Berlin

Hören im Stelenfeld

»Es geht darum, die Staffel der Erinnerung weiterzugeben«, sagte Schauspielerin Iris Berben am Montagvormittag, nachdem sie symbolisch einen von 23 QR-Steinen am Denkmal für die ermordeten Juden Europas verlegt hatte. Es sei ihr ein Anliegen, bei diesem Projekt mitzumachen, denn man müsse »in der Erinnerungskultur auf neue Möglichkeiten zurückgreifen«, um junge Menschen zu erreichen.

Eine dieser neuen Möglichkeiten sind die in der Werbung mittlerweile recht präsenten sogenannten QR-Codes (Quick Response Codes), quadratische Zeichen, die man mit dem Smartphone einscannt, um dann die entsprechende Website oder auch App aufzurufen.

Virtuell In diesem Fall wurden die Codes jedoch nicht auf Werbeplakate gedruckt, sondern von einem Berliner Steinmetzbetrieb in Steine graviert. Die 23 Steine werden nun rund um das Holocaust-Denkmal in den Boden eingelassen und verknüpfen somit das Denkmal mit einem virtuellen Konzert, das per Smartphone empfangen und gehört werden kann.

Die Idee des virtuellen Konzerts hat ihren Ursprung im Jahr 2008, in der Welturaufführung des eigens für das Denkmal komponierten Werks Vor dem Verstummen von Harald Weiss. Damals hörten 3000 Besucher diese einzigartigen Aufführung im Denkmal. Die 24 Musiker waren zwischen den Stelen verteilt, die Sängerin wandelte durch die Schluchten des Denkmals. Jeder Zuhörer hatte an der Stelle, wo er sich befand, ein anderes einzigartiges Klangerlebnis. Doch der Aufwand für diese Aufführung war so groß, dass sie nicht erneut realisiert werden konnte.

GPS Die App »Virtuelles Konzert im Denkmal« macht dieses einmalige Ereignis jedem Besucher des Denkmals erlebbar. Die Applikation arbeitet mit einem neuen technologischen Verfahren, das über GPS den genauen Standort des Hörers berechnet und in eine individuelle Klangwiedergabe der Instrumente umrechnet.

Wer den QR-Code scannt und dem Konzert über Kopfhörer lauscht, kann und soll dabei durch das Denkmal wandeln, denn die Wiedergabe der Musik ändert sich dabei und vermittelt ein jeweils einmaliges Konzerterlebnis. Die Instrumente werden schwächer oder intensiver, je nachdem, wo man sich gerade befindet.

www.virtuelleskonzert.com

Lesen Sie mehr am Donnerstag in der Printausgabe.

Wahl

»Der Schock sitzt tief«

Jüdinnen und Juden blicken mit großer Skepsis auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken. Sie fordern klare Zusagen zum Kampf gegen Antisemitismus

von Christine Schmitt  30.09.2026

Rathaus Neukölln

Berlin

Hillel zieht seine Chanukkia aus dem Rathaus Neukölln ab

Der jüdische Bildungsverein will seine Chanukka-Feier künftig an einem »neutralen Ort« abhalten. Für den scheidenden Bürgermeister Martin Hikel ist die Entscheidung ein Schock

 30.09.2026 Aktualisiert

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 8. Oktober

 30.09.2026

Chemnitz

Gestohlener Davidstern sichergestellt

Unbekannte hatten laut Polizei in der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkortes eine Schautafel beschädigt und den Davidstern mitgenommen

 28.09.2026

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Düsseldorf

Attacke auf Juden wird Thema im Landtag NRW

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Juden am vergangenen Dienstag sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Nun soll Innenminister Reul (CDU) im Innenausschuss Auskunft geben

 28.09.2026

Architektur

Von Brandenburg nach Haifa

In Finow wird ein historisches Kupfer-Haus restauriert. Einst von Walter Gropius modernisiert, zogen die mobilen, industriell gefertigten Bauten mit ihren Eigentümern bis nach Palästina

von Mark Feldon  27.09.2026

Literatur

Wenn Fiktion zur Geschichtsschreibung wird

Der israelische Bestsellerautor Dror Mishani stellte im Gespräch mit Richard C. Schneider seinen neuen Roman »Nicht« vor

von Nora Niemann  27.09.2026

München

»Ihr Licht ist nicht verloschen«

Die Frauen-Mikwe der Gemeinde trägt seit Kurzem den Namen von Rebbetzin Shoshana Brodman

von Luis Gruhler  27.09.2026