Interview

»Die Kita wird für alle offen sein«

Evgeni Kutikow Foto: Uwe Steinert

Interview

»Die Kita wird für alle offen sein«

Yevgeny Kutikov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Potsdam, über die erste jüdische Kita in Brandenburg.

von Christine Schmitt  19.01.2026 17:09 Uhr

Herr Kutikow, die Jüdische Gemeinde Potsdam plant in der Landeshauptstadt die erste jüdische Kita in Brandenburg. Wie kam es zu der Initiative?
Die Idee ist sehr alt. Es gab bereits vor etwa 20 Jahren einen Versuch, in Potsdam eine jüdische Kita aufzubauen. Nun möchten wir diese Vision aufgreifen. Viele Eltern engagieren sich diesbezüglich. Schon seit mehr als zwei Jahren arbeiten wir daran. Jetzt soll die geplante Kita im Mai Realität werden. Insgesamt sind 40 Plätze vorgesehen.

Werden nur jüdische Kinder aufgenommen?
Nein. Allerdings sollte die Mehrheit jüdisch sein. Doch die Kita wird offen für alle Kinder sein, unabhängig von ihrer Religion.

In Potsdam sind fünf jüdische Gemeinden beheimatet. Wie viele Kita-Kinder gibt es, die dort angemeldet werden könnten?
Unserer Gemeinde gehören etwa 30 Kita-Kinder an. Wie es bei den anderen Gemeinden aussieht, weiß ich nicht. Deren Kinder sind natürlich auch willkommen. Etliche besuchen allerdings bereits eine Einrichtung. Da möchten Eltern ungern eine Veränderung für die Kinder herbeiführen. Wir planen nun Schritt für Schritt.

Welche Inhalte sind Ihnen wichtig?
Wir möchten jüdische Kultur und Tradition weitergeben. Dazu gehört die kindgerechte Vermittlung jüdischer Religion und Geschichte ebenso wie die Einhaltung jüdischer Feiertage oder das koschere Essen, das von der Küche des Synagogenzentrums angeliefert werden soll. Alle religiösen Gesetze sollen eingehalten werden.

Was ist die größte Herausforderung?
Die Situation für Juden hat sich stark verändert. Anfangs gab es einige Familien, die sich gefreut haben, ihre Kinder in naher Zukunft in eine jüdische Kita bringen zu können. Nun haben wir Schwierigkeiten. Der 7. Oktober 2023 war und ist ein tiefer Einschnitt. Der Antisemitismus ist immer stärker geworden. Jüngst hat es einen Anschlag auf den Antisemitismusbeauftragten Brandenburgs, Andreas Büttner, gegeben. Da möchten viele Familien ihren Nachwuchs schützen und nicht offen zeigen, dass ihre Kinder eine jüdische Kita besuchen. Die Eltern sind beunruhigt. Sie haben Angst. Viele Interessenten von damals sind inzwischen abgesprungen.

Wo wird sich die Kita befinden?
Das können wir aus Sorge vor Anschlägen nicht öffentlich machen. Aber die Sicherheitsmaßnahmen sind bereits erfolgt.

Erhalten Sie vonseiten der Politik hinreichend Unterstützung?
Ja. Dafür sind wir dankbar. Zwar sind wir im Land Brandenburg die größte Gemeinde, aber wirtschaftlich sind wir nicht in der Lage, eine eigene Kita zu betreiben, denn wir sind zu klein. Die Stadt Potsdam hilft kräftig. Die Arbeiterwohlfahrt ist auch ein guter Partner. Ebenso haben wir qualifiziertes Personal. Wir sind bestens aufgestellt.

Mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Potsdam sprach Christine Schmitt.

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Geburtstag

Andreis Glück

Der Schoa-Überlebende Andrei Moiseenkow wird 100 – Weimar feiert seinen Ehrenbürger

von Helmut Kuhn  01.05.2026

Porträt

An der Basis

Lea Rosenberg setzt sich beim Paritätischen Wohlfahrtsverband für Geflüchtete ein

von Gerhard Haase-Hindenberg  01.05.2026

Jüdische Gemeinden

Das neue angstvolle »Normal«

Wie haben sich der 7. Oktober 2023 und die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten ausgewirkt? Der neue Lagebericht des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Katrin Richter  01.05.2026

Berlin

CDU-Präsidium tagt in Chabad-Synagoge

Die Parteispitze will damit ein Zeichen setzen

 01.05.2026

Berlin

Tanzen, trotz allem

Der Israeltag am Wittenbergplatz setzte ein Zeichen der Solidarität, der Lebensfreude – aber auch der Sorge

von Christine Schmitt  30.04.2026

Düsseldorf

Auschwitz-Museum: Rüttgers erhält Auszeichnung »Light of Remembrance«

»Mein Antrieb wurzelt in der tiefen Überzeugung, dass wir Deutsche uns der Verantwortung, die aus unserer Geschichte als ›Land der Täter‹ erwächst, niemals entziehen können«, sagt der Preisträger

 30.04.2026 Aktualisiert

Erinnerung - 20 Jahre ohne Paul Spiegel

Zum 20. Todestag von Paul Spiegel

Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland stand er für Dialog, Klarheit und Verantwortung. Ein Video erinnert an sein Vermächtnis – und daran, warum seine Stimme heute fehlt.

von Jan Feldmann  30.04.2026