Bildung

Fit fürs Klassenzimmer

Die Sommerferien sind bereits fast überall vorbei, und ein neues Schuljahr beginnt. Tausende Fünf‐ bis Siebenjährige wurden oder werden in diesen Tagen eingeschult. Großeltern, Verwandte und Freunde kommen oft, um gemeinsam die Kinder an diesem Tag zu begleiten und bei der Feier dabei zu sein.

Manche Psychologen behaupten sogar, dies sei der wichtigste Tag im Leben. »Auf jeden Fall ist die Einschulung ein Einschnitt, denn nun beginnt das Lernen. Und die Kinder wollen das auch«, sagt Daphna Schächter, Direktorin der privaten Yitzhak‐Rabin‐Schule in Düsseldorf. »Es heißt ja, dass nun der Ernst des Lebens losgeht«, meint auch Hendrikje Kreuzburg von der privaten jüdischen Joseph‐Carlebach‐Schule in Hamburg.

tränen Die Einschulung sei der Startschuss zum Großwerden, so Kreuzburg. Für die Eltern habe der Tag eine andere Bedeutung, denn sie müssen nun lernen, ihr Kind loszulassen. »Oft haben sie Tränen in den Augen«, hat sie beobachtet. In der Vorschule lernen derzeit zehn Kinder, in der ersten Klasse zwölf.

Insgesamt 165 Schüler besuchen die Carlebach‐Schule, einige wollen im Schuljahr 2019/20 das Abitur ablegen. »Wir haben ein großes Einzugsgebiet, manche kommen zu Fuß, manche mit öffentlichen Verkehrsmitteln, und einige werden gebracht.«

Bei den Elternabenden, die meistens vor den Sommerferien stattfinden, werden die Pädagogen gefragt, wie Eltern die Kinder am besten vorbereiten sollen. »Sie können eigentlich nicht viel tun«, sagt Kreuzburg dann. Denn gelernt werde in der Schule. Schön wäre es aber, wenn die Kinder den Stift halten, rückwärtslaufen, bis zehn zählen und ihren Namen schreiben können. Der Tipp der Hamburger Pädagogin lautet: »Spielen Sie Gesellschaftsspiele, gehen Sie raus auf Spielplätze, und machen Sie neugierig auf die Natur.« Wenn das Kind lesen und schrei‐
ben kann, kann es aktiver an der Gesellschaft teilhaben.

Spielen Eltern können ihre Kinder beispielsweise unterstützen, indem sie darauf achten, dass sie in der Lage sind, ihre Schuhe selbst zuzubinden, so Daphna Schächter. Vorlesen fördere darüber hinaus die Leseerziehung, und die Kids sollen viel spielen – besonders draußen. »Vor allem mit dem Kind zu sprechen, ist wichtig.« Da viele Grundschüler allerdings mit dem Schulbus kommen, entfalle zumindest morgens die Zeit, in der sich die Eltern mit ihren Kindern unterhalten können.

Bei der Einschulung in diesen Tagen werden 41 Familien einen Gottesdienst in der Synagoge besuchen, bei dem die Kinder gesegnet werden. Später werden sie ohne ihre Eltern mit ihren Klassenkameraden ins Klassenzimmer gehen. »Kinder sollen zur Selbstständigkeit erzogen werden.« Die Viertklässler übernehmen die Patenschaft, sie haben vor den Sommerferien an den jeweiligen Schüler einen Brief geschrieben.

Bevor es damit aber losgeht, stellt sich noch die Frage: Wer sollte eigentlich den Schulranzen packen? »Das Kind«, sagt Kreuzburg. Man könne es auch gemeinsam machen, »aber das Kind muss immer mit einbezogen werden, es darf nicht nur Zuschauer sein«. Denn sonst heißt es in der Schule: »Meine Mama hat es mir nicht eingepackt.« Gerade im ersten Jahr sind Schüler motiviert – daraus solle man einen Nutzen ziehen.

Treppe »Die Kinder sind jetzt abgenabelt, sie sind groß und Schulkinder.« So fasst Noga Hartmann, seit vier Jahren Direktorin der privaten Isaak‐Emil‐Lichtigfeld‐Schule in Frankfurt, die Situation zusammen. In den ersten Wochen dürfen die Eltern ihren Nachwuchs noch bis zur Klassentür bringen, dann nur noch bis zur großen Tür, und danach soll die Verabschiedung spätestens an der Treppe sein.

In Hessen drücken bereits seit Anfang August die Kinder wieder die Schulbank. In die I.E.-Lichtigfeld-Schule gehen 65 Jungen und Mädchen in diesem Jahr zum ersten Mal. Zudem bietet die Schule die gymnasiale Oberstufe an, sodass etwa 20 Jugendliche die Möglichkeit haben, an einer jüdischen Schule ihr Abitur abzulegen. Die Schülerzahl ist mittlerweile auf 525 Kinder angewachsen.

Damit die Fünfjährigen gut vorbereitet eingeschult werden, wird allerhand unternommen. »Ein Jahr davor fangen wir an, indem wir die Vierjährigen in der Kita besuchen«, erklärt Hartmann. Es folgt ein Kennenlerntag in der Schule. Schließlich werden Eltern und Kinder zu einem Gespräch eingeladen, die Einschulung wird besprochen, Fragen werden beantwortet und Wünsche geklärt. Noch vor der Einschulung gibt es Elternabende. »Väter und Mütter haben viele Fragen, beispielsweise, wie ihre Kinder gefördert werden, was sie lernen, ob der Unterricht projektorientiert ist, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Horterziehern ist und wie das jüdische Profil aussieht.«

Die Direktorin wünscht sich, dass alle Ängste bis zur Einschulung abgebaut sind und die Freude groß ist, dass es nun losgeht. »Wir sind ein familiäres Haus«, sagt Hartmann. Das sei für sie das Besondere an der jüdischen Schule. Der Prozess der Einschulung sei intensiv, und die Eltern bekommen rasch Rückmeldungen. Sie kommen auch oft mit konstruktiven Vorschlägen. »Wir wollen unseren Schülern eine Verbindung von Herz und Verstand mitgeben.«

Wunsch An ihre eigene Einschulung kann Carola Melchert‐Arlt sich noch gut erinnern. »Mein Vater war in Moskau und fehlte an dem Tag«, erzählt die ehemalige Schuldezernentin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und jetzige Schulleiterin der Mierendorff‐Grundschule in Charlottenburg, einer staatlichen Schule, die mittlerweile auch Iwrit anbietet.

Als ihr Vater wiederkam, brachte er ihr eine tolle Kette und einen Ring mit. Da es so viele Schüler gab, wurde die damals Fünfjährige für den Nachmittagsunterricht eingeteilt. Heute ist es ihr Wunsch, dass alle gerne zur Schule kommen. Sie hofft, dass Eltern Vertrauen in Schule und Lehrer haben. Wenn es Probleme geben sollte, dann wünscht sie sich, dass diese sofort angesprochen werden. Falls Kinder sich noch nicht sicher fühlen, dann dürfen die Eltern sie bis zu den Herbstferien zum Klassenzimmer bringen. »Aber wir kennen sie, denn sie kamen vorher schon regelmäßig in unsere Lernwerkstatt«, so Melchert‐Arlt. »Und Kinder müssen für ihre Leistung auch gelobt und bewundert werden.«

Patenschaft 24 Erstklässler sind in Berlin‐Prenzlauer Berg bei der Lauder‐Beth‐Zion‐Schule in zwei Klassen eingeteilt worden. »Für uns ist es wichtig, dass die Eltern sie unterstützen«, sagt Sabine Kuchling, Co‐Direktorin. Vertrauen findet sie ebenso wichtig wie eine gute Zusammenarbeit. Denn neben dem Rahmenlehrplan kommt noch der Judaistik‐Bereich dazu, der zwölf bis 15 Stunden extra in Anspruch nimmt. Dadurch haben die Kinder einen ausgefüllten Stundenplan. Etliche Sechsjährige haben Geschwister an der Schule. Auch hier übernehmen ältere Schüler Patenschaften für jüngere, um ihnen das Haus vertraut zu machen.

Kinder sollten für ihre Leistungen auch gelobt werden.
Viele Erstklässler kennen das Gebäude schon ein wenig, da sie bereits in der Kita zweimal im Monat eine Musikstunde in der Schule haben. »In diesem Alter sind sie voller Freude. Wenn wir es schaffen, Freude und Begeisterung zu erhalten, haben wir viel gewonnen«, sagt Sabine Kuchling.

Es bewegt sich also viel in der Lauder‐Beth‐Zion‐Schule: In diesem Jahr wollen zum zweiten Mal Schüler den Mittleren Schulabschluss anstreben. Ein schöner Erfolg für das Haus, in dem seit 2008 Kinder unterrichtet werden. Nicht nur die Anzahl der Erstklässler erhöht sich, auch die Schulen wachsen mit ihren Schülerinnen und Schülern.

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