Benefiz

Ein Nerz für Kinder

Dreizehn – der Mann an Tisch acht kann es kaum fassen, dass die junge Geigerin gerade mal Teenager ist. Er schüttelt ungläubig und gleichzeitig anerkennend den Kopf. Doch die 13-jährige Victoria Gelman, die auf der Bühne nicht nur Pablo de Sarasates Zigeunerweisen souverän spielt, sondern auch für ein erstes zartes Mitschwingen bei den 130 Gästen der WIZO-Gala sorgt, absolviert ihren Auftritt ganz »cool«. Und nach dem Ungarischen Tanz von Johannes Brahms war auch der letzte Besucher im Hilton Hotel am Gendarmenmarkt in der richtigen Stimmung, um unter dem Motto der Gala »One Night for Children« Gutes zu tun. Das gelang: Denn insgesamt kamen an diesem Abend 234 Patenschaften zusammen, die Kindern in Israel einen Platz im Kindergarten finanzieren.

Organisation 90 Jahre nach der Gründung der WIZO in London und 50 Jahre, nachdem die WIZO Deutschland ins Leben gerufen wurde, hat sich die Organisation einen festen Namen gemacht, wenn es darum geht, Frauen weltweit zu helfen, Bildung zu fördern oder Menschen, die nach Israel einwandern, vor Ort mit Sprachkursen zu helfen. Auch Victoria Gelman ist ein Kind der WIZO, denn sie erhielt ihre Ausbildung an der Musikschule in Tiberias. Und konnte bislang mehrere nationale und internationale Jugendmusikpreise gewinnen. »Auch das ist die WIZO«, sagt Michal Gelerman stolz. Die Vorsitzende der Berliner Gruppe engagiert sich mit ihrem Team seit Jahren nicht nur dafür, dass die Besucher der Gala in den Genuss eines exklusiven Ambientes kommen, sondern auch dafür, dass so viele Kinder wie möglich versorgt werden. »Frauen sind gierig«, sagt sie mit einem Augenzwinkern, ehe sie das Publikum bittet, Patenschaften zu spenden. Als tatkräftige Unterstützung holt sich Gelerman Rabbiner Yehuda Teichtal an die Seite, der mit einer Geschichte auf Deutsch, Englisch und Hebräisch die Gäste lebhaft überzeugt, der WIZO so viel zu geben, wie sie können und wollen. Sein Spendenaufruf verhallte nur langsam und bleibt den meisten Besuchern in guter Erinnerung. Er habe beste Chancen, der erste Mann im WIZO-Team zu werden, scherzt Michal Gelerman, so sehr beeindruckt sein Engagement.

FADO Zwischen Vorsuppe und Hauptgang fliegt an diesem Abend ein Hauch Portugal durch den Saal, denn Elisa Cabera und Mikhail Kaniskin, die beiden ersten Solisten des Berliner Staatsballetts, tanzen leidenschaftlich zu traurigen Fadoklängen. Doch die sentimentale Stimmung legt sich sehr schnell mit dem Auftritt von Minu Barati-Fischer, die die Glücksfee für die Tombola ist. Mit jedem Dreh der Tombola stieg die Spannung im Publikum: Wer würde den Nerz bekommen, wer den Reisegutschein gewinnen, und wer geht demnächst zum Dinner bei Kerzenschein?

Kindertag Die Freude über die vielen wertvollen Preise ist überwältigend. Und vielleicht auch deswegen, weil dahinter das Lachen eines Kindes steht. »Bei der WIZO ist 365 Mal im Jahr Weltkindertag«, sagt Rachel Singer, Vorsitzende der WIZO Deutschland. Sie dankt dem Team für die Zusammenarbeit und betont, dass sich die Arbeit der WIZO nicht nur auf Kinder be-
schränkt, sondern dass auf WIZO-Anstrengungen zum Beispiel auch Gesetze zur Gleichberechtigung der Frau im israelischen Parlament verabschiedet wurden. Dem Dank schließt sich auch Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin an. Sie lobt »ihre Mädels«, für die es neben Beruf und Familie ganz selbstverständlich sei, sich für das Wohl anderer einzusetzen. »Die WIZO ist für Menschen da, denen es nicht gut geht.« Das sei eine wertvolle Tradition, die von der Großmutter über die Mutter an die Töchter weitergegeben wird.

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