Meinung

Es gibt kein Weihnukka!

Avitall Gerstetter Foto: Salon Avitall

Den Begriff »Weihnukka« liest man dieser Tage wieder viel. Er ist die Fusion von Weihnachten und Chanukka. Ich finde ihn nicht gut. Was ist schon dabei, unsere Traditionen ein wenig zu vermischen, werden einige jetzt fragen. Sind wir nicht alle moderne Menschen? Gibt es nicht viele interkonfessionelle Partnerschaften, die die beiden Feste zusammen feiern?

Neu ist das Phänomen zwischen den Kulturen nicht. Es taucht »alle Jahre wieder« auf. Vielleicht manchmal von christlicher Seite, um uns Juden (ein wenig fest) zu umarmen.

Oder wir Juden wollen uns, Schutz und Ruhe suchend, in Deutschland stärker assimilieren. Belege dafür finden sich schon in der Zeit Kaiser Wilhelms: In einer Karikatur aus dem Jahr 1904 verwandelt sich der Channuka-Leuchter schrittweise in einen Christbaum.

Weihnachtsbaum und Chanukkia vor dem Brandenburger Tor in Berlin (2020)Foto: imago images/Future Image

Oberflächlich betrachtet gibt es zwischen Weihnachten und Chanukka durchaus Gemeinsamkeiten. Da ist das Licht, das sich über die Dunkelheit erhebt. Da sind die Wunder, die beide Feste begründen, wenngleich unterschiedlich.

Aber wer glaubt, eine Fusion würde automatisch auch mehr Respekt für die jeweils andere Kultur und Religion bedeuten, irrt. Denn Gleichmacherei und die Verwischung von Unterschieden macht de facto Menschen und ihren Glauben beliebiger. In diesen schweren Zeiten, in denen wir uns als unterschiedliche Kultur- und Wertegemeinschaften nahe sein wollen, eint uns die Menschlichkeit, das Aufstehen gegen Hass und Dummheit.

Hinzu kommt: Für uns Juden ist gerade dann, wenn die Ausübung der Religionsfreiheit durch antisemitische Umtriebe deutlich erschwert wird, die Eigenständigkeit unseres kulturellen Erbes von zentraler Bedeutung. Ja, wir wollen einander nahe sein. Aber bitte ohne uns gegenseitig zu vereinnahmen.

Ich kann nur vor der alten und immer wieder neu formulierten Idee einer Politik warnen, die Menschen und die ganze Gesellschaft gleich zu machen. Denn dann wäre es wie bei Orwells »Farm der Tiere«: Alle wären gleich, aber einige noch gleicher.

Wir sind gut so, wie wir sind. Mit allen Unterschieden.

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