Berlin

Frühstücken bis zum späten Abend

»Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendessen«, soll Maler-Legende Francis Bacon einst gesagt haben. Im »Benedict« im Prenzlauer Berg wird das Credo gelebt, hier gibt es ausschließlich Frühstück, und zwar bis zum späten Abend.

Wer sich zum Beispiel gegen 16 Uhr nachmittags – mitten in der Woche – auf einem der Samtsessel niederlässt, um in Ruhe das umfangreiche Menü zu studieren, wird sogleich von der Crew mit einem freundlichen »Guten Morgen!« begrüßt, was den meisten Besuchern sogleich ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Einen guten Morgen kann man schließlich immer gebrauchen, egal wann.

variationen »Die Begrüßung ist eine Art Eisbrecher«, sagt Dror Pinto, Co-Manager vom Benedict. Die Leute sollen wissen, worum es hier geht – um frühstückstaugliche Speisen in sämtlichen Variationen. Es gibt Vegetarisches, Veganes, aber auch Steaks oder Lachs. Die Speisen sind israelisch angehaucht, international, allerdings nicht koscher.

»Wir ignorieren alles, was traditionell ist.«

Co-Manager Dror Pinto

Gestartet war das Benedict in Berlin vor einigen Jahren in Wilmersdorf an der Uhlandstraße. Neben dem eigentlichen Frühstücksraum etablierte sich schnell eine Bäckerei. In Israel, dem ursprünglichen Zuhause des Benedict, gibt es mittlerweile 17 Dependancen, und ein weiteres Café sei gerade für Wien in der Planung, erwähnt Dror Pinto ganz nebenbei. Im Juli 2023 ging es aber erst einmal in den Prenzlauer Berg – an den Helmholtzplatz.

Die Gäste stehen bereits morgens an und lassen sich das Warten auf ihren Platz auch nicht zu lang werden. Einige studieren schon einmal die Karte oder blinzeln durch die Scheibe, um zu sehen, was andere bestellt haben.

kreativität Die Gerichte werden mit großer Kreativität zubereitet, das Auge esse schließlich immer auch ein bisschen mit. Bis auf wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel Avocado, sind die Zutaten saisonal. Kurzum: Es handelt sich um frühstücks- oder zumindest Brunch-taugliche Gerichte, allesamt frisch, mit israelischem Touch.

Altbekannte Speisen wollen die Gastgeber modern interpretieren. »Wir ignorieren alles, was traditionell ist«, sagt Dror Pinto. Der klassische Bread Pudding, ein Rezept seiner Großmutter, wird im Benedict zum Beispiel mit Champagner und einer pochierten Birne serviert. Wenn schon Frühstück, dann auch richtig.

Frei nach dem Motto: »All about Breakfast« – und das steht auf der Karte, auf den Servietten. Überall. Rund 60 Mitarbeiter sorgen allein im Lokal im Prenzlauer Berg dafür, dass alles wie am Schnürchen läuft. Es wird gebraten, gemixt, Marmeladen werden frisch gekocht, der Service ist auffallend freundlich, das Essen steht binnen kurzer Zeit auf dem Tisch, selbst, wenn es voll ist. Rund 400 Gäste kommen im Durchschnitt pro Tag in das Frühstücksrestaurant.

wochenenden »An den Wochenenden sind es doppelt so viele«, sagt Dror, der – wie etliche der Mitarbeiter – aus Israel nach Deutschland kam. Im Benedict hört man neben Deutsch auch Englisch, Hebräisch, Spanisch – Freundinnen stoßen mit Mimosas an, junge Familien suchen sich einen Platz am Fenster, sodass die ganz kleinen Kinder vom Hochstuhl aus in die Raumerstraße schauen können. Manche Gäste wollen lieber einen anderen Platz, aber das ist alles machbar und immer höflich – für den Kunden eben.

Teilen Und was essen die Gäste? Einen Mix aus Früh- oder Spätstück, gehtʼs um gesundes Fast Food oder um levantinisch angehauchte Feinkost, um Fusion Food? Dror nickt. Es handelt sich wohl um ein bisschen von alledem. Vor allem aber geht es um die Kultur des Miteinander-Teilens, weil sich viele – insbesondere die Vorspeisen – eben gut miteinander tauschen lassen: »Sharing is Caring«. Für etliche Besucher aus Deutschland sei das aber noch gewöhnungsbedürftig, meint Dror.

Ein guter Einstieg in diese Kultur des gegenseitigen Probierenlassens, wie in der Levante-Küche üblich, sei, mehrere Vorspeisen nebeneinander zu genießen. Vorspeisen wie Massabacha-Hummus mit Tahini und Tomaten, Harissa, zerstückeltem Ei, Olivenöl und einem Spritzer Zitrone. Oder den »Tower of Babylon«, das »Eggplant Carpaccio« mit gedünsteten Auberginen, bedeckt mit Tahini, darauf ein kunstvoller Kringel aus Dattelhonig, besprenkelt mit Tomaten- und Pistazienstückchen.

Es ist nicht entscheidend, wann man isst, sondern was man isst.

Für jene, die eher deftige Speisen bevorzugen, gibtʼs hingegen saftige 250 Gramm schwere argentinische Steaks. Auch Schakschuka, der frühstückstauglichere Bagel oder Pancakes finden sich auf der Speisekarte. Der allererste Besuch im Benedict mag angesichts eines derart überbordenden Angebots einige Besucher ein wenig überfordern, zumal, wenn man sich unter Frühstück womöglich etwas anderes vorgestellt hat. Doch hier die Entwarnung: Klassische Croissants gibt es auch!

»Wir sind der Ansicht, dass es sich beim Frühstück um eine Art von Mahlzeit handelt, die je nach Belieben variierbar ist und es nicht so sehr um die Zeit des Tages geht, in der wir es zu uns nehmen«, sagt Pinto. Es sei nicht entscheidend, wann man esse, sondern was man zu sich nehme. Warum nicht also auch ein Croissant gegen 22 Uhr ordern oder einen Pancake mit Sirup, wenn einem danach ist?

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026