Gedenken

Historisches Manöver

Hochrangige Repräsentanten der Bundeswehr und der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte haben in der vergangenen Woche gemeinsam die KZ-Gedenkstätte in Dachau besucht.

Angeführt wurde die Delegation von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie erinnerte daran, dass das Gedenken an die systematische Ermordung von rund sechs Millionen europäischen Juden zentraler Teil der Erinnerungskultur beider Länder sei.

freiheit Die Ministerin rief zugleich zu einer Vertiefung der Freundschaft mit Israel auf. »75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und nach der Befreiung des KZs Dachau ist es wichtiger denn je, für Frieden, Freiheit und Menschenrechte einzutreten«, erklärte sie.

Annegret Kramp-Karrenbauer betonte, dass das Existenzrecht und die Sicherheit Israels unverrückbare Ziele deutscher Politik seien.

Zugleich wies sie darauf hin, dass das Existenzrecht und die Sicherheit Israels unverrückbare Ziele deutscher Politik seien. Hinzu komme, so Kramp-Karrenbauer, dass der Schutz jüdischen Lebens in Deutschland unter besonderer Verantwortung stehe.

Konkret umgesetzt wird die enge Beziehung beider Länder durch eine zweiwöchige, aktuell laufende gemeinsame militärische Übung auf deutschem Boden. 180 Soldaten der Israeli Air Force (IAF) mit sechs F-16-Kampfjets nehmen daran teil. Während die Bundeswehr in den vergangenen Jahren schon mehrmals an Militärübungen in Israel mitwirkte, ist es das erste Mal in der Geschichte, dass israelische Kampfjets in deutschem Luftraum fliegen.

delegation Diese Kampfjets sorgten während des Besuchs für einen ganz besonderen Moment. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die der Delegation angehörte, sprach im Anschluss von einer historisch bedeutsamen Momentaufnahme. In Formation mit deutschen Militärflugzeugen waren die Jets über Dachau hinweggeflogen, um so ihren Respekt vor den Opfern des Holocaust zu bekunden.

Ein gemeinsames Flugmanöver der deutschen und israelischen Soldaten hatte kurz zuvor auch in Fürstenfeldbruck stattgefunden. Damit sollte an die elf israelischen Sportler und den deutschen Polizisten erinnert werden, die während der Olympischen Spiele 1972 in München von palästinensischen Terroristen ermordet wurden.

Für einen weiteren bewegenden Moment sorgte bei dem Besuch ein Soldat aus Israel, dessen Großvater bis 1945 in Dachau inhaftiert war, seine gesamte Familie verlor und nach dem Krieg in Israel ein neues Leben anfing. In Gedanken an seinen Großvater sehe er es als Ehre an, hier in Dachau zu stehen. Der junge Mann selbst ist Pilot und nimmt an der laufenden Militärübung teil. Zur Delegation gehörte auch sein höchster Vorgesetzter, Generalmajor Amikam Norkin, Chef der israelischen Luftwaffe.

Ein junger israelischer Pilot erinnerte an seinen Großvater, der in Dachau inhaftiert war.

Weitere namhafte Persönlichkeiten, die sich dem Besuch in Dachau angeschlossen hatten, waren Jeremy Issacharoff, Botschafter des Staates Israel, Generalkonsulin Sandra Simovich, Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Deutschen Luftwaffe, und der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann.

verantwortung Begrüßt worden waren die Gäste von Karl Freller, dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Landtagsvizepräsidenten. Er bekundete, fest an der Seite Israels zu stehen. »Wir sind uns unserer Verantwortung für dieses Land bewusst«, sagte er auch mit Blick in die Zukunft.

Sachkundige Einblicke in das System des Dachauer KZs erhielt die deutsch-israelische Besuchergruppe von Gabriele Hammermann, der Leiterin der Gedenkstätte. Sie wies auf die besondere Bedeutung des Dachauer Konzentrationslagers hin, das Modell für alle anderen war. Rund 200.000 Menschen wurden von den Nazis dort eingesperrt und gequält, mehr als 40.000 starben.

Nach dem bedrückenden Bericht fanden am Internationalen Mahnmal und an der jüdischen Gedenkstätte religiöse Gedenkzeremonien statt. Annegret Kramp-Karrenbauer und Botschafter Jeremy Is­sacharoff, der das Treffen als »einzigartiges Ereignis« bezeichnete, legten dort Kränze nieder, ebenso wie die beiden Luftwaffenchefs Gerhartz und Norkin. Das Gebet sprach Rabbiner Mendel Muraiti.

Hessen

Brandanschlag auf Gießener Synagoge: Was bislang bekannt ist

Ein 32-jähriger Mann hat am Dienstag vor der Beith-Jaakov-Synagoge einen Papiercontainer in Brand gesetzt und den Hitlergruß gezeigt. Die Jüdische Gemeinde zu Gießen vermutet einen antisemitischen Hintergrund

von Michael Thaidigsmann  14.01.2026

Thüringen

Juden fordern klare Haltung zu Iran-Protesten

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten im Iran und wirbt für deren Unterstützung

 14.01.2026

Programm

Lesung, Führung, Erinnerung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 15. Januar bis zum 22. Januar

 14.01.2026

Berlin

»Wie es wirklich war«: Schoa-Überlebende als Hologramme  

Wie es mit dem Erinnern an die NS-Verbrechen weitergeht, wenn diejenigen, die aus erster Hand berichten können, nicht mehr da sind, wird bei einer Konferenz in Berlin erörtert

von Leticia Witte  14.01.2026

Ignatz-Bubis-Preis

»Den Menschen und dem Leben zugewandt«

Salomon Korn hat die Auszeichnung der Stadt Frankfurt am Main erhalten. Wir dokumentieren hier die Laudatio seines langjährigen Weggefährten Dieter Graumann

von Dieter Graumann  13.01.2026

ZWST

»Wir müssen wütender werden«

Ricarda Theiss, Leiterin des Fachbereichs Frauen, über die Praxis Sozialer Arbeit, Alltagserleben und patriarchalische Machtverhältnisse

von Katrin Richter  13.01.2026

Erinnerungskultur

Bund fördert Projekte zu NS-Zeit und deutscher Teilung

Der Bund fördert in den kommenden Jahren neue Projekte in Gedenkstätten

 13.01.2026

Auszeichnung

Vier Deutsche mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr werden vier Personen und eine Initiative geehrt

 13.01.2026

Bergen-Belsen

Bahn-Neubau: KZ-Gedenkstätte mahnt Abstand zu Gedenkort an

Die Bahn will voraussichtlich mit einem Neubau die Strecke zwischen Hamburg und Hannover ertüchtigen. An den Plänen gibt es auch Kritik. Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen sieht einen historischen Erinnerungsort in Gefahr

von Karen Miether  13.01.2026