Einkäufe

Gibt’s nicht gibt’s nicht

Koscherer Honig und Wein: Ein Kunde kauft bei »Migdal« in Frankfurt schon mal für die Feiertage ein. Foto: Rafael Herlich

Noch lässt der Ansturm auf sich warten. Zakhar Rapoport, Inhaber des koscheren Lebensmittelladens »Migdal« im Frankfurter Ostend, verweist auf die hessischen Schulferien, die erst in wenigen Tagen enden. Dann würden seine Kunden aus dem Urlaub zurückkehren und für das nahende Neujahrsfest Rosch Haschana einkaufen, versichert er.

Hin und wieder betreten auch an diesem Augustnachmittag Kunden den kompakten Laden. Einige von ihnen kaufen zielgerichtet koschere Lebensmittel für den täglichen Bedarf ein, andere lassen sich von Rapoport hinsichtlich des Sortiments beraten. Mit seinen Kunden spricht er abwechselnd Russisch, Hebräisch und Deutsch.

TAFEL Was wird üblicherweise zu den Feiertagen gekauft? »Jeder hat seine eigene Assoziation mit Rosch Haschana«, erläutert Rapoport. Es gehe um eine besondere, festliche Tafel. So sei koscheres Fleisch gefragt, einige bestellten zudem Ente. Bei aller Individualität gibt es aber auch Klassiker: Rapoport führt zum Regal mit israelischem Honigkuchen und deutet auf die benachbarte Weinauswahl.

Vor allem russischsprachige Kunden kaufen Gefilte Fisch.

Auch israelischer Honig sei beliebt. Gefilte Fisch im Glas ist bei »Migdal« ebenso vorrätig wie eine tiefgekühlte Variante, die noch zubereitet werden muss. Vor allem russischsprachige Kunden kauften das traditionelle Fischgericht, sagt Zakhar Rapoport. Zu den Feiertagen biete er überdies runde Challot an.

TROCKENFRÜCHTE Doch nicht alles, was eine Festtafel braucht, kaufen die Gemeindemitglieder bei »Migdal« ein. Trockenfüchte, Äpfel und Granatäpfel etwa besorgten seine nicht nur in Frankfurt lebenden Kunden im Supermarkt, berichtet Rapoport, der seinen Laden seit viereinhalb Jahren führt. Wer frisch zubereiteten Gefilte Fisch möchte, werde beim Gemeinderestaurant und weiteren Catering-Anbietern fündig.

Im hinteren Bereich des Ladens warten derweil einige auf Paletten gestapelte Kisten darauf, ausgepackt zu werden. Hat die fortdauernde Corona-Pandemie im Vorfeld der Feiertage zu Lieferengpässen geführt? Zu Pessach habe es Probleme mit Lieferungen aus den Vereinigten Staaten gegeben, erzählt Rapoport. Geschlossene Häfen seien die Ursache gewesen. 2020 habe es auch Schwierigkeiten mit Lieferungen aus Israel gegeben. »Vor Corona waren Lieferungen schneller. Daher bestellen wir jetzt früher«, resümiert der »Migdal«-Inhaber.

CORONA Wie schätzen andere Händler die Lage vor den Feiertagen ein? »Wir haben keine nennenswerten Lieferengpässe für Waren aus Israel«, berichtet Andrej Mints, Manager des Berliner »Kosher Daily Markt«, am Telefon. Das einzige Problem habe man mit Warenlieferungen aus Frankreich, was aber nicht mit der Pandemie zusammenhänge. Corona, sagt Mints, wirke sich aber selbstverständlich auf die Kunden aus: »Die Menschen bemühen sich, Abstand einzuhalten, und sie gehen nicht in den Laden rein, wenn er voll ist.« Einige gingen pandemiebedingt nicht einkaufen. Für sie habe man einen Versandservice aufgebaut.

Für das anstehende Feiertagsgeschäft sieht sich Kambiz Alizadeh gut ausgestattet.

»Wir kennen unsere Kunden. Und selbst wenn wir uns nicht kennen, kann man uns eine Textnachricht mit einer Einkaufsliste schreiben. Das sammeln wir dann ein und verschicken es.« Ein eigener Lieferservice sei im Aufbau. »Wir befinden uns jetzt auf der Zielgeraden.« Mints zeigt sich insgesamt zuversichtlich: »Glücklicherweise kommen die Menschen zurück, die Urlaubszeit ist vorüber, und die Schule hat angefangen.«

SUKKOT Wie sieht es mit Arba Minim, dem Feststrauß zu Sukkot, aus? »Vielleicht werden wir es dieses Jahr anbieten«, sagt Mints. 2020 habe man die Kunden mit diesem Wunsch zu Chabad oder einer Synagoge geschickt.

»Feiertagssträuße zu Sukkot bietet hier in Köln die Synagogen-Gemeinde an«, sagt Kambiz Alizadeh, Inhaber von »Koscherland Köln«, im Telefongespräch. Sein Ladengeschäft führt koschere Lebensmittel, fungiert aber auch als Getränkemarkt und Kiosk. »Zu den Feiertagen kaufen die Kunden mehr – mehr Wein, aber auch mehr Fleisch«, berichtet er.

»Was israelische Produkte betrifft, haben wir grundsätzlich immer Lieferengpässe. Mal wird geliefert und mal nicht«, sagt Alizadeh. Das habe aber nicht unbedingt mit der Corona-Pandemie zu tun. Für das anstehende Feiertagsgeschäft sieht sich Alizadeh gut ausgestattet. »Die zu den Feiertagen nachgefragten Produkte haben wir meistens da: Honig oder Kuchen, diverse Weinsorten. Das alles haben wir vorrätig«, versichert er.

GESCHENKE Auch beim auf Judaica und Waren aus Israel spezialisierten Versandhaus »Doronia« zeigt man sich gelassen. Man sei seit 30 Jahren am Markt und habe daher reichlich Erfahrung mit kritischen Situationen, was Bestellungen angeht. Im vergangenen Jahr habe die Corona-Pandemie den Warenverkehr zwischen Israel und Deutschland kompliziert gemacht, gerade vor den Feiertagen. In diesem Jahr sei man vorbereitet gewesen, betont Tova Chmelnik auf Anfrage.

Das Bestellaufkommen zu Rosch Haschana hat sich stark entwickelt.

»Doronia« hat nach eigenen Angaben die meisten der rund 3000 Artikel im Vorrat. Stets würden größere Mengen bestellt, da es Unwägbarkeiten auf dem Seeweg abzufedern gelte. Das Bestellaufkommen zu Rosch Haschana habe sich stark entwickelt, heißt es weiter. Traditionsartikel und Geschenke zum Jahresbeginn, Wein- und Delikatessenpakete seien ebenso stark gefragt wie Gebetbücher für Rosch Haschana und Jom Kippur.

Einen Online-Shop mit Lieferservice kann Zakhar Rapoport noch nicht vorweisen. Beides sei in Vorbereitung, berichtet der Frankfurter, nachdem er sich mit »Toda raba« von einer Kundin verabschiedet hat. 2020 hätten viele Kunden Angst wegen der Pandemie gehabt. Er habe damals die Öffnungszeiten erweitert und an Pessach Einkäufe an die Tür liefern lassen.

»Dieses Jahr ist alles leichter«, betont Rapoport. Wenn die Schulferien vorbei seien, komme auch der Andrang, sagt er und rückt noch einige Packungen mit Salzgurken zurecht.

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