Stuttgart

Applaus für die jungen Stars

Solist Samuel Weilacher am Cello (M.) Foto: Brigitte Jähnigen

»Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.« Herzlicher, stellenweise frenetischer Beifall am vergangenen Sonntag im Mozartsaal des Kongress- und Kulturzentrums KL Liederhalle Stuttgart bewies einmal mehr die Wahrheit von Gustav Mahlers Worten. Solisten – Wettbewerbssieger des Internationalen Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerbs 2019 – und Ensemblemitglieder des Jüdischen Kammerorchesters Nigun unter der künstlerischen Leitung von Jewgeni Schuk begeisterten die Zuhörer mit Werken aus drei Musikepochen.

»Wir sind sehr stolz auf unser Jüdisches Kammerorchester und unsere Jugend, die sich beim mittlerweile internationalen Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb misst«, sagte Michael Kashi vor Beginn des Konzerts. Ein Auftritt mit dem Kammerorchester sei eine besondere Auszeichnung, betonte das Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW).

Einladung Erstmals fand das Preisträgerkonzert mit Nigun im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen Stuttgart statt, die in diesem Jahr unter dem Motto »1919 – 2019: In Verantwortung für die Gesellschaft« standen. Es schien wie geschaffen für das Konzertereignis. Das Orchester nenne sich zwar Jüdisches Kammerorchester, doch der Begriff jüdisch wolle nicht ausgrenzen, sondern im Gegenteil, eine Einladung sein, gemeinsam Musik zu machen, sagte Kashi. Tatsächlich musizieren bei Nigun jüdische und nichtjüdische Kollegen gemeinsam.

Erstmals fand das Preisträgerkonzert mit Nigun im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen Stuttgart statt.

»Nigun« wurde 2012 durch die Initiative der Musikerin Margarita Volkova-Mendzelevskaya gegründet. »Wir waren der Ansicht, dass 80 Jahre ohne ein jüdisches Kammerorchester dem Kulturleben von Stuttgart etwas fehlt«, sagt die heutige Vorsitzende der Internationalen Musikakademie Nigun. Sie ist sowohl Initiatorin als auch künstlerische Leiterin des Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerbs.

Mit einer mitreißenden Interpretation des ersten Satzes des Violinkonzertes Nr. 2 in d-Moll, op. 22 von Henryk Wieniawski eröffnete Taisia Schuk den Konzertabend. Wieniawski war selbst Violinist und schrieb seine Kompositionen vor allem für den Eigengebrauch.

Streichorchester Die Bearbeitung des Konzertes für Streichorchester nahm Valentin Schuk vor, Großvater von Taisia Schuk und Vater von Jewgeni Schuk, dem künstlerischen Leiter des Konzertes im Mozartsaal. Dass es Volkova-Mendzelevskaya gelang, den Professor für Kammermusik an der Musikhochschule Würzburg für den Abend zu gewinnen, war ein wahrer Glücksgriff.

Taisias Talent zeigte sich früh. Sie spielt nicht nur Violine, sondern auch Klavier. »So etwas haben wir in der Altersgruppe noch nie gehört«, kommentierte schon die Jury des Adler-Jugendmusikwettbewerbs dieses Jahr nach dem Vortrag von Taisia Schuk als Kammermusikpartnerin im Fach Klavier-Trio.

Samuel Weilacher interpretierte ein Stück für Violoncello und Orchester von Peter Tschaikowsky.

Mit Samuel Weilacher als zweitem Solisten erlebte das Publikum einen ebenso begabten Musiker mit Konzertreife. Der 18-Jährige interpretierte die Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester op.33 von Peter Tschaikowsky. Weilacher ist nicht nur Stimmführer der Cellogruppe im Bundesjugendorchester, sondern auch Mitbegründer der LGT Young Soloists.

Initiatorin In dieser Formation spielt auch Leo Esselson, ebenfalls ein Preisträger diverser Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerbe. Dass sich dieser Wettbewerb inzwischen auch einen Namen beim Zentralrat der Juden in Deutschland gemacht hat, freut Initiatorin Margarita Volkova-Mendzelevskaya. »Ohne die finanzielle Förderung des Zentralrates gäbe es den Wettbewerb nicht«, sagt sie. Begeisterter Applaus belohnte Samuel Weilachers Auftritt.

Ihm folgten Musiker aus Israel, die in Berlin leben: Daniel und Alex Gurfinkel. Mit Yuri Povolotskys Jewish Soul Fantasy brachte das Klarinetten-Duo jiddische Melancholie und jiddisches Temperament in den Mozartsaal. Das Publikum zeigte sich begeistert. Mit der Serenade für Streicher in C-Dur op.48 von Peter Tschaikowsky endete das Konzert. Sowohl die Jüdischen Kulturwochen als auch die Konzerte des Kammerorchesters sind in Stuttgart äußerst beliebt.

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