Köln

Gemeinsam stärker

Jahresempfang in der Synagogen-Gemeinde Köln mit Henriette Reker (M.) und Abraham Lehrer (r.) Foto: Constantin von Hoensbruch

Vier schlichte Wörter sagte Felix Schotland zur Begrüßung: »Was für eine Zeit.« Und treffender hätte das Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln die allgemeine Situation nicht zusammenfassen können. »Was für eine Zeit«, wiederholte er und betonte jedes einzelne Wort. »Wir glaubten alle, dass alles, was bisher war, auch so bleiben wird.«

Während in den vergangenen zwei Jahren die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und vor einem Jahr die Flutkatastrophe im Ahrtal das Handeln der Gemeinde bestimmten, ist es nun der Ukraine-Krieg.

Gemeindestruktur Schotland erinnerte an den Aufbau einer tragfähigen Gemeinde-Infrastruktur, um auch unter den Bedingungen der Pandemie das Gemeindeleben erfahrbar zu lassen. Diese Infrastruktur habe sich auch bei der Unterstützung für von der Flut betroffene Menschen im Ahrtal bewährt. Nun der Krieg. »Wir haben bislang 575 Menschen mit 1650 Beratungseinheiten betreut, 130 Personen in der Erstaufnahme aufgenommen und privat sowie in Hotels untergebracht. Täglich versorgen wir etwa 40 Flüchtlinge mit koscherem Essen.«

Unter den Geflüchteten im Alter von zwei Monaten bis zu 90 Jahren befinden sich auch zwei Holocaust-Überlebende. Der Gemeindevorstand hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Solidarität und Hilfsbereitschaft unter den Gemeindemitgliedern groß und völlig unabhängig von der Nationalität sei.

Engagement Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) würdigte den Einsatz der Synagogen-Gemeinde. »Ihr Engagement und ihre zupackende Art sind herausragend und das, was wir jetzt brauchen.« Reker erinnerte an das beispielhafte Verhalten vieler Gemeindemitglieder im Rahmen der »gesamtgesellschaftlichen Verantwortung«. Den Willen, gemeinsam etwas zu bewegen, habe sie immer wieder in der SGK erfahren. Dabei erwähnte sie ausdrücklich auch den Verein »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« und betonte ihre Freude, dass das Festjahr 2021 bis Mitte dieses Jahres verlängert worden ist.

»Reden (mit Zeitzeugen) bringt uns näher«, sagt Kölsch-Art-Musiker Peter Brings.

Gastredner des Jahresempfangs war auch der Musiker Peter Brings. Der Frontmann der gleichnamigen kölschen Mundart-Band erzählte, wie er Anfang der 80er-Jahre ein halbes Jahr in einem Kibbuz verbracht habe. Die Erinnerungen an diese Zeit, die Begegnung mit Schoa-Überlebenden habe ihn zu der Überlegung gebracht: »Reden bringt uns einander näher. Nur so wissen wir, was wir denken und fühlen«, sagte der 57-Jährige.

Dass auch Sport der Verständigung dient, betonte der Präsident des 1. FC Köln, Werner Wolf: »Wir wollen eine Partnerschaft mit der SGK und suchen nun nach Projekten, bei denen wir kooperieren können«. Als ersten konkreten Schritt werde der Verein im Rahmen seiner Akzeptanz-Kampagne »Lebe wie du bist« ausdrücklich den Kampf gegen Antisemitismus verankern.

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

 28.06.2026

Erinnerung

Kunst mit Haltung

Das musikalisch-szenische Projekt »Und dennoch morgen« der Europäischen Janusz Korczak Akademie feierte im Gasteig Premiere

von Ellen Presser  28.06.2026

Israeltag

Wenn Freunde feiern

Rund 2000 Münchnerinnen und Münchner kamen auf dem Odeonsplatz zusammen, um ihre Solidarität mit dem jüdischen Staat zu demonstrieren

von Ellen Presser  27.06.2026

Porträt der Woche

Einfach sie selbst

Hannah Kruse ist Lehrerin, engagiert sich politisch und lebt seit ihrer Transition als Frau

von Alicia Rust  27.06.2026

Glosse

Danke, Felix!

Acht Jahre lang hat Felix Klein die wohl anstrengendste Religionsgemeinschaft dieser Welt ertragen. Nun scheidet er aus dem Amt. Eine etwas andere Würdigung

von Leeor Engländer  27.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Köln

»Russisch gehört zum Familienleben«

Hana Fischer bietet in der Kulturakademie Sprachkurse für Kinder an. Ein Gespräch über spielerisches Lernen, Vokabeln und das beliebte Bingo-Alphabet

von Christine Schmitt  26.06.2026

Dresden/Gohrisch

Sächsische Schostakowitsch Tage eröffnet

Das Festival widmet sich bis Sonntag jüdischen Einflüssen auf das Werk des russischen Komponisten

 26.06.2026

Chabad

Jüdische Gemeinde verschiebt Fest wegen Hitze

Neuer Termin nun Ende August

 25.06.2026