EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Berlin

Auftakt des »Festival of Resilience«

Die Rabbinerin und Halle-Überlebende Rebecca Blady eröffnet mit ihrer Rede das »Festival of Resilience«. Foto: Max Mordinson

Mit einer Zeremonie im Jüdischen Museum Berlin ist am Donnerstagabend das »Festival of Resilience« eröffnet worden. Das Festival ist von Überlebenden des Anschlags auf die Synagoge von Halle im Jahre 2019 gegründet worden und versteht sich als Antwort der Stärke auf antisemitische und rassistische Gewalt. Zum dritten Mal kommen in diesem Jahr Betroffene von verschiedenen rechtsextremen Anschlägen sowie zahlreiche Gäste in Berlin zusammen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Widerstand Hetty Berg, Direktorin des Jüdischen Museums, sagte in ihrem einleitenden Grußwort, bei dem Festival gehe es darum, »dem Antisemitismus mit einem jüdischen Narrativ« zu begegnen und denjenigen eine Stimme zu geben, »die rechtsextreme Gewalt am eigenen Körper erlebt haben«. Resilienz bedeute »Widerstandskraft, Zähigkeit, aber auch Flexibilität«, so Berg, und mit Blick auf Krieg und Pandemie bräuchten wir »Resilience – Widerstandskraft – heute mehr denn je«.

Die Mitinitiatorin des Festivals, Rabbinerin Rebecca Blady, die am 9. Oktober 2019 in der Synagoge in Halle anwesend war, als ein Rechtsextremist versuchte, mit Waffengewalt in das Gebäude einzudringen, wies in ihrer Rede zunächst auf den mutmaßlichen Angriff am Mittwoch auf die Synagoge in Hannover hin. »Dies ist das vierte Jahr in Folge, in dem Terroristen Jom Kippur und Sukkot in jüdischen Gemeinden in Deutschland gestört haben: Halle, Hamburg, Hagen und jetzt Hannover«, sagte Blady mit Blick auf ausgeführte beziehungsweise geplante antisemitisch motivierte Anschläge und Angriffe in diesen Städten.

»Resilienz lehrt uns die vielen Wege, die Menschen nach einem Trauma oder einer Tragödie einschlagen können.«

rabbinerin rebecca blady

Viele Jüdinnen und Juden würden sich heute fragen: »Wenn wir an unseren heiligen Tagen nicht sicher sein können, wie können wir dann das ganze Jahr über sicher sein?« Blady, die in Berlin die jüdische Initiative Hillel mitgegründet hat, ist jedoch überzeugt, die jüdische Gemeinschaft dürfe sich von den Gewalttätern nicht zermürben lassen. Eine Antwort auf die Gewalt habe sie selbst in dem Konzept der Resilienz gefunden. »Resilienz lehrt uns die vielen Wege, die Menschen nach einem Trauma oder einer Tragödie einschlagen können«, so Blady. »Sie verspricht nicht, alles zu heilen, aber sie kann uns stärken.«

Schmerz Im Verlauf des Abends sprachen noch weitere Überlebende des Halle-Anschlags. Mitorganisatorin Anastassia Pletoukhina nannte das »Festival of Resilience« eine Möglichkeit, »die eigene Erfahrung und den eigenen Schmerz zu teilen«. Ismet Tekin, in dessen »Kiez Döner« der 20-jährige Kevin S. erschossen wurde, sagte mit Blick auf die Verhinderung rechtsextremer Gewalt: »Wir haben einen langen Weg vor uns, aber gemeinsam werden wir das schaffen«, und die jüdische Schriftstellerin Page H. forderte: »Wir müssen uns mit dem Aufbau einer besseren Gesellschaft befassen«. Sie lade »alle ein mitzumachen«.

Flankiert wurde der Abend im Lichthof des Jüdischen Museums von lyrischen und musikalischen Beiträgen sowie zahlreichen aufgezeichneten Grußbotschaften, die für das Publikum abgespielt wurden. Die Zeremonie endete mit dem Blasen des Schofars, virtuos ausgeführt von der Musikerin Yael Gat. »Auch das ist eine Form der Resilienz«, kommentierte Rebecca Blady die außergewöhnliche Interpretation des uralten traditionellen Instruments.

Noch bis zum 16. Oktober werden im Rahmen des »Festival of Resilience« zahlreiche Veranstaltungen angeboten, von Kunstaustellungen über Workshops bis zum gemeinsamen Feiern von Sukkot. Zu den Partnern des Festivals gehören unter anderem die Amadeu Antonio Stiftung, die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) sowie der Zentralrat der Juden in Deutschland.

Seele

Wenn alles zu viel ist

Erstarkende Extreme, Gedanken ans Auswandern, Rechtfertigen im Alltag – eine virtuelle Begegnung mit Jüdinnen und Juden und der Frage: Wie gehtʼs dir?

von Katrin Richter  27.10.2026

Ausstellung

Waschgefäß ohne Geschichte

Das Jüdische Historische Institut in Warschau zeigt Exponate aus dem ehemaligen Berliner Jüdischen Museum – ohne klare Verweise und mit auffälliger Distanzierung

von Ingo Loose  27.10.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens: Akademie öffnet

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 27.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Brandenburg

Neuer Staatsvertrag für jüdische Gemeinden in Brandenburg

In Brandenburg hat die Bekämpfung des Antisemitismus seit 2022 Verfassungsrang. Nun soll der Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden verbessert werden

 25.10.2026

Porträt der Woche

Die Erinnerung muss bleiben

Thomas Gabelin wurde in Theresienstadt geboren. Heute ist er aktiver Zeitzeuge

von Christine Schmitt  25.10.2026

Jubiläum

Brücke nach Israel

TAMAD feiert 25 Jahre Freundschaft und kulturellen Dialog mit dem jüdischen Staat

von Luis Gruhler  25.10.2026

Brustkrebs

»Vorsorge ist entscheidend«

Hannah Arbitmann über Mammakarzinome, Gentests und die Menopause

von Katrin Richter  23.10.2026

Würdigung

Bayerischer Walk of Fame

Zwei Lebensgeschichten, ein gemeinsames Zeichen: Charlotte Knobloch und Herzog Franz von Bayern werden für ihr Engagement geehrt

von Luis Gruhler  23.10.2026