Thüringen

Gebete im »Salon Goethe«

Viele Besucher kommen nach Weimar, um auf den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller zu wandeln. Das Programm der rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schabbatons der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin sah etwas anders aus. Auf sie wartete im Congress Hotel laut Ankündigung ein »erholsames und inspirierendes Wochenende für die ganze Familie«. Das Motto lautete: »Schabbat. Gemeinsam. Gestärkt.«

Und auch wenn die deutschen Klassiker bei diesem Schabbaton in der thüringischen Kulturstadt nicht ganz oben auf dem Programm standen, fanden die Gottesdienste in der provisorischen Synagoge immerhin in einem Raum statt, der den Namen des berühmten Dichters trägt: »Salon Goethe«.

Dort wurde der wöchentliche Ruhetag mit Kerzenzünden und Kabbalat Schabbat empfangen und schließlich in einer gemeinsamen Hawdala-Zeremonie verabschiedet.

»Erfüllt von Licht, Inspiration und Freude« sollte das Wochenende sein. Aus Georgia/USA war Rabbi Yosef Lew angereist, der unter anderem über »Haschems Fürsorge von Amerika bis Israel« und das Thema »Deine Aufgabe im Großen Ganzen« sprach. Rabbiner Moshe Rochlin widmete sich in seinen Vorträgen der Selbsterkenntnis, dem positiven Denken und der Kraft von Beziehungen. Währenddessen nahmen die Kinder an einem eigens für sie gestalteten Programm mit Spielen und Gebeten teil.

Die Mitarbeiter des Hotels waren während des Wochenendes bemüht, den besonderen Wünschen der jüdischen Gäste gerecht zu werden. So gab es speziell für den Schabbat Schlüssel statt elektronischer Karten für die Zimmer, im Schwimmbad wurden nach Geschlechtern getrennte Badezeiten angeboten. Und statt der Hotelküche durfte Andreas Marinkowitz mit seinem Team vom LeChaim Restaurant Berlin für koschere Mahlzeiten sorgen.

Teilnehmerin Marina war begeistert: »Dieses Schabbaton hat mir gezeigt, wie schön ein authentischer Schabbat wirklich ist.« Und Alexander ergänzte: »Die Vorträge und Diskussionen haben mir gezeigt, dass wir unsere Sicht auf das Leben selbst gestalten können.«

Überschattet wurde das Treffen von den Ereignissen in Israel. Die Nachrichten über die Raketenangriffe auf den jüdischen Staat machten die Runde, viele Teilnehmer hatten Familie und Freunde in Israel, für die besondere Gebete gesagt wurden.

Dazu sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, Rabbiner Yehuda Teichtal: »Gerade in einer Zeit, in der die Welt von Unsicherheit geprägt ist und die Lage in Israel schwer auf unseren Herzen lastet, sollte dieses Wochenende einen dringend benötigten Moment der Verbundenheit, Erneuerung und Hoffnung bieten.«

Das Resümee des Rabbiners des Schabbatons in Weimar lautet: »Es war ein unvergessliches Wochenende, das die Seele erhob, Verbindungen stärkte und uns an die Kraft der jüdischen Einheit erinnerte.« ddk

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