Jewrovision

Jung, laut, jüdisch

Die Hoffnung nie aufgeben, seine Stimme erheben und stolz sein Jüdischsein zeigen – das war die Botschaft der Jewrovision 2026. Mit einer unglaublichen Professionalität, viel Kreativität und raffinierter künstlerischer Umsetzung haben die diesjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Potenzial bewiesen.

Selbst wenn Musik, Gesang und Tanz an erster Stelle standen, die 600 Kinder und Jugendlichen, die mit ihren Madrichim aus ganz Deutschland nach Stuttgart angereist waren, um Teil dieses Mega-Events zu sein, haben vor allem eines gezeigt: Auch in Zeiten von zunehmendem Antisemitismus und Unsicherheit lässt sich die jüdische Jugend in Deutschland nicht einschüchtern. Dieser Gedanke floss in die Darbietungen ein, die die 13 Jugendzentren in der Stuttgarter Messe auf der Bühne zum Besten gaben.

Ob zu Musik von Linkin Park (»In the End«), Coolio (»Gangsta’s Paradise«) oder ABBA (»Waterloo«): Das Motto »Voices of Hope« (»Stimmen der Hoffnung«) war in der ganzen Halle spürbar. Die Botschaft war eindeutig: Das eigene Jüdischsein wird nicht versteckt.
Julia, eine Teilnehmerin aus Hannover, die zum wiederholten Mal dabei war, sagte: »Man steht nicht jeden Tag auf einer so großen Bühne mit nur jüdischen Kindern und vor 2000 Menschen, die auch jüdisch sind.«

Das sei richtig cool gewesen. Aber vor allem sei für sie wichtig, dass man »trotz der aktuellen Lage als Jüdin auch normal leben und sich kreativ weiterentwickeln kann«. Was Julia aber besonders viel bedeutet hat: »Ein Lied, an dem die ganze Gemeinde mitschreibt, singt und tanzt man dann auch aus ganzem Herzen.«

Gefühl der Verbundenheit

Dieses Gefühl der Verbundenheit, aber einfach auch nur Freunde und Familie um sich zu haben, die einen unterstützen, fand die elfjährige Naya aus dem Team von JuJuBa ganz besonders: Sie habe zum ersten Mal mitgemacht und sogar gewonnen. »Das hat einfach nur Spaß gemacht.«

Auch Hanna Veiler, die zusammen mit Sharon Suliman und Aviel Ustoniazov durch die Show führte, konnte man die Begeisterung in den Augen ablesen: »Es war grandios, auf dieser Bühne stehen zu dürfen und den Kindern zuzuschauen, wie sie einfach hammermäßige Performances hinlegten. Was absolut unglaublich ist, wenn man bedenkt, wie alt sie sind.« Zu sehen, wie hart die Kinder für diesen einen Moment trainiert haben, sei auf jeden Fall ein Eindruck gewesen, den sie persönlich noch sehr lange in Erinnerung behalten werde.

Veiler, die früher selbst dreimal für JuJuBa am Wettbewerb teilnahm, freute es besonders, dass das Team aus Baden den Sieg holen konnte: »Meine Reise in der jüdischen Jugendarbeit hat auf der Jewrovision begonnen. Ich stand früher selbst mit JuJuBa auf der Bühne. Zudem habe ich lange hier in Stuttgart gelebt und studiert. Da schließt sich für mich ein Kreis.« Für Veiler stand eine Erkenntnis im Zentrum: »Je härter und komplizierter die Zeiten sind, desto mehr haben junge Jüdinnen und Juden das Bedürfnis, ihr Jüdischsein zu feiern und zu spüren«.

Ende März 2027 finden die Show und das Mini-Machane in Nürnberg statt

Auch Monika, eine Jugendzentrumsleiterin, die zusammen mit Kindern aus Nordrhein-Westfalen angereist war, sieht in der Jewrovision weit mehr als nur einen Wettbewerb. »Unabhängig davon, aus welcher Stadt sie stammen oder wie groß ihr Juze ist – man lebt einfach gemeinsam diesen jüdischen Spirit«, sagte sie. Die Begeisterung der Kinder spüre man vor allem bei den Proben. Sie hätten große Lust, auf der Bühne zu stehen und ihre jüdische Identität zu repräsentieren.

Die Konzepte dafür seien mittlerweile eingespielt, erklärt Monika: »Wir wissen, wie wir mit den Kindern arbeiten – und sie ziehen voll mit.« Besonders stolz ist Monika darauf, dass über die Jahre die individuellen Stärken der Kinder erkannt und gefördert wurden – ob Gesang, Tanz oder Schauspiel.

So auch für nächstes Jahr wieder. Denn nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt: Bald schon werden die Vorbereitungen auf die nächste Jewrovision im kommenden Jahr beginnen. Ende März 2027 finden die Show und das Mini-Machane dann in Nürnberg statt.

Alija

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