im selben Haus, bei der die Preisträger des von der Pianistin Margarita Volkova-Mendzelevskaya und dem Stuttgarter Unternehmer Martin Meir Widerker initiierten Internationalen Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerbs die Gelegenheit bekamen, sich mit einem Orchester öffentlich zu präsentieren.

Es sei, so Barbara Traub anlässlich von über 20 Jahren Zuwanderung nahezu überschwänglich, »eine grandiose Vorstellung« gewesen. Die Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) sagte vor Konzertbeginn am Sonntag auch: »Unser jüdisches Kammerorchester ist nicht exklusiv, es ist eine Einladung unter dem Leitmotiv ›Judentum zum Mitmachen‹.« So habe sich aus der Initiative des Vereins Nigun ein mit 37 Musikern besetztes internationales Kammerorchester entwickelt.

Finanzierung Leider muss sich Margarita Volkova-Mendzelevskaya immer wieder um die Finanzierung des Jugendmusikwettbewerbs und der Konzerte Sorgen machen. »Die Kommune sollte für die Bereicherung der Kultur in dieser Stadt eine Förderung leisten, hat es aber bisher abgelehnt«, kritisiert die künstlerische Leiterin des Wettbewerbs.

Mit einer mitreißenden Interpretation der Ungarischen Tänze von Johannes Brahms verabschiedeten sich die Musiker an diesem Abend. Unter den Zuhörern waren vermutlich auch einige Bewerber für den Internationalen Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb, der in diesem Jahr am 18. und 25. Juni in den Räumen der IRGW stattfinden wird.

Als Talentschmiede ist er neben anderen Wettbewerben wie »Jugend musiziert« nicht mehr wegzudenken.

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Andenken

Berlin hat jetzt einen Margot-Friedländer-Platz

Bei der Einweihungszeremonie sagt Cornelia Seibeld (CDU), die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, die »Herzkammer der Demokratie« habe nun eine neue Adresse

 07.05.2026

Deutschland

»Die Jüdische Allgemeine gehört einfach dazu«

Seit drei Generationen ist die Jüdische Allgemeine ein Kompass für die jüdische Welt. Prominente Leserinnen und Leser erzählen, warum ihnen die Zeitung wichtig ist

 07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Programm

Urbane Ästhetik, cineastische Architektur und späte Aufklärung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 7. Mai bis zum 14. Mai

 06.05.2026

Kino

Am Puls der Zeit

Gegen Polarisierung und Boykott: Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg will den Blick weiten

von Ayala Goldmann  06.05.2026