Bamberg

Juden in Franken

Die erste Schau, in der sich die Stadt Bamberg mit ihrer jüdischen Vergangenheit und Gegenwart befasst, zieht auch Antje Yael Deusel in ihren Bann. »Die Ausstellung ist wichtig, weil sie die lange jüdische Tradition in Bamberg vor 1933 zeigt«, sagt die Rabbinerin. Diese Tradition müsse »ins Bewusstsein der Bevölkerung dringen«, ergänzt sie.

Eine Tradition, die fast in die Erbauungszeit des Bamberger Domes vor 1000 Jahren zurückreicht: »Unsere jüdische Gemeinde ist die älteste in Oberfranken und eine der ältesten in ganz Deutschland«, erklärt Bürgermeister und Kulturreferent Werner Hipelius. Die Geschichte der Bamberger Juden »ist ein untrennbarer und wesentlicher Teil der Stadtgeschichte«.

Juden hätten Kultur, Politik und Wirtschaft mitgeprägt. »Sie haben hier glückliche Tage erlebt, sie mussten aber auch Unrecht, Verfolgung und Gewalt erdulden«, so Hipelius. Für ihn ist es ein »Aushängeschild unserer Stadt«, dass seit dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft der respektvolle Umgang miteinander und der von Verständnis und Toleranz geprägte Dialog fest verankert seien.

Konzept
Der Zeit- und Kunsthistoriker Timo Saalmann, Mitarbeiter der Bamberger Städtischen Museen, hat als Kurator der Ausstellung ein schlüssiges Konzept für zwei Präsentationsorte erarbeitet. Denn die Sonderausstellung in der Villa Dessauer wird im Sommer 2014 in eine Dauerausstellung im Historischen Museum am Domplatz umgewandelt. Die Texttafeln und privaten Erinnerungsstücke werden dort ihren Platz finden.

Ebenso die zahlreichen Porträts früherer jüdischer Bürger und historischen Fotos, die Ritualgegenstände wie Kidduschbecher, Challedecken, Salzschalen, Torarollen, Chanukkaleuchter oder Schofar sowie Zeichnungen der Villa Dessauer, die allein schon als Ausstellungsort ein Kapitel jüdischen Lebens in Bamberg bezeugt. Die Villa gehörte einst der Hopfenhändlerfamilie Dessauer, die als erfolgreiche Wirtschaftsbürger im Hainviertel zu Hause war.

Nachkriegsjahre Nicht ausgespart werden die NS-Zeit und die ersten Nachkriegsjahre, in denen wieder Juden nach Bamberg kamen. Die persönlichen Eindrücke und die Schicksale jüdischer Bamberger, die vor den Nationalsozialisten ins Ausland flüchteten oder die heute wieder hier leben, sind in medial aufbereiteten Zeitzeugenberichten erfahrbar. Ein riesiger Touchscreen-Monitor führt zu den einstigen Wohngebieten und den Häusern jüdischer Bamberger.

Einen Zeitzeugenbericht der besonderen Art stellt die künstlerische Auseinandersetzung mit der dunklen Vergangenheit dar: Die amerikanische jüdische Bildhauerin Gabrielle Rossmer, 1938 als Gabriele Judith Roßheimer in Bamberg geboren, stellte bei der Vernissage persönlich ihre Werke »The Document Wall« und »Bamberger Synagoge 1938« vor. »Ich spreche als Bambergerin und Künstlerin«, erklärte sie den Besuchern.

Nach dem Tod ihres Vaters Stephen Rossmer (Stefan Roßheimer) 1983 habe sie sich intensiv mit der Geschichte ihrer aus Bamberg stammenden Familie beschäftigt. Ihren Eltern, Mitbesitzer der renommierten Bamberger Wäschefabrik »Sichel und Kaufmann«, gelang 1939 noch die Flucht in die USA, während die Großeltern zurückblieben und trotz intensiver Bemühungen keine Ausreisegenehmigung mehr erhielten und ermordet wurden.

Dokumente Gabrielle Rossmer erläuterte ihre Installation »The Document Wall«, die aus einer Rahmenkonstruktion aus bemalten Holzleisten und darin angebrachten 66 Fotokopien mit Stempeln besteht: Dokumente aus dem Nachlass ihres Vaters zur Emigration und zur Deportation von Familienangehörigen. Bestürzt und ergriffen lauschten ihre Zuhörer. Auch davon berührt, dass Gabrielle Rossmer von »vielen Freunden in Deutschland« berichtete und davon, dass »sich Deutschland geändert hat«. Ihre Worte waren auch als Versöhnungsgeste zu verstehen, die es ihr ermöglicht hatte, nach dem grauenhaften Morden in ihre Heimatstadt zurückkehren zu können.

Rabbinerin Deusel wünscht der Ausstellung »Nachhaltigkeit, sie soll Menschen ins Gespräch bringen«. Deusel betont aber auch, dass »das Judentum kein Museumsartikel ist. Menschen tragen das Judentum, nicht die Gegenstände.« Gleichwohl will die Rabbinerin ihren Rundgang durch die Villa Dessauer wiederholen: »Die Ausstellung ist sehr übersichtlich angeordnet, zeigt viel, und man wird trotzdem nicht mit Eindrücken überfordert.«

Die Ausstellung »Jüdisches in Bamberg« ist bis zum 1. Juni 2014 in der Stadtgalerie Villa Dessauer, Hainstraße 4a, Bamberg, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr, Freitag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Zu der Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm und Führungen für Schulklassen. Im Katalog zur Schau sind nicht nur die Exponate erklärt, sondern auch zahlreiche Fachaufsätze zum jüdischen Leben in Bamberg abgedruckt. Er ist an der Kasse für 25 Euro erhältlich.

www.museum.bamberg.de

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