München

»Es geht um ein Wir«

Patrick Guttmann (3.v.r.) mit den Vorstandsmitgliedern von Maccabi München Foto: TSV Maccabi München e.V.

Herr Guttmann, Sie sind Anfang des Jahres zum Präsidenten des TSV Maccabi München gewählt worden. Mit dem Verein sind Sie aber schon länger verbunden.
Ich war zwölf Jahre lang Vorstand für Jugend und auch als Vorstand für Sport tätig. Aber im Grunde bin ich mit dem Verein seit meiner Geburt verbunden. Mein Vater Peter Guttmann war lange im Münchner Vorstand engagiert und fungierte auch als Präsident von Maccabi München und Makkabi Deutschland. Mein Zwillingsbruder Steven und ich sowie meine ältere Schwester Jackie sind also sportlich schon früh aktiv gewesen, mit drei Jahren beim Fußball, später dann auch beim Tennis. Mit 15 Jahren begann ich, eine Jugendmannschaft im Fußball zu trainieren, und führte sie bis zur Herrenmannschaft. Diese Zeit hat mich in meiner persönlichen Entwicklung stark geprägt und mir viel gegeben.

20 Jahre lang leitete Robby Rajber den TSV Maccabi als Präsident. Was bedeutet es, nach ihm diese Funktion einzunehmen?
Was Robby Rajber für den Verein getan hat, ist nicht selbstverständlich. Er hat einen Großteil seines Lebens Maccabi gewidmet. Diese Art von Engagement wird auch für mich das Ziel sein. Es müssen nicht gleich 20 Jahre werden. Aber solange die Motivation stimmt und ich mit engagierten Vorstandsmitgliedern arbeiten darf, möchte ich mich für Maccabi München engagieren.

Befindet sich der Verein nun in einer neuen Ära?
Ja und nein. Neben mir als Präsidenten gibt es sechs weitere neue Mitglieder im Vorstand sowie zwei kooptierte Vorstandsmitglieder. Alle agieren gleichermaßen im Sinne des Vereins und seiner Zukunft. So war es auch vorher. Robby Rajber ist ein besonderer Mensch für den Verein, aber manche Punkte gehe ich sicherlich anders an. Wir haben zwölf Jahre im Vorstand zusammengearbeitet, und dabei hat sich immer gezeigt, wie wichtig es ist, verschiedene Einflüsse und Inputs in ein Gespräch fließen zu lassen. Bleiben werden also die lebendigen Diskussionen, die immer respektvoll und für die Sache, immer freundschaftlich und auf eine gute Lösung ausgerichtet werden. Bei Maccabi München handelt es sich um ein Wir und nicht um ein Ich.

Welches sind die wichtigsten Tätigkeiten, die jetzt auf Sie zugekommen sind?
Ein Hauptteil meiner Arbeit liegt ohne Frage darin, viele Gespräche zu führen. Es gibt zahlreiche Baustellen, physische wie mentale, die mit Blick auf die Mitgliederversammlung angegangen werden müssen. Der Neubau einer Zweifachsporthalle wurde bereits vor fünf Jahren thematisch angeschoben. Dabei ist es wichtig, transparent zu agieren und immer wieder die Zahlen zu präsentieren, den Status quo der Finanzierung zu klären. Schließlich geht es hier auch um die Frage der Eigenbeteiligung. Viele Gespräche müssen deshalb mit der Politik und der Stadt geführt werden, aber natürlich auch mit den Eltern der Kinder, mit Trainerinnen und Trainern. Die Kommunikation mit den Mitgliedern ist ebenso wichtig wie der Austausch mit der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, deren Vorstand uns sehr unterstützt, wobei wir insbesondere der IKG-Präsidentin Charlotte Knob­loch und dem Vizepräsidenten Yehoshua Chmiel zu danken haben.

Worin liegen aktuell die größten Herausforderungen?
Eine der Hauptaufgaben wird es sein, ein Konzept zu erarbeiten, wie wir uns im operativen Bereich gesund pflegen. Wie können wir den Betrieb sichern, ohne auf Spenden angewiesen zu sein? Eine andere finanzielle Aufstellung wird nötig sein, etwa in der Form eines Business-to-Business-Sponsoring-Programms und mithilfe von Gastmitgliedschaften. Der Verein bekommt auch eine neue Internetpräsenz.

Wie sieht die Zukunft des TSV Maccabi aus? Welche Planungen liegen mittel- und langfristig vor?
Es gibt drei oder vier wichtige Säulen. Wie bereits erwähnt, müssen wir uns finanziell anders aufstellen. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, die Mitgliedsbeiträge wurden hingegen kaum erhöht. Eine weitere Säule betrifft die Akquise: Wir benötigen Trainerinnen und Trainer. Dabei handelt es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit, und es ist wichtig, hier jemanden mit der entsprechenden Leidenschaft zu finden. Wir versuchen, etwa auch an Sporthochschulen Akquise zu betreiben. Sportlich ist natürlich auf die neue Basketballabteilung hinzuweisen, die förmlich aus dem Nichts aufgebaut wurde. Gegenüber diesem Erfolg ist der Fußball zurzeit leider noch ein Sorgenkind. Hier wird beispielsweise dringend ein Abteilungsleiter gesucht.

Worauf freuen Sie sich aktuell besonders, und was liegt Ihnen in Ihrer Tätigkeit am Herzen?
Ich möchte den alten Glanz weitergeben und zukünftigen Generationen das ermöglichen, was mir ermöglicht wurde. Ich freue mich, dass wir das bei Maccabi gemeinsam angehen. Besonders am Herzen liegen mir aber auch Personen, die einen erheblichen Teil ihres Lebens dem Verein gewidmet haben: Armand Presser, Nathalie Scher-Kahn, Maurice Schreibmann und viele andere. Wir haben zahlreiche Unterstützer. Ohne diese würde es unseren Verein, der mehr ist als nur ein Sportverein, nicht geben. Und natürlich möchte ich dem neuen Vorstand, der Stadt München und den Sportverbänden danken.

Welche Botschaft haben Sie für den Verein?
Wer uns unterstützen möchte, ist willkommen. Und bei jeder Kritik ist es wichtig, dass die Mitglieder auf uns zukommen. Wir haben immer ein offenes Ohr.

Mit dem Präsidenten von TSV Maccabi München sprach Luis Gruhler.

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