Grunewald

Friedhof Heerstraße braucht mehr Platz

Nur noch Platz für fünf Gräber: Der Friedhof Heerstraße muss dringend erweitert werden. Foto: Uwe Steinert

Nur noch Platz für fünf Gräber: Der Friedhof Heerstraße muss dringend erweitert werden.Derzeit sind nur noch fünf Einzelgräber auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße frei. Doch nun scheint es die Möglichkeit zu geben, dass der Friedhof vergrößert wird, und zwar um zwei Hektar. Auf dieser Fläche wäre dann Platz für 1200 neue Gräber. Bisher gibt es etwa 5000. Etliche Prominente wie der Quizmaster Hans Rosenthal und der Musiker Coco Schumann wurden dort beerdigt. Der Senat werte noch Gutachten aus, bevor die offizielle Entscheidung zum Grundstücksverkauf fallen kann, heißt es bei der Pressestelle des Berliner Senats.

»Jüdisches Leben in Berlin zu fördern, bedeutet eben auch, Räume zu schaffen, die das Leben nach dem Tod entsprechend der jüdischen Riten ermöglichen. Hier ist Berlin an seine Kapazitätsgrenze gelangt«, teilt Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) auf Anfrage mit. Sie freue sich, dass die Verhandlungen um die Erweiterung des jüdischen Friedhofs, dessen Fläche dann auch für alle Jüdinnen und Juden gemeindeunabhängig zur Verfügung stehen soll, auf der Zielgeraden sind.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin sei seit zehn Jahren mit der Frage der Erweiterung des Friedhofs beschäftigt, so Gemeindechef Gideon Joffe. Für Juden sei es wichtig, in der Nähe von Familienangehörigen beerdigt zu werden. Derzeit gelte die interne Regel, dass nur noch für Verwandte in gerader Linie die Beisetzung auf dem Friedhof Heerstraße ermöglicht werden kann. Ausgewichen werden könne auf den Jüdischen Friedhof Weißensee, der mit 42 Hektar Fläche über ausreichend Platz verfügt.

Auf dem Friedhof wurde auch der Quizmaster Hans Rosenthal beerdigt

»Dass sich die endgültige Entscheidung des Landes Berlin zur Erweiterung des Friedhofs schon so viele Jahre hinzieht, ist wohl dem enormen Abstimmungsbedarf zwischen den einzelnen Senatsverwaltungen geschuldet: Es sind hier tatsächlich ganze vier Senatsverwaltungen (Kultur, Finanzen, Stadtentwicklung und Umwelt) sowie die Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters involviert. Bei der weiteren Umsetzung ist auch noch das Bezirksamt Charlottenburg zu beteiligen«, sagt Ilan Kiesling, Pressesprecher der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Hinzu kämen Behörden und Einrichtungen, wie beispielsweise die Berliner Forsten, die alle ihre eigenen Gutachten erstellen oder Einschätzungen abgeben. »Das Verfahren um die Erweiterung unseres Friedhofs verdeutlicht also noch einmal beispielhaft die ganze Komplexität der Berliner Verwaltung und unseres großen Projekts. Dieser Koordinierungsaufwand hat das Verfahren erheblich verlangsamt. Dennoch sehen wir einer baldigen positiven Entscheidung zuversichtlich entgegen. Aktuell warten wir auf einen Kaufpreisvorschlag des Landes Berlin«, sagt Kiesling. Etwa 200 Todesfälle pro Jahr betrauert die Gemeinde.

Der geometrisch angelegte Friedhof wurde nach der Teilung Berlins und der Spaltung der jüdischen Gemeinde in eine Ost- und Westgemeinde 1955 eingeweiht. Nach zwei Erweiterungen verfügt der Friedhof über eine Fläche von 4,5-Hektar mit etwa 5000 Gräbern.

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  20.09.2026 Aktualisiert

Porträt der Woche

Damit die Namen bleiben

Jorge Steffen ist Germanist und engagiert sich für den Erhalt von Grabsteinen

von Gerhard Haase-Hindenberg  20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge: Staatsanwaltschaft geht von Judenhass aus

Der 37 Jahre alte mutmaßliche Täter soll aus antisemitischen Gründen gehandelt haben

 18.09.2026

Wuppertal

Brandanschlag auf Synagoge

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 18.09.2026 Aktualisiert

Sukkot

Fast zu Hause

Unsere Autorin flüchtete mit ihren Kindern 2022 aus der Ukraine. In Rottweil begann die kleine Familie ein neues Leben. Zum Laubhüttenfest blickt die Manikeurin auf ihr Ankommen zurück

von Olga Nemchenko  17.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026