Würzburg

Josef Schuster: Hoffnung und Zivilcourage in schwierigen Zeiten

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden Foto: picture alliance / Ipon

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, hat das anstehende Chanukka-Fest in einem Beitrag für die »Main-Post« mit den aktuellen Herausforderungen verbunden. Über das Wunder des geweihten Öls im Jerusalemer Tempel schreibt er: »Dieses Bild lehrt uns, dass Zuversicht möglich bleibt, obwohl die Wirklichkeit dagegen zu sprechen scheint.«

Für Schuster hat das Fest in diesem Jahr auch eine sehr konkrete, weltliche Dimension: »Nach zwei Jahren Krieg, Terror und Angst sind keine lebenden israelischen Geiseln mehr im Gazastreifen.« Zugleich macht er deutlich, dass das Ende der Geiselhaft nicht für alle ein Happy End bedeutet: »Manche trauern um Angehörige, die die Geiselhaft nicht überlebten. Aber der Moment, in dem die letzten Überlebenden wieder nach Hause kamen, hat gezeigt, wie sehr ein ganzes Land nach einem Funken Hoffnung dürstete.«

Schuster verweist zudem auf die Lage in Deutschland: »Antisemitische Vorfälle haben sich seit Beginn der Hamas-Angriffe deutlich erhöht. (...) Für viele Jüdinnen und Juden fühlt sich der Alltag wieder unsicherer an. Nicht weil sie etwas anders machen würden, sondern wegen der Feindseligkeit, die ihnen entgegenschlägt.« Er betont, Hassparolen und extremistische Straftaten bedrohten nicht nur die jüdische Gemeinschaft, sondern stellten eine Gefahr für die gesamte Demokratie dar.

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Besinnung und Engagement gehören für Schuster zusammen: »Chanukka fällt in eine Zeit, die zugleich besinnlich und angespannt ist. Besinnung darf aber nicht mit Rückzug verwechselt werden. Als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes tragen wir Verantwortung dafür, dass jüdische Einrichtungen geschützt und jüdische Stimmen gehört werden.« Er ruft zu Zivilcourage auf, auch im Alltag: »Zivilcourage beginnt oft leise: im Widerspruch am Stammtisch, im Einspruch in den sozialen Medien, in der Entscheidung, einem dummen Spruch nicht schweigend zuzusehen.«

Abschließend zieht Schuster in der »Main-Post« eine Parallele zwischen dem Chanukka-Licht und demokratischem Engagement: »Das Licht von Chanukka verbreitet sich nicht durch eine große Flamme, die alles erhellt. Es wächst acht Tage lang, Kerze für Kerze; so, wie die demokratische Kultur aus vielen einzelnen Stimmen entsteht. Möge diese Zeit jedem von uns die Kraft geben, selbst zu einem solchen Licht zu werden: für unsere Nachbarn, unsere Städte, unser Land. Dann bleibt vom Wunder von Chanukka mehr als nur eine schöne Geschichte, nämlich der Auftrag, Hoffnung zu teilen.« im

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