München

Das Herz sprechen lassen

Für die Europäische Janusz Korczak Akademie (EJKA) bot der 28. Juli gleich drei Anlässe zum Feiern: einmal die Verleihung des Janusz-Korczak-Preises für Menschlichkeit, die Vorstellung der neuen Räume in München und das 13-jährige Bestehen des Vereins, also quasi sein Barmizwa-Alter.

Zu letzterem Punkt scherzte Zentralratspräsident und Laudator Josef Schuster: Die Akademie, eine Präsidentin – da sei doch wohl Batmizwa geeigneter. In den vergangenen beiden Jahren sei die Preisverleihung pandemiebedingt ausgefallen – also sei’s drum.

Jugendliche Den zeitlichen Verlust glich die EJKA dadurch aus, dass diesmal gleich zwei Preise vergeben wurden. Einer davon an den Religionspädagogen German Djanatliev. Schuster erinnerte in seiner Laudatio an ein früheres Statement des Geehrten: »Was ich weiß, gebe ich weiter.« Von dieser Einstellung, so Schuster, profitieren in hohem Maße die Kinder und Jugendlichen der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, und nicht allein sie.

»Es profitiert die gesamte jüdische Gemeinschaft in Deutschland, deren Zukunft ganz wesentlich davon abhängt, dass sich junge Menschen, die eines Tages die Verantwortung für das jüdische Leben in Deutschland tragen werden, bewusst sind, warum sie Juden sind.« Dieses Wissen und die Freude am jüdischen Leben vermittle ihnen German Djanatliev.

»Das Wichtigste im Lehrerberuf ist die Menschlichkeit.«

German Djanatliev

Das Wichtigste bei seiner Arbeit, so Djanatliev, sei es, das Herz sprechen zu lassen. Doch, so der Religionspädagoge, »wir alle wissen, dass die Erziehung nicht nur von der Schule und vom Lehrer getragen wird«.

Nachbarschaft Auch die Gesellschaft wirke kräftig an der Erziehung mit – »die Straße, die Nachbarschaft, die Zeitung und das Buch, das Fernsehen selbstverständlich, das Internet und Social Media und natürlich das Elternhaus«, sagte Djanatliev. Wenn es etwas gebe, das ganz und gar jüdisch ist und dennoch auch von Nichtjuden uneingeschränkt anerkannt werde, so sei es die Herzlichkeit im Verhältnis der Familienmitglieder zueinander.

Mit dieser Einstellung schließt sich der Kreis: »Diese Auszeichnung bedeutet für mich nicht nur eine besondere Ehre, sondern bestärkt mich auch in meinem Glauben daran, dass das Wichtigste im Lehrerberuf die Menschlichkeit ist.« Mit diesem zentralen Satz aus seiner Dankesrede verband German Djanatliev sein Engagement und die Ideale von Janusz Korczak, nach dem der Preis benannt ist. Die ebenfalls nach dem Warschauer Pädagogen und Leiter des jüdischen Waisenhauses benannte Europäische Janusz Korczak Akademie e.V. verleiht in zweijährigem Turnus den Janusz-Korczak-Preis für Menschlichkeit.

Damit werden regelmäßig Persönlichkeiten, Institutionen oder Organisationen geehrt, die sich in besonderem Maße um die Förderung der Menschen- beziehungsweise Kinderrechte, die Wahrung des Friedens und die Bekämpfung von Hass, Gewalt und Menschenfeindlichkeit verdient gemacht haben. Die Preisskulptur stammt von dem Künstler Alexander Shimanovsky.

Der israelische Präsident Isaac Herzog lobte die Arbeit des Vereins IDF Widows and Orphans.

Geehrt wurden in diesem Jahr neben Djanatliev die IDF Widows and Orphans Organization (IDFWO), vertreten durch deren Präsidentin Tami Shelach und den CEO Shlomi Nahumson.

Soldaten In seiner Laudatio würdigte der israelische Staatspräsident Isaac Herzog, zugeschaltet per Video, die wichtige Arbeit des Vereins. Dieser kümmert sich um die Familien gefallener Soldaten und Soldatinnen in Israel. Die Betroffenen könnten hier spüren, was es bedeute, auch in schweren Zeiten nicht alleingelassen zu werden.

Herzog sagte zudem, dass das Schicksal von Korczak an die düsterste Zeit der Menschheitsgeschichte erinnere, gleichzeitig aber auch zeige, was der menschliche Geist leisten könne. Das Leben und Sterben von Janusz Korczak erinnere daran, »dass wir in den schlimmsten Stunden Menschen bleiben können«, so Herzog.

Der Staatspräsident gratulierte in seiner Ansprache auch der Akademie zu ihren neuen Räumlichkeiten in München, in Partnerschaft mit der Jewish Agency. Die Aktivitäten der EJKA hatte deren Präsidentin Eva Haller bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste aus Politik und Wirtschaft vorgestellt.

Diese Arbeit lobte der Erste Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Karl Freller (CSU), in seinem kurzen Grußwort: Die Akademie sei ein kompetenter Partner für Jung und Alt in der Bildungsarbeit, insbesondere für die jüdische Kulturbildung und den interreligiösen und interkulturellen Dialog. Zudem habe sie in diesem Jahr zwei würdige Preisträger gewählt, die sich engagiert für Kinder und Jugendliche einsetzen.

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