Kooperation

In allen Facetten

Projektkoordinatorin Simone Gundi mit den Initiatorinnen Susanne May und Ellen Presser (v.l.) Foto: Susanne Lößl/ MVHS

»Gegen den Hass zu bestehen, ist ein täglicher Kampf, den die jüdische Gemeinde nicht alleine kämpfen kann«, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, im Juni bei einer Kundgebung gegen Antisemitismus in München. Ellen Presser, die Leiterin des Kulturzentrums der IKG, nennt die Münchner Volkshochschule (MVHS) als große zivilgesellschaftliche Institution eine verlässliche Partnerin an der Seite der Kultusgemeinde – und dies nicht erst seit dem aktuellen Festjahr »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«.

Die Zusammenarbeit von IKG und MVHS währt seit Jahrzehnten. Unvergessen ist die Plakat-Ausstellung der Aspekte Galerie der Volkshochschule im Gasteig Auschwitz warnt, deren Titel wie ein Menetekel auf die rechten Umtriebe der Gegenwart verweist. Sie fand 1988 in Erinnerung an den 50. Jahrestag der sogenannten Kristallnacht statt. Und die Zusammenarbeit ging weiter.

dauerausstellung Und die Zusammenarbeit ging weiter. Für die Dauer von 20 Jahren war – bis zum Auszug der MVHS aus dem Rückgebäude Lindwurmstraße 127 im Jahr 2017 – dort die Dauerausstellung Kein Ort mehr zu sehen. Immerhin befand sich in der NS-Zeit bis zu ihrer Auflösung ebenda die letzte Anlaufstelle der Israelitischen Kultusgemeinde mit Betsaal, Kleider- und Essenmarken-Ausgabe; mit diesem Absender waren auch die Deportationsbescheide versehen. Heute erinnert eine Stele vor dem Gebäude an diese dunkle Seite der Münchner Geschichte.

Susanne May, Programmdirektorin der MVHS, hält daran fest: »Es ging von Anfang an und geht insbesondere heute darum, dem Antisemitismus den Boden zu nehmen und jüdische Kultur und jüdische Lebenswelten in all ihren Facetten bekannter und sichtbarer zu machen.« Gemeinsam mit Ellen Presser, und damit einer Kooperation beider Institutionen, geht es darum, jüdische und nichtjüdische Menschen gleichermaßen zu erreichen und im besten Falle miteinander ins Gespräch zu bringen.

motto Das Motto »Erinnerung für die Zukunft – Jüdisches Leben in Deutschland« wird in mehr als 50 Veranstaltungen, in Gesprächsrunden und Vorträgen, Ausstellungen und Filmen, mit Musik und auf Exkursionen, unterhaltsam oder ernst, historisch und tagesaktuell, lehrreich und überraschend eingeführt, die Vielfalt jüdischer Standpunkte dargestellt.

Judentum ist einerseits eine klar erkennbare religiös definierte Entität, andererseits kein monolithischer Block, sondern pluralistisch, kontrovers und immer wieder wegweisend für das Verständnis und die Entwicklung der Zeitläufte. Nicht von ungefähr trägt dazu eine Reihe den Titel »Erinnerung in der Vielfalt der Stimmen«, eine andere präsentiert »Zwiesprachen« mit dem Werk von Persönlichkeiten wie Hannah Arendt, Fritz Bauer und Heinrich Heine. Und eine dritte fragt nach der »Zukunft der Erinnerung nach dem Zivilisationsbruch«.
Es gibt eine reich bebilderte Broschüre mit ausführlichen Ankündigungen. Sie ist bei der MVHS und im Jüdischen Gemeindezentrum beim Kulturzentrum kostenlos erhältlich.

Aktuelle Informationen unter www.mvhs.de/juedisches-leben oder telefonisch unter 089/48006-0

Gedenktag

Weltweit noch 196.600 jüdische Holocaust-Überlebende

Am 27. Januar wird an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 81 Jahren erinnert. Dort und an vielen anderen Orten ermordeten die Nationalsozialisten Millionen Juden. Noch können Überlebende von dem Grauen berichten

 20.01.2026

27. Januar

»Man tut sich mit den toten Juden leichter als mit den lebenden«

Eva Umlauf aus München ist Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees. Auf eine bestimmte Art des Gedenkens an die Opfer der Schoah schaut sie kritisch - und sagt, was sie sich wünscht

von Leticia Witte  20.01.2026

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht« über ihre Sorgen um die Demokratie und den Aufstieg rechter Parteien. Zu sehen sind Ausschnitte der Interviews auch im Nachtprogramm der ARD

 19.01.2026

Interview

»Die Kita wird für alle offen sein«

Yevgeny Kutikov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Potsdam, über die erste jüdische Kita in Brandenburg.

von Christine Schmitt  19.01.2026

Dachau

2025 mehr als eine Million Besucher in KZ-Gedenkstätte

Erstmals wurden in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein ganzes Jahr lang Besucher gezählt. 2025 waren es mehr als eine Million. Im kommenden Frühjahr will man deren Profil genauer untersuchen

 19.01.2026

Köln

Jüdischer Karnevalsverein antisemitisch angefeindet

»Es ist das bisher Heftigste, was uns passiert ist«, sagt der Präsident des jüdischen Karnevalsvereins »Kölsche Kippa Köpp«. Den Mut verliert Aaron Knappstein aber nicht

von Leticia Witte  19.01.2026

Uckermark

Stille Weite

Alex Stolze ist Musiker und hat sich in einem Dorf unweit der deutsch-polnischen Grenze einen jüdischen Ort in Brandenburg geschaffen

von Katrin Richter  18.01.2026

Berlin

»Meine Überraschung war die Konfitüre aus Rosenblüten«

Laurel Kratochvila backt Challa, Rugelach und Bagels. Nun hat sie ein Buch über polnische Backkunst geschrieben, das die »New York Times« prämiert hat. Eine Reise in die Familiengeschichte und an den Straßenrand

von Katrin Richter  18.01.2026

Grunewald

Friedhof Heerstraße braucht mehr Platz

Die Gemeinde hofft auf die lang erwartete Erweiterung. 1200 neue Grabstellen sind geplant

von Christine Schmitt  18.01.2026