Corona

»Erstklassige Arbeit«

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch (M.) mit dem Helferteam des Impfzentrums Foto: Astrid Schmidhuber

Auch dem Gemeindeleben hat das Coronavirus schwer zugesetzt. Seien es kulturelle Veranstaltungen, der Schulbetrieb oder die Gottesdienste – viele Aktivitäten konnten nur eingeschränkt stattfinden oder mussten zeitweise sogar ganz abgesagt werden. Dennoch ließ sich die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern dadurch nicht unterkriegen. Ein Beispiel dafür ist die Impfaktion, die inzwischen bereits mehr als ein Vierteljahr andauert.

Die konsequente Umsetzung der Maßnahmen, die der hauseigene Krisenstab zur Bekämpfung der Pandemie festgelegt hatte, stand für IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch nie zur Debatte. Zugleich war ihr bewusst, dass nur eine möglichst weitgehende Impfung der Gemeindemitglieder die Chance eröffnete, in absehbarer Zeit zu einer Art von Normalität zurückzufinden. »Sobald sich die Möglichkeit bot, haben wir deshalb selbst losgelegt.« Das Ergebnis spricht für sich: Weit über 1000 Mitglieder der Kultusgemeinde mit ihren Angehörigen haben das Impfangebot bislang genutzt.

Den Auftrag Charlotte Knoblochs, Räume im früheren Gemeindezentrum in der Reichenbachstraße in ein Impfzentrum zu verwandeln, setzten Ulrike Plochmann und ihr IKG-Helferteam innerhalb weniger Tage um. Trennwände mussten zum Beispiel eingezogen und Ruhemöglichkeiten geschaffen werden.

organisation Das war jedoch der geringere Aufwand. Viel mehr Zeit war für die Organisation der Termine notwendig. Seit Wochen steht bei Ulrike Plochmann deshalb das Telefon nicht mehr still. Erst­impfungen mussten vereinbart, Zweitimpfungen koordiniert werden. Unzählige Fragen zur Sicherheit, den verwendeten Impfstoffen und der Dokumentation waren zu beantworten. »Das war erstklassige Arbeit«, urteilt IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit Dankbarkeit und im Rückblick auf diese besondere Kraftanstrengung.

Zwei Ärzteteams garantierten einen fachgerechten Ablauf vor Ort.

Start der Impfaktion war der 8. April, danach ging es im Wochenrhythmus weiter. Zwei Ärzteteams, die an den Impftagen in der Reichenbachstraße zur Verfügung standen, garantierten einen fachgerechten und völlig unkomplizierten Ablauf. Mehrere Mitarbeiter der Gemeinde unterstützten die Aktion vor Ort, halfen in diversen Sprachen beim Ausfüllen der Formulare und lotsten die Impfkandidaten von der Registrierung bis zum entscheidenden Pikser.

teilnahme Einen großen Anteil an der hohen Zahl der impfwilligen Gemeindemitglieder hatten Olga Albrandt, Leiterin der Sozialabteilung, und ihre Mitarbeiter. So hatte das Telefonteam unter Leitung von Karolina Shleyher viele von ihnen in persönlichen Gesprächen auf die Möglichkeit der Immunisierung in der Reichenbachstraße aufmerksam gemacht und von der Teilnahme überzeugen können.

Diese kleinteilige, aber wichtige Arbeit wurde nach und nach etwas erleichtert, wie Albrandt erklärte: »Mit der Zeit kam dann schließlich die Mund-zu-Mund-Werbung hinzu.« Gleichzeitig zerstreuten sich mit der zunehmenden Zahl von Erstgeimpften die Bedenken derer, die vielleicht noch gezögert hatten, erläutert Albrandt.

Wer jetzt noch zögert, sollte sich indes beeilen: Mindestens einen Erstimpfungstermin werde es noch geben, wie IKG-Präsidentin Knobloch betont. »Danach entscheiden wir in Abstimmung mit den Behörden und abhängig von der Nachfrage, ob und wie lange wir die Aktion fortsetzen.« Grundsätzlich bleibe sie aber bei ihrer Ansicht. »Je mehr Menschen geimpft werden können, desto besser«, ist Charlotte Knobloch überzeugt.

Start der Aktion war bereits im April. Danach ging es im Wochenrhythmus weiter.

Der Aktion in der Reichenbachstraße war im Frühjahr bereits eine groß angelegte erfolgreiche Immunisierung im Saul-Eisenberg-Seniorenheim vorausgegangen, wo ein Großteil der Bewohner der Einrichtung die Möglichkeit genutzt hatte, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Dieser Umstand in Kombination mit einem ausgefeilten Hygienekonzept, das der Leiter der Einrichtung, Kristian Greite, über Monate durchzuhalten hatte, sorgte dafür, dass dort (bisher) noch keine Corona-Infektion nachgewiesen werden konnte. Darüber freuen sich natürlich auch das IKG-Präsidium und der Krisenstab.

Stadtführung

Tatort Scheunenviertel

Kleinkriminelle, Arbeiter und Ostjuden – der Historiker Dmitry Kudinov zeigt die bewegte Geschichte eines hippen Teils von Berlin, der vor rund 100 Jahren alles andere als gentrifiziert war

von Alicia Rust  17.07.2026

Recklinghausen

Wie der Fußball Eddy rettete

Die Jüdische Gemeinde und Schulen der Region trugen den Emanuel-Schaffer-Cup aus – in Erinnerung an den legendären israelischen Trainer

von Martin Krauß  16.07.2026

Maccabiah

Momente, Medaillen, Menschen

Nach zwei Wochen ist das größte internationale Sportevent in Jerusalem erfolgreich zu Ende gegangen

von Katrin Richter  15.07.2026

Programm

100 Synagogen, zwei Chemnitzer und ein Eis am Stiel: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. Juli bis zum 23. Juli

 15.07.2026

Jahrhundertzeugin

Wie eine Sintiza die Nazizeit überlebte und ihre Heiterkeit rettete

Frieda Daniels ist Hochseilartistin. Sie floh als Sintiza vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Als 93-jährige Zeitzeugin war sie nun in Heidelberg zu Gast. Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte

von Stefanie Ball  15.07.2026

Interview

Glaubwürdigkeit schaffen

Yuki Ronen Schmidt über die Arbeit von Miphgasch/Begegnung und die eigene Rolle in dem Bildungsarbeitsprojekt

von Pascal Beck  14.07.2026

Düsseldorf

Das Om im Schalom

Die Jüdische Volkshochschule bietet Kurse an, die Yoga und Judentum verbinden. Das Online-Angebot ist auch offen für andere Gemeinden und Interessenten

von Annette Kanis  13.07.2026

Porträt der Woche

Spezialist für Musicals

Adam Benzwi ist Amerikaner und entdeckte in Berlin die Schlager der 1920er-Jahre

von Gerhard Haase-Hindenberg  12.07.2026

Berlin

Türkisches Unternehmen »Medicana« neuer Träger vom Jüdischen Krankenhaus

Die 270-jährige Tradition des Hauses bleibe bewahrt – Kritik an der Übernahme kommt von Ver.di

 10.07.2026