Ehrung

Für Versöhnung und gegen Menschenfeindlichkeit

Charlotte Knobloch und Ilse Aigner (r.) Foto: Stefan Obermeier/Bildarchiv Bayerischer Landtag

Er zählt »zu den staatlichen Auszeichnungen, die im Freistaat Bayern am seltensten verliehen werden«: Dies schreibt der Bayerische Landtag über den Bayerischen Verfassungsorden, der seit 1961 – damals noch als »Verfassungsmedaille« – vom Präsidenten beziehungsweise der Präsidentin des Landtags verliehen wird. Mit dem Orden werden Bürger geehrt, die sich »in besonderer Weise um die Verwirklichung der Grundsätze der Bayerischen Verfassung verdient gemacht haben«, wie es weiter heißt.

Unter den 51 Personen aus ganz Bayern, die die Ehrung vergangene Woche im Rahmen einer Zeremonie im Landtag erhielten, war auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Sie wurde damit für ihr Lebenswerk und insbesondere für ihren Einsatz für Versöhnung und gegen Menschenfeindlichkeit gewürdigt.

Sichtlich berührt und unter stehenden Ovationen des Publikums im voll besetzten Senatssaal des Maximilianeums nahm die IKG-Präsidentin Orden und Urkunde aus den Händen von Landtagspräsidentin Ilse Aigner entgegen. Unter den weiteren Geehrten des Tages waren neben verdienten Bürgerinnen und Bürgern auch einige Prominente: So sind ferner etwa die BR-Journalistin Natalie Amiri, die Leiterin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Ursula Münch, die Schauspielerin Uschi Glas und die Regisseurin Caroline Link Ordensträgerinnen geworden.

»Zeit für die positive Erzählung und einen guten Plan«

Wie der Orden selbst stand die Verleihung ganz im Zeichen der Werte der 1946 verabschiedeten Verfassung, auf die auch der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel in seiner Festrede einging. Waigel, der von seinen eigenen Begegnungen mit den Vätern der Bayerischen Verfassung berichten konnte, warb auch mit Blick auf die derzeit schwierige Lage um Zutrauen in das politische System: Es gehe eben nicht darum, »die Demokratie zurückzuholen, sondern mit demokratischen Mitteln den demokratischen Prozess zu gestalten«. Bereits zuvor hatte Landtagspräsidentin Ilse Aigner in ihrem Grußwort betont, es sei »Zeit für die positive Erzählung und einen guten Plan«. Sie sei die »Abgesänge« leid, so Aigner.

Charlotte Knobloch zeigte sich im Anschluss an die Zeremonie dankbar für die ihr zuteilgewordene Ehre, gerade für sie als »stolze Bayerin« habe der Verfassungsorden eine besondere Bedeutung. Sie selbst habe als Kind die Staatsordnung »ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen« erlebt, vor der die Verfassungspräambel warnte, und sei anschließend Zeuge geworden, wie die Menschen in Bayern erfolgreich eine Demokratie aufbauten.

In diesem Umfeld hätten auch jüdische Menschen wieder eine Heimat in Bayern gefunden, so Knobloch. Der Verfassungsorden stehe vor diesem Hintergrund für mehr als nur die Anerkennung einer Person: Er sei vielmehr »Ausdruck des staatlichen Grundsatzes, dass jüdisches Leben Teil dieses unseres Landes ist«.

Dresden

Gemeinde feiert Rückkehr mit Konzert und Ausstellungen

Rund 200 Besucher feierten die Rückkehr der jüdischen Gemeinde in ihre Synagoge, die nach rund dreieinhalb Jahren Bauzeit wiedereröffnet werden konnte

 15.09.2026

Bayern

Nach Morddrohung gegen Charlotte Knobloch – jetzt äußert sich die Polizei

Die Hintergründe

 15.09.2026

Audiowalk

Schritte durch die Vergangenheit

Das Junge Theater Köln erzählt die Geschichte des jüdischen Viertels und verbindet dazu Schauspiel und digitale Technik

von Annette Kanis  15.09.2026

München

Wadephul trifft Charlotte Knobloch nach Morddrohung

Die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde München und Oberbayern wurde nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt Opfer einer Gewaltandrohung. Der Bundesaußenminister demonstriert Solidarität

 15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026

Porträt der Woche

Der Barockmusiker

Moshe Haas stammt aus Israel, ist Kantor und liebt Johann Sebastian Bach

von Anja Bochtler  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026