Bochum

Herausforderung Zukunft

Ehud Olmert Foto: Flash 90

Die Zukunft des Nahen Ostens – das war das Thema eines Vortrags am Donnerstagabend in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Bochum. Und dafür hatte Organisator Sascha Hellen einen prominenten Redner gewinnen können: Israels ehemaligen Ministerpräsidenten Ehud Olmert.

Vor rund 300 Gästen führte der frühere deutsche Botschafter in Israel, Rudolf Dreßler, in Olmerts politisches Wirken ein. »Wer bei Google Ehud Olmert eingibt, der erhält in 0,25 Sekunden knapp dreieinhalb Millionen Texte über ihn«, sagte er. Der SPD-Politiker lobte Olmerts Bemühungen, Frieden mit den Palästinensern herbeizuführen.

Palästinenser Entsprechend äußerte sich Olmert dann in seiner Rede: »Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, uns endlich mit den Palästinensern zu einigen.« Nur mit einer Zwei-Staaten-Lösung werde es dauerhaft Frieden geben. Allerdings machte der Ex-Regierungschef auch deutlich, dass der Weg zu einem eigenen palästinensischen Staat nur über direkte Verhandlungen führe. »Es wird keine Abkürzung über die UNO geben!« Pessimistisch stimmte Olmert das neuerliche Bündnis zwischen der Fatah und der terroristischen Hamas, das gestern in Kairo besiegelt wurde.

Optimistischer dagegen äußerte sich Olmert zu einem möglichen Stopp des iranischen Atomprogramms. Dieses stelle bekanntlich eine existenzielle Bedrohung Israels dar. Doch in den vergangenen Jahren habe der jüdische Staat immer wieder bewiesen, dass er die Entwicklung des Programms entscheidend beeinflussen könne. »Sollten wir den Eindruck gewinnen, dass das iranische Atomprogramm unmittelbar vor seiner Fertigstellung steht, sollte der Iran gewiss sein: Alle Optionen liegen auf dem Tisch!« Ein Regime, das immer wieder die Auslöschung Israels fordere, dürfe unter keinen Umständen Atomwaffen besitzen.

Sanktionen Er erinnerte daran, dass ein Atomstaat Iran indes keineswegs für Israel allein ein Problem darstelle, sondern für den gesamten Westen. Deshalb appellierte er zum Abschluss seiner Rede an die Völkergemeinschaft: »Das Problem wird sich nicht von selbst lösen. Beschließt schärfere Sanktionen! Stoppt das iranische Atomprogramm!«

In dem anschließenden Gespräch mit Richard C. Schneider, Leiter des ARD-Studios in Tel Aviv, zeigte sich Olmert zurückhaltender, aber nicht weniger schlagfertig. Auf die Frage, ob Israel als Ultima Ratio tatsächlich einen Präventivschlag gegen iranische Atomanlagen in Betracht ziehe, antwortete er: »Wenn Sie ich wären und ich Sie als Politiker fragen würde, ob Israel einen Präventivschlag plant, würden Sie mir eine ehrliche Antwort geben?«

Auch hier beantwortete Olmert seine Frage kurzerhand selbst. »Falls wir entsprechende Pläne öffentlich bestätigen würden, wären wir blöd. Für den Fall, dass wir keinen Schlag gegen iranische Atomanlagen planten und dies zugeben würde, wären wir noch blöder. Wir bestätigen nichts, und wir dementieren auch nichts.«

protest Die israelische Tageszeitung Yedioth Ahronoth hatte in ihrer Onlineausgabe gemeldet, dass Iraner und Palästinenser im Rahmen der Veranstaltung vor der Gemeinde gegen Ehud Olmerts Rede protestiert hätten.

Auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen bestätigte die Bochumer Polizei, dass es eine angemeldete Demonstration gegeben hat, an der rund 20 Personen teilnahmen. Allerdings fand diese nicht vor der Gemeinde statt, sondern vor dem Bochumer Rathaus.

Jewrovision

Jung, laut, jüdisch

Eindrücke vom Wochenende in Stuttgart

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 3. Juni

 20.05.2026

Stuttgart

Sieg in Weiß mit »Gangsta’s Paradise«

Glitzer, Lampenfieber und große Botschaften: Bei der Jewrovision verwandelten Jugendliche aus ganz Deutschland Musik, Tanz und persönliche Geschichten in eine kraftvolle Show. JuJuBa holte den ersten Platz, gewonnen haben aber alle

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Bei dem Musikwettbewerb haben die Teilnehmer auch immer wieder den grassierenden Antisemitismus thematisiert. Die Politik muss die Angst jüdischer Kinder und Jugendlicher endlich ernst nehmen

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Konflikt

»Große Irritation« nach Gründung eines neuen liberalen Rabbinatsgericht

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin und die Union progressiver Juden haben ein Beit Din gegründet. Die Allgemeine Rabbinerkonferenz kritisiert den Schritt als »Spaltungsmanöver«

von Mascha Malburg  19.05.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Magdeburg

Synagogen-Gemeinde weiht neue Torarolle ein

Große Freude in der Magdeburger Synagoge: Nach mehr als 30 Jahren des Spendensammelns erhält die jüdische Gemeinde eine neue Torarolle, die in Israel von einem spezialisierten Schreiber angefertigt wurde

 18.05.2026