Musical

Eine ganz besondere Gemeinschaft

Als die Pianistin Francoise Sharell am Mittwochabend vergangener Woche im kleinen Saal der Gemeinde ein paar Töne aus Anatevka anschlägt, stimmen spontan alle Zuhörer im Saal gesanglich mit ein. Kein Wunder, denn hier hatten sich die rund 100 Beteiligten des Musicals Anatevka – Wir sind angekommen zur Abschlussfeier versammelt, das unlängst mit vier Vorstellungen im Kesselhaus einen großen Erfolg feierte und stets ausverkauft war.

Präsidentin Charlotte Knobloch hatte die Schirmherrschaft für das Musical übernommen und bekannte sich als »größter Fan« der Aufführung. Mehrmals hätte sie mit wachsender Begeisterung die Vorstellungen besucht. »Dieses Miteinander auf, vor und hinter der Bühne hat mein Herz sehr berührt. Das ist es, was ich mir immer gewünscht habe«, so Knobloch.

Grund genug, das Projekt und seinen Erfolg an diesem Abend noch einmal Revue passieren zu lassen. Es war Paula Zimerman-Targowniks Idee, Anatevka in München aufzuführen. Eva Haller, die Präsidentin der Janusz Korczak Akademie, ließ sich von der Idee anstecken und übernahm die Projektleitung. Bei der Abschlussfeier bedankte sie sich für das Vertrauen, das man ihr entgegenbrachte: »Gemeinsam haben wir viel erreicht, wir können stolz auf uns sein.«

Targownik und Haller starteten Anatevka mit viel Elan und der Überzeugung, dass es ein besonderes, mehrere Ebenen umfassendes Projekt der jüdischen Gemeinschaft werden sollte. Die Idee: Menschen zusammenbringen, unabhängig von Alter, Kultur, Religion, Nationalität, aber auch unabhängig davon, ob sie professionelle Schauspieler, Tänzer und Musiker oder eben Laien sind. Eine ganz besondere Gemeinschaft sollte es werden – und ist es später tatsächlich auch geworden.

Erfolg Der Regisseur Celino Bleiweiß wurde mit Applaus von »seinem« Ensemble begrüßt. Für Bleiweiß liegt das Geheimnis des Erfolgs in der Begeisterung der Gruppe. »Ich bin von den Menschen ausgegangen, die zum Projekt kamen.« So konnte sich jeder einbringen, öffnen und sein persönliches Talent entfalten. »Wichtig war«, betonte er, »dass Profis und Laien gerne zusammengearbeitet haben.«

Das galt nicht nur für Robert Spitz und Nirit Sommerfeld in den Hauptrollen und für ihre Kollegen, die ganz selbstverständlich mit den Laien aufgetreten sind. Es galt ebenso für die Tänzer, Sänger, Musiker, Bühnenbildner, Kostümbildner und Helfer, ohne die Anatevka – Wir sind angekommen nicht hätte stattfinden können.

Die Filmmacherin Inka Kachel hatte die Entstehung des Projekts in einem »Making Of« festgehalten, sehr zur Freude der versammelten Akteure. So konnte man die Proben noch einmal hautnah miterleben, hinter die Kulissen schauen und bei der Aufführung mitfiebern.

Auch Jana Karen, die die Würfel für das Bühnenbild entwickelt hatte, benannte einen ebenso interessanten wie vielsagenden Aspekt des Projekts und erläuterte, was Vorder- und Rückseite der Würfel für sie bedeuten: »Einerseits die Traditionen, aus denen wir kommen, und andererseits die, die wir uns in der modernen Welt schaffen.« Eine symbolische Erklärung für ein friedliches und harmonisches Miteinander, in dem nicht nur die Anatevka-Akteure selbstbewusst sagen können: »Wir sind angekommen!«

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