Frankfurt

Gemeinsam in den ersten Jahren

Ein Ort, um in Ruhe anzukommen und Neues kennenzulernen, sich mit anderen auszutauschen und zu vernetzen», so beschreibt Daphna Baum das neue Familienzentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Es gehe darum, sagt Baum, «sich willkommen zu fühlen und Begleitung in neuen Lebensphasen zu erfahren, gemeinsam zu wachsen und mit Freude zu genießen».

Das von ihr geleitete Familienzentrum ist seit dem 1. Juni geöffnet. Die Gemeinderabbiner Avichai Apel und Julian-Chaim Soussan hatten in Anwesenheit von Gemeindevertretern die Mesusa angebracht.

«Wir haben bei vielen Gemeindemitgliedern den Wunsch bemerkt, dass wir Familien noch besser unterstützen», erläutert der im Gemeindevorstand für das Familienzentrum zuständige Dezernent Benjamin Graumann die Gründung des Zentrums. Es gehe darum, Familien stärker an die Gemeinde zu binden und das derzeitige Angebot deutlich zu erweitern.

Kita «Wir wollen unsere Mitglieder so früh es geht begleiten und Übergänge schaffen zu unserer Kita, zum Kindergarten und zur Schule», sagt Graumann. Ein jüdisches Familienzentrum sei in Deutschland bisher einmalig: «Es ist insofern für uns ein Meilenstein.»

«Wir können die Eltern entlasten, die den Wunsch haben, zu arbeiten.»

Benjamin Graumann

Eine Vielzahl von Angeboten für junge Familien findet sich im Programm der neu geschaffenen Einrichtung: ein Babytreff für die Allerjüngsten und ihre Begleiter, Geburtsvorbereitungskurse für werdende Mütter und Rückbildungskurse nach der Geburt, eine betreute Gruppe für Kleinkinder, aber auch Vorträge und Beratung zu Schwangerschaft sowie Baby-, Kleinkind- und Familienzeit. Zudem betreut eine Tagesmutter bis zu fünf Kinder. «Wir können die Eltern entlasten, die den Wunsch haben, zu arbeiten», betont Benjamin Graumann.

Die Angebote seien vorrangig für die ersten drei Lebensjahre gedacht, erläutert Daphna Baum. Sie zeigt die in der Nähe des Ignatz-Bubis-Gemeindezentrums im Westend gelegenen Räumlichkeiten des Familienzentrums. Sie können je nach Bedarf flexibel eingerichtet werden. In einem Kursraum sind Kissen und Klettermöglichkeiten für eine Kinderspielgruppe aufgebaut. Im Flur sind von Daphna Baum aufgenommene Fotos zu sehen, die junge Eltern sowie Großeltern mit ihren kleinen Kindern und Enkeln zeigen.

Baum erzählt, sie arbeite schon seit vielen Jahren bei der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung als Familienbegleiterin. Sie sei in mehreren Projekten außerhalb der Gemeinde tätig gewesen.

elterncafé Im Gemeindezentrum starteten unter Baums Ägide vor einigen Jahren ein Babytreff und ein Elterncafé. Sie hatten jedoch keine eigenen, festen Räume. Auch ein Mehrgenerationen-Café entstand. «Es ist einfach ein Bedarf für Eltern, zusammenzukommen und sich auszutauschen, vorhanden», sagt Baum. Babytreff und Elterncafé hätten sich gut entwickelt. Es seien irgendwann immer mehr Eltern mit ihren Kleinen gekommen. In der Corona-Pandemie fanden die Treffen per Zoom oder in Parks und auf Spielplätzen statt. «Eine Gemeinschaft ist entstanden», freut sich Baum über den Erfolg.

Nun kann sie alle Angebote unter einem eigenen Dach bündeln: «Jetzt ist es eine feste Sache.» Das Familienzentrum richtet sich vorrangig an Gemeindemitglieder. Einige Projekte sind aber auch für auswärtige Interessenten zugänglich.

Einzelne Eltern, die das Familienzentrum in Anspruch nehmen möchten, hatten laut Baum zwischendurch weniger Kontakt zur Gemeinde. Andere seien neu nach Frankfurt gezogen. Einige wiederum kennen bereits den Babytreff. «Es rufen auch viele neue Eltern an», berichtet Baum. Auch Benjamin Graumann ist mit dem Start des Familienzentrums zufrieden. «Es läuft sehr gut an. Nach den Sommerferien werden wir die Eröffnung hoffentlich etwas größer feiern», kündigt er an.

Standort

Yad Vashem am Karolinenplatz

Die Holocaust-Gedenkstätte errichtet in München ihr erstes Bildungszentrum außerhalb Israels

von Luis Gruhler  09.06.2026

Meinung

Nein, ein Davidstern ist keine Provokation

Im Amtsgericht Flensburg wurde einer Frau der Zutritt zum Saal nur unter der Bedingung gewährt, dass sie ihre Kette mit einem jüdischen Symbol ablegt. Das ist keine Auslegungsfrage, sondern ein Justizskandal

von Annabelle Ganapol-Vučelić  09.06.2026

Schwäbisch Hall

Wenn Elefanten Synagogen tragen

In der kleinen Stadt sind die beiden einzigen erhaltenen Werke des Synagogenmalers Elieser Sussmann zu sehen – Paneele aus der Betstube von Unterlimpurg und der Frauenschul von Steinbach

von Michael Schleicher  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

Brandenburg

Antisemitismusbeauftragter fordert stärkeren Kampf gegen Judenhass

Antisemitismus im digitalen Raum entschiedener bekämpfen, Prävention besser finanzieren und jüdische Perspektiven stärker berücksichtigen: Dies fordert Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter in seinem ersten Tätigkeitsbericht

von Yvonne Jennerjahn  09.06.2026

Bremerhaven

Synagoge im Visier: Jahrelange Haft und Psychiatrie für Anschlagspläne

Ein perfider Plan, gefährliche Stoffe und eine Sprengstoffweste: Wie Ermittler zufällig auf brisante Chats stießen - und welche Konsequenzen die Vorbereitung eines Anschlags für die Angeklagten hat

 08.06.2026

Buchvorstellung

Gefährliche Ideologien

Der Journalist und Autor Nicholas Potter sprach im Gemeindezentrum über Antisemitismus in der Linken und die Bedrohung der Demokratie

von Luis Gruhler  08.06.2026

Interessenvertretung

Jüdische Lehrkräfte gründen eigenen Verband

Jüdische Perspektiven im Bildungswesen sichtbarer machen: Ein neuer Bundesverband vernetzt Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte und unterstützt sie im Umgang mit Antisemitismus

von Christoph Schmidt  08.06.2026