Frankfurt/Main

Ein geschütztes Zuhause

Am Donnerstag werden im Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main an der Bornheimer Landwehr die Sektkorken knallen: Denn vor genau 50 Jahren wurde es eröffnet. Mit einem Festakt wird um 17.30 Uhr daran erinnert. Es dürfte das größte jüdische Alten- und Pflegeheim in ganz Deutschland sein. Auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde, das im Oktober 1942 durch die Nationalsozia­listen zwangsgeräumt worden war, hatte man es errichtet.

Die meisten der damaligen Patienten wurden in Konzentrationslager deportiert und überlebten die Schoa nicht. »Damals hätte man sich nicht vorstellen können, dass dieser Ort je wieder ein Zuhause für jüdisches Leben werden würde – ein Ort, an dem nunmehr seit 50 Jahren jüdische Werte und die Tradition der jüdischen Fürsorge gelebt werden«, heißt es seitens der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Die Krankenschwester Thea Levinsohn-Wolf, tätig am Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main und später in Alexandria (Ägypten), schrieb 1932 in ihren Erinnerungen über die Grundlage der jüdischen Krankenpflege: »Hohes medizinisches Niveau, gute Pflege, menschliche Wärme und Verständnis den Patienten gegenüber (…). Behandlung jedes Pflegebedürftigen, der an der Pforte klopfte, egal welcher Hautfarbe und Natio­nalität, sei er arm oder reich, Jude, Christ oder Araber«, wird in der Pressemitteilung festgehalten.

»Es erfüllt mich mit Stolz, dass diese Beschreibung auch heute das Leitbild des Altenzentrums widerspiegelt und die Ursprünge der jüdischen Krankenpflege (Hebräisch: Bikkur Cholim) im Altenheim beherzigt und umgesetzt werden«, sagt der im Gemeindevorstand für das Altenzentrum zuständige Dezernent Leo Latasch.

Der Neubau-Komplex ist für 174 Seniorinnen und Senioren ausgelegt.

»Das Haus ist voller bewegender Lebensgeschichten, die häufig von Verfolgung und Ausgrenzung geprägt waren. Dem möchten wir gerecht werden, indem wir immer auch Schutz, kultursensible Pflege und Menschlichkeit bieten.« Und weiter meint er: »Es ist mir und der Jüdischen Gemeinde wichtig, dass den Mitgliedern, wenn sie älter werden, ein jüdisches Haus mit hohem Standard zur Verfügung steht.« Ganz im Sinne der Urkunde zur Grundsteinlegung 1973, in der der damalige Gemeindevorstand für den Neubau vorgab: »Gib uns nicht preis in den Tagen unseres Alters!«

Während der Großteil der Bewohnerschaft jüdisch ist, gehören die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrheitlich diversen Konfessionen an. »Auch vor diesem Hintergrund sind Empathie, Humanität sowie ein hohes fachliches Niveau und Pflegekonzept weiterhin die Eckpfeiler für ein gutes Zusammenleben«, heißt es weiter in der Presseerklärung. Das jüdische Haus stehe mit dieser Vielfalt auch sinnbildlich für die Stadt Frankfurt.

Der in den 70er-Jahren erbaute Neubau-Komplex auf dem Grundstück des jüdischen Krankenhauses ist für insgesamt 174 Seniorinnen und Senioren ausgelegt. Damit legte die Jüdische Gemeinde den Grundstein dafür, dass ältere und pflegebedürftige jüdische Menschen in Frankfurt in einem professionellen und geschützten Rahmen die nötige Fürsorge und Pflege erhalten und in Würde ihr Leben und die jüdischen Traditionen weiterführen können. Seit nunmehr 50 Jahren bildet dieses Anliegen eine der Hauptaufgaben der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main.

An dem Festakt nehmen neben den geladenen Gästen unter anderem Frankfurts Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg sowie Uwe Becker, Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Finanzen und Antisemitismusbeauftragter der Hessischen Landesregierung, teil. Sie werden, ebenso wie Leo Latasch, ein Grußwort sprechen. Der Historiker Fedor Besseler wird in einem multimedialen Vortrag die Geschichte des Altenzentrums darlegen. Im Anschluss an die offizielle Feier, die musikalisch von Alexander Darmits begleitet wird, findet ein Empfang für alle Gäste statt. ja

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026