YidLife Crisis

Echte und eingebildete Lebenskrisen

In Aktion: Jamie Elman und Eli Batalion Foto: Ariella Chmiel

YidLife Crisis

Echte und eingebildete Lebenskrisen

Die Komiker Eli Batalion und Jamie Elman gaben ein umjubeltes Gastspiel in den Kammerspielen

von Ellen Presser  24.07.2023 22:50 Uhr

So heiß und gleichzeitig so familiär dürfte es in den Münchner Kammerspielen schon lange nicht mehr zugegangen sein wie kürzlich anlässlich des einmaligen Gastspiels der beiden kanadischen Comedy-Künstler Eli Batalion und Jamie Elman.

Selten hat man in der letzten Zeit so viele Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde der jüngeren und mittleren Generation beisammen gesehen, die einer gemeinsamen Einladung von B’nai B’rith Loge und Keren Hayesod München unter Beteiligung der Literaturhandlung gefolgt waren. Dabei stand ein Programm auf dem Spielplan, von dem die Bühnenarbeiter und Platzanweiser des Schauspielhauses so gut wie nichts verstanden.

feuerwerk Und auch die jüdische Zuhörerschaft war gefordert, nicht nur, weil ein Feuerwerk an jüdischen »Jokes«, Scherzen aller Art, auf sie einprasselte. Sondern auch, weil es nicht das vertraute Jiddisch der Großeltern war; dafür aber eine vogelwilde Mischung aus Jiddisch, Englisch und Yinglisch. Selbst vor Symbolen des urwüchsig Bayerischen mit einem Abstecher ins Hofbräuhaus machten die Comedians in ihrem Programm »Meschugge in Munich« nicht halt.

Darin liegt nämlich das Besondere. Wenn die beiden in einer ihnen fremden Stadt, ob Miami, Berlin oder München, auftreten, reisen sie früher an, nehmen sich die Zeit für Streifzüge auf jüdischen Spuren, aber auch zu Sehenswürdigkeiten und Kuriosem. Es entstehen kleine Filmsequenzen und Unmengen von Fotos, die anschließend bearbeitet und in das Bühnenprogramm vor Ort per Projektion eingebaut werden.

In München sah es zunächst so aus, als hätte sich Eli Batalion noch schnell an der Kotel göttlichen Segen für seinen Bühnenauftritt besorgt. Dann wird rausgezoomt, und sofort ist klar, die täuschend echt wirkende Aufnahme entstand an der Außenfassade der Synagoge »Ohel Jakob«. Um die Ecke am Spielplatz gibt es Platten auf Spiralen, auf denen man vergnügt herumspringen kann. Wer hätte je gesehen, dass sie spiralig aufgerollten Pejes nachempfunden scheinen.

jiddisch Diesen verspielten Blick auf das Leben im Allgemeinen und auf echte und eingebildete Lebenskrisen hat sich das Duo erhalten. Sie kennen sich seit ihrer Schulzeit an der Bialik High School in Montreal, wo sie Jiddisch lernten, was Eli Batalion auch zu Hause mitbekam. Bei einer bebilderten Exkursion in die Frühzeit ihres Berufslebens wird sichtbar, dass der gebürtige New Yorker Benjamin David »Jamie« Elman eine respektable Schauspielkarriere 1995 neben Keanu Reeves begann. Zwischen 2003 und 2007 tauchte er in namhaften Serien auf wie Without a Trace, CSI: NY und Criminal Minds. Eli Batalion ging andere Wege in der Unterhaltungsindustrie.

Doch dann trafen sie sich wieder und erkannten, dass sie aus ihrer jüdischen Prägung etwas Eigenes entwickeln könnten. Die Mittdreißiger-Lebenskrise wurde zum Auftakt für das YidLife-Crisis-Projekt, mit dem sie im September 2014 auf YouTube an den Start gingen. Ihre erfolgreiche Comedy-Web-Serie, in der sie ihre Doppelgänger, die »schmendriks« Chaimie und Leizer, mit jüdischem Humor durchs Leben stolpern lassen, kam so gut an, dass sie dieses Format nun mit Live-Auftritten in Kanada, den USA, aber auch in Deutschland kombinieren.

Ihr Sketch eines Blind Date in einer Sushi-Bar von 2016, in dem Mayim Bialik, bekannt aus der Serie The Big Bang Theory als potenzielle Heiratskandidatin auftritt, gehört schon zu den modernen Klassikern des jüdisch-jiddischen Humors. Auch das Münchner Publikum hatte seinen Spaß daran – ebenso wie die beiden Vorsitzenden der gastgebenden Verbände, Daniel Gitbud von der B’nai Brith Loge und Amir Borenstein vom Keren Hayesod.

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

München

Erinnerung heißt Verantwortung übernehmen

Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutierten im Bayerischen Landtag zum Thema »Der neue alte Wahn – der moderne Judenhass«

von Esther Martel  08.11.2026

Porträt der Woche

Überlebt im Versteck

Ernst O. Krakenberger wurde als Kleinkind gerettet und war später Hopfenhändler

von Matthias Messmer  08.11.2026

München

Knobloch: »Bei der Eröffnung sind mir die Tränen heruntergelaufen«

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern spricht im Interview über die Eröffnung der Ohel-Jakob-Synagoge, den wachsenden Antisemitismus und dem Wahlsieg der Linken in Berlin

von Christiane Ried  06.11.2026

Bayern

Charlotte Knobloch wünscht sich Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Die bayerische Landtagspräsidentin »lebt mit den Menschen, nicht über ihnen«, so Knobloch

 06.11.2026

München

Für Begegnung und Austausch

Die 40. Jüdischen Kulturtage wurden vergangene Woche mit einem großen Festakt im Cuvilliés-Theater eröffnet

von Luis Gruhler  05.11.2026

Auszeichnung

Grand Hospital Award für Waldkliniken Eisenberg

Mit einer eigenen Synagoge und einem besonderen Behandlungskonzept für jüdische Patientinnen und Patienten wurden die Waldkliniken Eisenberg bekannt. Nun erhalten sie die höchste Krankenhaus-Auszeichnung

 05.11.2026

Dresden

Ein besonderer Schabbat

Köchin Sibel Cuniman Pinto serviert traditionelle sefardische Gerichte – und die Geschichten dazu

von Karin Vogelsberg  05.11.2026

Berlin

Neuer Gedenkstein für Margot Friedländer

Um die Erinnerung an das Vermächtnis Margot Friedländers wachzuhalten, ist am Donnerstag ein Gedenkstein mit ihrem Porträt auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee niedergelegt worden. Der Künstler ist ein 16-jähriger Schüler aus der Ukraine

 05.11.2026