Zeremonie

»Ein ganz wichtiger Schritt«

Andras Hecker, Referent des Militärbundesrabbiners Foto: Marco Limberg

Zeremonie

»Ein ganz wichtiger Schritt«

Mit der Einbringung der Torarolle wird das Militärrabbinat offiziell eingeweiht

von Katrin Richter  03.07.2024 17:13 Uhr

Noch liegt sie eingewickelt in den grauen, weichen Toramantel ganz bescheiden und still auf dem Tisch, doch am Donnerstagnachmittag wird die Torarolle der Star des Tages sein, wenn Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Zentralratspräsident Josef Schuster sie offiziell fertigstellen und damit den Moment markieren, an dem das Militärrabbinat auch offiziell seine Arbeit aufnehmen wird.

»Das ist ein ganz wichtiger Schritt. Der Umzug hierher und damit auch die Fertigstellung der Tora ist eine Zäsur, weil das Militärrabbinat damit die Phase der Vorbereitung abgeschlossen hat. Jetzt können wir uns endlich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Seelsorge«, sagt Monika Heimburger, Leitende Regierungsdirektorin des Militärrabbinats.

Was 2019 ganz sachlich mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags über die Einrichtung einer jüdischen Militärseelsorge in der Bundeswehr begann, sieht im Juli 2024 so aus: »Wir haben fünf Militärrabbiner, was sehr wichtig ist, sodass wir auch wirken können. Die fünf sind in unseren Außenstellen tätig und können jetzt in Kontakt zur Truppe treten«, betont Heimburger.

Spätestens mit der Einführung Zsolt Ballas in das Amt des Militärbundesrabbiners im Juni 2021 wurde der Grundstein für eine neue Ära in der Seelsorge der Bundeswehr gelegt.

Spätestens mit der Einführung Zsolt Ballas in das Amt des Militärbundesrabbiners im Juni 2021 wurde der Grundstein für eine neue Ära in der Seelsorge der Bundeswehr gelegt. Danach folgten die Militärrabbiner Konstantin Pal, Shmuel Havlin, Oleg Portnoy und im Juni Alexander Nachama. Sie sind seitdem für die Soldatinnen und Soldaten da, die im Einsatz seelischen Beistand benötigen.

Praktische Erfahrungen sammelte Kons­tantin Pal zu Beginn des Jahres während seines Aufenthalts an Bord des Marinetenders »Donau«, der Teil eines NATO-Einsatzverbandes war. Aber auch jenseits der Hohen See will das Militärrabbinat aktiv sein: So ist geplant, »eng mit den jüdischen Gemeinden zusammenzuarbeiten. Insbesondere an den Standorten der Soldatinnen und Soldaten, aber auch an den Orten, an denen die Familien wohnen«, sagt Heimburger und betont: Man wolle »Menschen für die Besonderheit des soldatischen Dienstes sensibilisieren und in diesem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden etablieren«.

Große Aufgaben in den Jahren nach der Zeitenwende. »Der soldatische Dienst«, sagt Heimburger, »bringt besondere Herausforderungen mit sich, und die jüdischen Gemeinden müssen dafür sensibilisiert werden.« Insbesondere jetzt, »da sich die Bundeswehr neu ausrichtet und das Thema Landes- und Bündnisverteidigung eine wesentlich wichtigere Rolle einnimmt«.

Wenn die Torarolle am Donnerstagnachmittag aus ihrem grauen Toramantel genommen wird und ihre letzten Buchstaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius und Zentralratspräsident Josef Schuster erhält, dann ist das für Heimburger »ein ganz wichtiges Signal und zeigt auch, wie wichtig die jüdische Militärseelsorge« ist. kat

Die Zeremonie wird live gestreamt. Wer nicht vor Ort ist, kann sich die Toraeinbringung unter www.youtube.com/user/ZentralratderJuden ansehen.

Porträt der Woche

Ich bin dankbar

Svitlana Petrovska überlebte die Nazis – und floh vor Putins Krieg nach Berlin

von Rob Savelberg  06.04.2026

Kahal Adass Jisroel

Platz für die Zukunft

Die Gemeinde in Berlin plant für 26 Millionen Euro ein neues Gemeinde- und Bildungszentrum

von Christine Schmitt  06.04.2026

Schwerin

Ein Denkmal für Willy

Der ehemalige Rabbiner William Wolff wird mit einer Statue geehrt

von Axel Seitz  06.04.2026

»Meet a Jew«

Viele Fragen

Marguerite und Benjamin sind zwei Freiwillige, die im Rahmen des Zentralratsprojektes mit Jugendlichen über das Judentum ins Gespräch kommen. So wie kürzlich in Spandau mit einer Box Mazzot

von Alicia Rust  06.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  06.04.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  06.04.2026

Neukölln

Rechts und links der Sonnenallee

Ein Stadtspaziergang führt auf jüdischen Spuren durch den ehemaligen Arbeiterbezirk

von Pascal Beck  05.04.2026

Gemeinde

Man kennt sich hier

Die Synagoge Possartstraße bewahrt Traditionen – und richtet sich neu aus

von Esther Martel  04.04.2026

Besuch

»Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs«

Daniel Hagari, ehemaliger Sprecher der israelischen Verteidigungsarmee, war in der Jüdischen Gemeinde München zu Gast

von Esther Martel  04.04.2026