Interview

Fünf Minuten mit ...

Herr Naor, am kommenden Wochenende werden rund 200 Gemeindevertreter nach Hamburg kommen. Was bedeutet der Gemeindetag für Sie?
Wir freuen uns sehr, dass die Teilnehmer des Gemeindetages am Freitag zum Gottesdienst Gäste in der Synagoge sein werden. Es ist für uns auch eine tolle Chance, uns zu präsentieren. Nachdem man viele Jahre wenig und wenn, dann nicht unbedingt Positives aus Hamburg gehört hat, können wir die guten Entwicklungen, die im Inneren schon angekommen sind, auch nach außen tragen und uns den anderen Gemeinden Deutschlands bekannter machen. Der Gemeindetag ist ja eine Veranstaltung des Zentralrats, insofern sind wir eigentlich genauso Gäste wie die anderen Besucher. Wir freuen uns aber sehr, dass das Treffen erstmalig bei uns in Hamburg stattfindet.

Welche positive Entwicklung gab es in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht?
Als wichtigste Neuerung ist sicherlich zu nennen, dass wir mit Shlomo Bistritzky endlich wieder einen Landesrabbiner haben. Er bringt so viele eigene Ideen und neue Energie mit ein, und eine jüdische Gemeinde braucht einfach einen Rabbiner. Zudem ist das Wachstum unserer Schule wunderbar, zumal es deutschlandweit außer uns nicht sehr viele weiterführende jüdische Schulen gibt. Insgesamt hat sich die Stimmung sehr verbessert, Mitglieder, die in den vergangenen Jahren ausgetreten waren, auch wegen der internen Querelen, treten wieder ein, die Besucherzahl bei den Gottesdiensten steigt, und wir erreichen wieder viel mehr junge Leute, was eines unserer wichtigsten Ziele war. Das sind alles sehr positive Entwicklungen.

Was macht denn das jüdische Leben in Hamburg aus?
Hamburg gehört nicht zu den größten Gemeinden Deutschlands, und ich denke, dafür haben wir eine Vielzahl an Angeboten. Wir versuchen, über uns hinauszuwachsen, dazu gehört der Aufbau des neuen Jugendzentrums wie eben auch die Schule. Das Besondere ist sicherlich auch die Vielfalt in der Stadt. Schon seit Langem gibt es die persische Gemeinde mit ihren Einflüssen aus der orientalischen Welt, die an die Tradition der früheren portugiesischen und spanischen Juden in Hamburg anknüpft.

Was sollten sich Ihre Gäste in Hamburg ansehen?
Ich würde empfehlen, das Grindelviertel zu besuchen. Dort findet momentan eine wahre Rennaissance statt. Dazu kann man an jeder Ecke zahlreiche Stätten des jüdischen Lebens und Wirkens entdecken. Natürlich auch in Altona, insbesondere auf dem jüdischen Friedhof, über den der israelische Oberrabiner bei seinem Besuch sagte, er habe noch nie eine solche Ansammlung von Rabbinern und Gelehrten wie dort gesehen.

Mit dem Gemeindevorstand aus Hamburg sprach Moritz Piehler.

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 30. April bis zum 7. Mai

 29.04.2026

Düsseldorf

Zwei Familien, eine Freundschaft

Die Rubinsteins und die Spiegels erlebten wichtige Momente gemeinsam. Erinnerungen an einen Freund

von Herbert Rubinstein  29.04.2026

Erinnern

»Paul, du fehlst«

Vor 20 Jahren am 30. April starb Paul Spiegel. Als Zentralratspräsident hat er das Land geprägt und sich für Verständigung eingesetzt. Wie würde er auf das Heute blicken? Gedanken von Gisèle Spiegel

von Gisèle Spiegel  29.04.2026

Jubiläum

»Wir richten den Blick nach vorn«

Toby Axelrod über 20 Jahre Limmud Deutschland, Herausforderungen und eine ganz besondere Aktion

von Christine Schmitt  28.04.2026

Militär

Für Deutschland kämpfen?

Nach der Schoa war es für Juden unvorstellbar, wieder in einer deutschen Armee zu dienen. Doch wie blickt die jüdische Gemeinschaft heute auf die Bundeswehr?

von Joshua Schultheis  28.04.2026

Gedenken

17 neue Stolpersteine für Magdeburg

Seit dem Jahr 2007 wurden in Magdeburg mehr als 860 Stolpersteine für Opfer der Verfolgungen in der Zeit des Nationalsozialismus verlegt. Am 4. Mai kommen weitere 17 Steine an den Wohnorten von jüdischen Mitbewohnern hinzu

 28.04.2026

Berlin

Festakt zur Umbenennung in Margot-Friedländer-Platz

Der Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses wird zum 7. Mai umbenannt

 28.04.2026

Berlin

»Ich will mich nicht verstecken«

Ron Dekel wurde angepöbelt, weil er eine Kippa trug. Ein Video davon ging viral, er wurde im Netz beleidigt, man lauerte ihm vor der Synagoge auf. Hier spricht der Präsident der Studierendenunion darüber, was ihm passiert, seitdem er sich sichtbar als Jude zeigt

von Mascha Malburg  27.04.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026