Vortrag

Forschung ist die beste Medizin

Yoel Kloog Foto: Miryam Gumbel

Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose (MS) und Krebs machen Angst. Die Forschung versucht, ihre Ursachen zu finden und auf diese Weise den Betroffenen zu helfen.

Einer der Wissenschaftler, die sich mit diesen Krankheiten beschäftigen, ist der Neurobiologe Yoel Kloog von der Tel Aviv University. Nach seiner Promotion an dieser Universität hat der 1948 in Ramat Gan geborene Wissenschaftler weitere Fachkenntnisse am National Institute of Health in Bethesda in Maryland (US) erworben. Heute lehrt er an der Tel Aviv University an der George S. Wise Faculty of Live Sciences. Er arbeitet am Prajs-Dimmer Institute for the Development of Anti Degenerative Drugs. Dort widmet er sich intensiv der Erforschung und der Entwicklung entsprechender Medikamente. Ein wichtiges Element dabei sind die Proteine.

Neurologe Worum genau es geht, erklärte Kloog anschaulich bei einem Vortrag im Münchner Jüdischen Gemeindezentrum. Eingeladen hatten die Freunde der Universität Tel Aviv und die IKG München. Im Namen von Präsidentin Charlotte Knobloch begrüßte der Münchner Neurologe David Leschem das hoch interessierte und gut vorinformierte Publikum und stellte den renommierten Forscher vor.

Selbstverständlich braucht dessen anspruchsvolle Arbeit auch gute Mitstreiter. So stellte Kloog in München auch seine Kollegen aus Tel Aviv und deren Forschungsergebnisse ebenso wie seine eigenen vor. Professor Ehud Gazit entwickelte eine Anti-Alzheimer-Medikament und Professor Rebecca Solomon einen Impfstoff gegen Alzheimer. Kloog selbst ist auf Biochemie und Pharmakologie spezialisiert. Die Arbeiten der drei Forscher bringen mit Blick auf die Krankheiten gemeinsame Ergebnisse: Krebs und Hirnerkrankungen haben einen gemeinsamen Nenner – die abnormale Funktion eines bestimmten Proteins, des Ras-Proteins.

Kloog zeigte dieses in einer schematischen Darstellung mit seinem ganz spezifischen Molekül-Fortsatz, dem sogenannten tail. Den Tel Aviver Forschern ist es gelungen, diesen mit nichttoxischen Medikamenten so zu beeinflussen, dass die Aktivität des Ras gestoppt wird. Vereinfacht ausgedrückt wird mit einem synthetischen »tail« dem echten Molekül-Fortsatz des Proteins nach einem »Schloss-Schlüssel-Modell« der Weg zu der betroffenen Körperzelle versperrt.

Medikament Wichtig dabei ist auch die Tatsache, dass die entwickelten Medikamente nicht toxisch sind. Kloog betonte, dass dies besonders mit Blick auf Nebenwirkungen eine besondere Rolle für den Patienten spielt. Dieses Forschungsergebnis, so Kloog weiter, lässt sich auf jede der genannten Krankheiten anwenden. Beim Krebs gilt dies insbesondere für Pankreas-Patienten. Was MS betrifft, hofft das Forschungsteam, ein entsprechendes Medikament bald in die klinische Erprobungsphase zu bringen.

Dazu hatten die Anwesenden in der von David Leschem moderierten Diskussionsrunde noch eine Menge zielgerichteter Fragen. Zeit und Kosten, so wurde dabei ebenfalls klar, gehen hier Hand in Hand. Mati Kranz vom Freundeskreis wies deshalb auf die Notwendigkeit finanzieller Unterstützung durch Spenden und Sponsoren hin. So haben die Sponsoren Drimmer und Prajs zum Beispiel zur Arbeit des Forschungsinstituts, das mit »Prajs-Drimmer Institut für die Entwicklung anti-degenerativer Medikamente« auch ihren Namen trägt, nach ihnen benannt ist, wesentlich beigetragen.

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Berlin

Feuer im Jüdischen Krankenhaus: Kein antisemitisches Motiv

In der Nacht kommt es zu einem Feueralarm. Ein Patient steht im Verdacht, einen Brand verursacht zu haben. Viele Details sind weiterhin unklar

 28.01.2026 Aktualisiert

Gedenken

Union Berlin und Hertha BSC gedenken gemeinsam der Holocaust-Opfer

Am internationalen Holocaust-Gedenktag erinnerten die beiden Stadtrivalen Hertha BSC und Union Berlin gemeinsam an die Deportationen, die in der NS-Zeit vom S-Bahnhof Grunewald ausgingen Beide Vereine mahnten zum Vertrauen in die Demokratie

 27.01.2026

Gedenken

Iris Berben erinnert an Schoa-Überlebende Margot Friedländer

Die Schauspielerin engagiert sich im Projekt »Ich bin Zweitzeugin von...«. So soll die Erinnerung an die Überlebenden des Holocaust wach bleiben

von Anita Hirschbeck  27.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 27.01.2026

Digitalisierung

Avatare gegen das Vergessen

Wie soll in Zukunft an die Schoa erinnert werden? Eine Konferenz hat sich unter anderem mit dieser Frage auseinandergesetzt und ein Hologramm der Zeitzeugin Eva Umlauf vorgestellt

von Helmut Kuhn  26.01.2026

Berlin

Vorzeigeprojekt »Kanaan« meldet Insolvenz an

Das israelisch-palästinensische Restaurant im Stadtteil Prenzlauer Berg stellt seinen Restaurantbetrieb bald ein

 26.01.2026