European Maccabi Games 2015

Großes Familienfest

Nun wird es ernst: Der Kuppelsaal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in der Oranienburger Straße war am Dienstagnachmittag restlos besetzt. Mikrofone wurden zurechtgerückt, Stühle herangeschoben und Kameraobjektive aufgeschraubt: Knapp zwei Monate vor Beginn der European Maccabi Games (EMG) in Berlin war das landesweite Medieninteresse für die größte jüdische Veranstaltung Europas groß. Mehr als 40 Journalisten waren der Einladung der EMG-Organisatoren zur öffentlichen Auslosung der Mannschaftssportarten mit anschließender Pressekonferenz im Rahmen der »Berlin Sports Week« gefolgt.

Das EMG-Team um Oren Osterer hatte buchstäblich alle Hände voll zu tun: Mit Unterstützung der EMG-Paten für Basketball, Fußball und Wasserball losten die Veranstalter die ersten Turniere aus – nacheinander fischten sie aus Glasbehältern die bunten Plastikbälle heraus, die die Namen der Ländergruppen enthielten. In ihrem ersten Gruppenspiel trifft die deutsche Fußballmannschaft auf Großbritannien.

auslosung
Für Claudio Offenberg, sportlicher Leiter der Fußballabteilung von Makkabi Berlin, ist es ein bewegender Moment. »Mein Vater war stolz darauf, dass ich als Trainer auch außerhalb des jüdischen Sports Fuß gefasst habe. Doch mir war immer beides wichtig, auch der jüdische Sport«, sagte der Makkabi-Fußballer sichtlich gerührt. Auch Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, beschrieb die offizielle Auslosung als persönliches »Gänsehautgefühl«. »Mein Vater wurde in Berlin geboren. Er floh vor den Nazis, erst nach Südamerika, dann nach Israel. Die Familie wohnte damals in der Schöneberger Straße – nur zwei Häuser von unserem jetzigen EMG-Büro entfernt. Für mich schließt sich damit ein Kreis. Das gilt für viele EMG-Teilnehmer weltweit«, sagte Meyer.

Denn zu den EMG kommen außer europäischen jüdischen Sportlern auch Gastdelegationen aus den USA, Australien, Kanada und Südamerika – viele von ihnen mit Wurzeln in Deutschland. Dass die EMG über Europa hinaus offen sind, birgt aus Meyers Sicht eine große Verantwortung. »Wir haben damit die Möglichkeit, Deutschland ins richtige Licht zu rücken«, betonte er. Er sei besonders froh, dass die Spiele jetzt stattfinden – so würden die Großeltern der jungen Sportler noch zu Lebzeiten sehen, wie sich der Kreis schließe.

akzente Der Akzent der Spiele liege zwar auf der Gegenwart und der Zukunft, betonte EMG-Direktor Oren Osterer. Doch bis zur Eröffnung werde ein intensives Rahmenprogramm den Teilnehmern die Gelegenheit bieten, auch an die Vergangenheit zu erinnern und ermordeter jüdischer Sportler zu gedenken.

»Wir wollen zwei Signale setzen«, erklärte Osterer. »Der deutschen Mehrheitsgesellschaft wollen wir zeigen, wie kraftvoll jüdisches Leben in Deutschland heute ist, und nach außen wollen wir unser neues deutsch-jüdisches Selbstverständnis bekunden.« Das ist einer der Gründe, weshalb der Zentralrat der Juden die EMG 2015 unterstützt. »Aus ganz Deutschland werden Mitglieder der jüdischen Gemeinden nach Berlin kommen, um bei den Maccabi-Spielen mit dabei zu sein«, sagte Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats. Die European Maccabi Games werden nicht hinter verschlossen Türen stattfinden, sondern offen für alle sein, die die große Vielfalt des Judentums erleben möchten, so Botmann.

Die EMG 2015 werden, darin waren sich Organisatoren und Unterstützer einig, wie ein »großes Familienfest«, an dem man die ganze Gesellschaft teilhaben lassen wolle.

Zur Eröffnungsfeier in der Waldbühne mit Bundespräsident Joachim Gauck werden 15.000 Gäste erwartet. Es treten Popstars wie der deutsch-muslimische Adel Tawil und der amerikanisch-jüdische Hip-Hopper Matisyahu sowie ein deutsch-israelisches Jugendorchester auf. Den Abend moderiert die Schauspielerin Palina Rojinski, den offiziellen EMG-Song singt die deutsch-jüdische Band Jewdyssee.

www.emg2015.de

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