Redezeit

»Jüdische Gemeinden stärken«

Herr Rasumny, Sie sind neuer Programmleiter der Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA). Welche Schwerpunkte wollen Sie bei der Organisation neuer Veranstaltungen setzen?
In letzter Zeit lag unser Hauptaugenmerk auf jüdischer Bildung und auf Unterstützung von Projekten, die das jüdische Leben im deutschsprachigen Europa durch Know-how und Coaching fördern. In diesem Bereich möchten wir unser Angebot noch weiter ausbauen und professionalisieren. Deshalb haben wir im Oktober in Kooperation mit der Jewish Agency for Israel das Nevatim-Kolleg gegründet.

Was genau muss man sich unter dem Nevatim-Kolleg vorstellen?
Es bietet strukturierte Bildungsprogramme und bereitet auf unterschiedlichste Bereiche von Engagement in jüdischen Organisationen vor. Zudem vermittelt es jungen Erwachsenen notwendiges praktisches Wissen, damit pädagogische, soziale oder mediale Projekte möglichst erfolgreich sind. Das Programm ergänzt auch die finanzielle Förderung von kreativen Eigeninitiativen, die zur Stärkung der jüdischen Gemeinschaft beitragen. Im Kolleg sind für dieses Jahr übrigens noch Plätze frei, und man kann bis zu unserem nächsten Wochenendseminar Anfang Januar einsteigen.

Welche weiteren Highlights gibt es?
Wir bieten auch weiterhin unseren bewährten Mix von Vorträgen, Ausstellungen und Workshops an. Um nur zwei der kommenden Höhepunkte zu nennen: Am 10. Dezember begrüßen wir Eldad Beck zu einer hebräischsprachigen Lesung. Am 15. Januar eröffnen wir eine Retrospektive des Chagall-Schülers Gabriel Glikman.

Wer kann an den Veranstaltungen der Akademie teilnehmen?

Wir richten uns an junge jüdische Erwachsene. Aber wir heißen natürlich alle willkommen, die Interesse an jüdischer Kultur und Bildung sowie an Israel haben. Wir haben jedoch auch viele Angebote, die sich an spezifische Gruppen richten, wie etwa unser Familienzentrum »Mishpacha«, das junge jüdische Familien anspricht.

Die Akademie ist kürzlich fünf Jahre alt geworden. In welcher Tradition steht sie?
Wegweisend für unsere Arbeit ist ein zentraler Begriff der jüdischen Ethik: »Tikkun Olam«, die Übernahme der Verantwortung für die Verbesserung der Welt. Wir glauben, dass gerade Bildung und Erziehung hierfür die geeigneten Mittel sind.

Namensgeber Ihres Hauses ist der polnische jüdische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak. Inwiefern ist sein Werk prägend für Ihre Arbeit?
Korczaks Anspruch, durch respektvollen Dialog und Respekt vor den Rechten des anderen eine faire und friedliche Gesellschaft aufzubauen, nehmen wir uns bei unserer Arbeit zu Herzen. Deshalb orientieren wir uns bei unseren Bildungsprojekten an seiner Pädagogik der Achtung, insbesondere beim pädagogischen Coaching. Sein Einsatz für die Kinderrechte ist für uns eine Inspiration, Bildung zu leisten, die Kinder- und alle anderen Menschenrechte stärkt und zu einer achtungsvollen demokratischen Gesellschaft beiträgt.

Die EJKA wird von der Jewish Agency unterstützt und ist für Sie der wichtigste Ansprechpartner in Deutschland. Einst war die Förderung der Alija das Hauptziel der Agency. Nun sieht sie in Deutschland ihre Aufgabe vorrangig darin, die jüdische Identität und die Gemeinden zu stärken. Wie ist das bei der EJKA?
Die Zusammenarbeit der Jewish Agency mit der EJKA ist genau in diesem Sinne zu verstehen: Unsere Kooperationen zielen darauf ab, die nächste Generation von engagierten jungen Juden auf die zukünftigen Herausforderungen hier in Europa vorzubereiten. Schon jetzt tragen eine Vielzahl von Initiativen Früchte, die der jüdischen Gemeinschaft hier in Deutschland helfen.

Mit dem neuen Programmdirektor der Korczak-Akademie sprach Philipp Peyman Engel.

www.ejka.org

»Paul-Spiegel-Filmfestival«

Sieben gute Filme

In Düsseldorf beginnen das Festival unter dem Motto »Jüdische Welten« mit einem besonderen Gast vor jedem Film

 16.04.2026

Hochschule

»Spaltung statt Austausch«

Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fordert den akademischen Boykott Israels. Der jüdische Student Michael Ilyaev erklärt, warum er das für falsch hält

von Joshua Schultheis  15.04.2026

Programm

Hawdala, ein rotes Sofa und das Geheimnis der Königin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. April bis zum 23. April

 15.04.2026

München

»Die Stimmung ging sofort in Richtung Aufbruch«

Grigori Dratva über einen Anschlag auf das Restaurant »Eclipse Grillbar«, Solidarität und den Blick nach vorn

von Luis Gruhler  15.04.2026

Carolin Bohl sel. A.

Blockiertes Gedenken

Wie sich in einer kleinen Stadt in Niedersachsen bei der Planung eines Benefizkonzerts für Terroropfer in Israel die Menschlichkeit durchsetzte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Gedenken

Zwischenrufe bei Weimer-Rede in Buchenwald

Schon im Vorfeld hatte es Kritik am Auftritt des Kulturstaatsministers beim Buchenwald-Gedenken gegeben. Auch vor Ort gab es Gegenwind. Das sagt Weimer selbst dazu

 13.04.2026

Gedenken

»Für mich steht sein ›Hochverrat‹ heute als das höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit«

Hape Kerkeling sprach anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald über seinen Großvater Hermann, der dort fast drei Jahre inhaftiert war. Wir dokumentieren seine Rede

 13.04.2026