Kladow

Botschaft der Menschlichkeit

Zeitzeugin Margot Friedländer (1921–2025) Foto: picture alliance/dpa

Margot Friedländer hätte sich bestimmt sehr gefreut. Das Hans-Carossa-Gymnasium in Kladow hat offiziell die Umbenennung der Schule zur Margot-Friedländer-Schule bei der gleichnamigen Stiftung beantragt. Bereits zu Lebzeiten hatte Friedländer dem ausdrücklich zugestimmt. »Sie hat uns gesagt, dass sie sich geehrt fühlen würde, wenn wir unsere Schule nach ihr benennen würden«, so Schulleiter Henning Roßbühl.

Die im Mai im Alter von 103 Jahren verstorbene gebürtige Berlinerin und Holocaust-Überlebende hatte sich bis zuletzt ihrer Arbeit mit Jugendlichen verschrieben. Im Rahmen ihres Ehrenamts bestand ein langjähriger Austausch mit dem Ganztagsgymnasium, das sie mehr als ein Dutzend Mal aufgesucht hatte. »Es hat einen sehr engen Austausch zwischen unserer Schule und Frau Friedländer gegeben«, bestätigt Marlin S., die bis vergangenes Jahr Schülersprecherin war und die sich entsprechend für das Anliegen der Umbenennung engagiert.

»Margot Friedländer ist für mich ein Vorbild für die Schule, ihr Name steht für Menschlichkeit.«

Friedländer habe regelmäßig mit den Schülern diskutiert. Auch aus ihrem Buch habe sie gelesen, und eine Delegation der Schule habe die Zeitzeugin sogar in ihrer Wohnung besuchen dürfen. »Das war eine ganz große Ehre für unsere Schule«, erinnert sich die Schülerin.

Der Umbenennung war eine jahrelange Diskussion an der Schule vorausgegangen. Zwei Versuche waren fehlgeschlagen, was auch daran gelegen haben mag, dass der neue Name unter Verschluss gehalten worden war. Dementsprechend habe es Missverständnisse gegeben, sagt Marlin S. Diesmal sei der Antrag auf breite Zustimmung gestoßen.

»Wir brauchen einen Namen, an dem sich die Kinder und Jugendlichen orientieren können«, sagt Schulleiter Hennig Rußbühl. »Margot Friedländer ist für mich ein Vorbild für die Schule, ihr Name steht für Menschlichkeit.« Das sei beim gegenwärtigen Namensträger Hans Carossa nicht der Fall. Eine Verbindung des am 12. September 1956 in Rittsteig bei Passau geborenen Lyrikers zum Nationalsozialismus sei nicht ganz von der Hand weisen. Der schreibende Mediziner wurde vom NS-Regime gefördert, von Hitler sogar auf die »Gottbegnadetenliste« gesetzt, was seine Relevanz für das NS-Regime verdeutlicht, wenngleich er auch den Begriff der »inneren Emigration« geprägt hatte.

»Als Schulleiter muss ich fragen: Ist der Name für unsere Schule noch tragbar?«, so Roßbühl. Den Vorwurf der sogenannten Cancel Culture lässt der Schulleiter nicht gelten. Das fünfzügige Gymnasium, das als einziges in Berlin die Inklusion von geistig behinderten Schülern betreibe, stehe wie Friedländer für den unbedingten Glauben an die Demokratie.

In wenigen Tagen wird mit einer Entscheidung der Margot Friedländer Stiftung gerechnet.

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026

Porträt der Woche

Der Barockmusiker

Moshe Haas stammt aus Israel, ist Kantor und liebt Johann Sebastian Bach

von Anja Bochtler  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit. Für ihren Einsatz gegen Antisemitismus geht der Preis in diesem Jahr an NRW-Ministerin Neubaur

 14.09.2026

Deutschland

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg

Die Gewaltandrohung steht in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD. Knobloch sagt aus Sicherheitsgründen Veranstaltung ab

 11.09.2026

Neujahr

Mit Tatkraft und Ausdauer

Gerade in diesen Zeiten müssen wir als jüdische Gemeinschaft die Werte der Demokratie verteidigen. Denn auch wir tragen Verantwortung – mehr denn je

von Charlotte Knobloch  11.09.2026

Berlin

Bundespräsident Steinmeier: Müssen alles daran setzen, Antisemitismus zu bekämpfen

»Es ist beschämend und darf uns niemals ruhen lassen, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Anfeindungen auf der Straße oder in Universitäten ausgesetzt sind« schreibt Frank-Walter Steinmeier

 11.09.2026

Imkerei

»Bienen muss man respektieren«

Wie bei vielen Juden steht bei den Gempels zu Rosch Haschana Honig auf dem Tisch. Doch bei ihnen kommt er aus dem eigenen Garten. Ein Ausflug nach Leipzig

von Mascha Malburg  11.09.2026