Geburtstag

Die ganze Klasse zu Gast

In Omas Kindheit waren Geburtstage nichts Besonderes – der Enkel bekam ein iPhone als Geschenk. Foto: Christian Rudnik

Rosch Haschana, das jüdische Neujahr, ist der Geburtstag der Welt. Aber wie feiert ihr eure eigenen Geburtstage? Wir haben drei Generationen, nämlich Joel (10), seine Mama (Chaja Loulai, 50) und seine Oma (Anna Zemelman Hener, 74) aus München an einen Tisch geholt – und wollten von ihnen wissen, was eine coole Geburtstagsparty ausmacht.

Joel: Bei meinem letzten Geburtstag haben fast alle Jungs aus meiner Klasse bei mir übernachtet. Wir haben nicht mehr als fünf Stunden geschlafen.
Mama: Ich glaube, sogar etwas länger. Vorher war’s wild.
Joel: Wir haben das Champions-League-Finale geguckt. Real Madrid hat 4:1 gegen Atletico Madrid gewonnen.
Oma: Das weißt du noch!? Na ja, so ist das eben: Wenn der Geburtstag besonders ist, dann bleibt er im Kopf.

Wie haben Sie als Kind gefeiert?
Oma: Ich bin in Rio, in Brasilien, geboren und aufgewachsen, und da waren die Geburtstage wirklich nichts Großartiges. Man hat die Kinder aus der Nachbarschaft eingeladen. Es gab Kuchen mit Kerzen, die Kerzen wurden ausgeblasen, und dann ist jeder wieder nach Hause gegangen. Das war’s. Die Erwachsenen wollten einfach ihre Ruhe. Und trotzdem habe ich mich jedes Mal auf meinen Geburtstag gefreut. Mit 15 habe ich eine richtig große Party gemacht und alle Kinder vom Gymnasium eingeladen.
Joel: Als ich noch klein war, habe ich auch mal die ganze Kindergartengruppe eingeladen.
Mama: Da mussten wir draußen feiern. Und das war richtig schön. Alle saßen an einem langen Tisch! Alle bekamen ein Mittagessen.
Oma: Wir waren damals ungefähr 60 Leute. Ein Kavalier war auch dabei, von dem man wollte, dass ich ihn sympathisch finde. Ich konnte ihn aber nicht ausstehen. Und als mein Papa uns alle ein bisschen am Whisky hat nippen lassen, hat dieser Kavalier auf einmal angefangen, verrückt auf den Betten herumzuspringen. Da habe ich meine Mutter geholt, ihr das gezeigt und gefragt, ob sie immer noch will, dass ich diesen jungen Mann sympathisch finde.

Welche Erinnerungen habt ihr noch?
Joel: Ich erinnere mich an einen Geburtstag mit zerrissener Hose. Unser Nachbarhaus stand gerade leer, weil jemand ausgezogen war, ein Haus mit einem großen Garten. Den haben wir dann zum Spielen genutzt. Ich musste immer mal wieder über den Zaun hin- und herklettern, und dabei ist es dann passiert ...
Mama: Wir waren auch mal zusammen im Legoland. Weißt du das noch, Joel?
Joel: Ja, da war ich sieben.
Mama: Genau. Wir haben uns mit fünf Jungs um halb acht am Bahnhof getroffen, sind zum Legoland gefahren und waren dann den ganzen Tag dort. Als du klein warst, haben wir manchmal auch Spiele gemacht, die ich noch aus meiner Kindheit kannte, Topfschlagen, Eierlaufen, die Reise nach Jerusalem ...
Joel: Das ist jetzt aber wirklich lange her.

Welche Geschenke waren die besten?
Oma: Ich habe einmal als Kind ein wunderschönes, goldenes Armband bekommen, auf das ich sehr stolz war, bis mein Papa am nächsten Tag zu mir gesagt hat: »Ich habe da jemand, der es kaufen will. Ich schenke dir dafür ein anderes.« Er hat mit Schmuck gehandelt, und wir waren damals arm. Und ich sagte zu ihm: »Gut, nimm es dir.« Damit war es weg, und ein anderes hat es nie gegeben.
Joel: Ich habe 2013 ein iPhone zum Geburtstag gekriegt. Ich glaube, das war mein schönstes Geschenk.
Mama: Das iPhone! Damit war ich erst nicht wirklich einverstanden. »Dann muss es zur Barmizwa ein Helikopter sein«, habe ich gesagt. Aber so ist das halt heute, und dazu gehören irgendwie auch aufwendige Geburtstage ...

Wie aufwendig muss es denn sein?
Joel: Ein Freund von mir hat einmal mit seinen Gästen zusammen einen Mafia-Film gedreht ...
Mama: ... obwohl ich sagen muss, dass sich das in Joels Klasse in Grenzen hält. Ich für meine Person mag ja die Zuhause-Partys sehr gerne, und für die ist mir dann eigentlich auch kein Aufwand zu groß. Mir macht das eben einfach Spaß. Was zu unternehmen, ist natürlich auch nicht schlecht, und da habe ich auch schon ein paar Ideen ...
Joel: Sag schon, Mama!
Mama: ... ein Piratentag am Chiemsee wäre doch was, oder ein Tag im Klettergarten. Was wir jedenfalls bei jedem Geburtstag machen ...
Joel: ... sind mindestens drei Kuchen.
Mama: Wir gehen immer zusammen mit unseren engsten Freunden und der Familie zum Essen.
Oma: Das Geburtstagskind darf wählen, wohin.
Mama: Koscher sollte es halt sein.
Joel: Wir gehen zum Chinesen, und ich esse mit Stäbchen!

Das Interview führte Katrin Diehl.

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