Feiertage

Und das nicht nur zu Chanukka

Für Familien mit kleinen Kindern: MischpaBox Foto: Marco Limberg

Der Countdown läuft: Am Sonntag ist der erste Abend von Chanukka. Wer noch keine Kerzen oder Dreidel hat und in einer Kleinstadt wohnt, in der es kein jüdisches Geschäft gibt, könnte ein Problem bekommen. Doch neben den bekannten Online-Shops mit jüdischen Produkten gibt es jetzt etwas Neues: Ein kleines Start-up in Frankfurt am Main verschickt auf Bestellung »Chanukka-Boxen« – sogar »last minute«.

Die Rede ist von »MitzveNow«. Das Unternehmen, das in Kooperation mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) agiert, hat hohe Ansprüche: Gründer Moshe Kaplan, Autor eines Buches über Talmud und Wirtschafts­ethik, will »mit hochwertigen koscheren, zeitgemäßen ökologischen und handwerklich außergewöhnlichen Produkten Mizwot erlebbar« machen.

BESTELLUNG Noch bis Schabbatbeginn ist es möglich, online eine »Chanukka-Box« zu ordern. Und falls die Bestellung nicht mehr rechtzeitig zu Beginn des Festes eintreffen sollte, gibt es ja noch sieben weitere Chanukka-Abende, an denen Kerzen und Dreidel zum Einsatz kommen können.

Eine Box enthält ein Set von 44 bunten Chanukkakerzen aus Israel, mit deren Erlös Outdoor-Spielautos als Chanukka-Geschenk für die Kinder der WIZO-Kindertagesstätte Neve Yaakov in Jerusalem gekauft werden. Außerdem gibt es einen Schlüsselanhänger, einen ausführlichen Chanukka-Guide (unter anderem mit den Texten von Segenssprüchen und Chanukkaliedern), ein Rezept für Latkes und sogar zweimal Chanukkagelt – Münzen aus Bio-Schokolade und 50 echte einzelne Cents für Kinder zum Dreidelspielen.

»MitzveNow« wurde vor drei Monaten gegründet und bietet bisher zu moderaten Preisen »Schabbat-Starter-Sets«, koscheren Wein, Schabbatkerzen aus Bienenwachs und sogar koschere Bio-Challa an (koscher-parve unter Aufsicht des Frankfurter Gemeinderabbiners Avichai Apel). Sie ist tiefgefroren und kann im Ofen wieder aufgebacken werden. Viele Produkte stammen aus Werkstätten für behinderte Menschen. Einen Mindestbestellwert gibt es nicht; ab 49 Euro ist die Lieferung gratis.

AUSSENDUNG Völlig kostenlos dagegen ist ein Angebot, das der Zentralrat der Juden seit diesem Jahr werdenden Eltern und jungen Familien mit Kindern zwischen null und drei Jahren macht. Mit der Anmeldung bei »Mischpacha« erhalten die Familien bis zum dritten Geburtstag des Kindes über das Jahr verteilt sogenannte MischpaBoxen zu den jüdischen Feiertagen mit altersgerechten Spielsachen, Bastel- und Spielideen, Gebeten, Liedern, Backrezepten und Geschichten. An diesem Chanukkafest ist die erste Aussendung: Drei verschiedene Boxen für Kinder in verschiedenen Altersgruppen (0 bis 15 Monate, 16 bis 24 Monate und 25 bis 36 Monate) stehen zur Verfügung.

Ein Blick in die Boxen zeigt, wie viel Mühe aufgewendet wurde, um Babys und Kleinkinder sowie ihre Eltern gezielt anzusprechen: Bastelzubehör, Kreisel, Chanukkalieder und Rezepte für Latkes und Sufganiot sind kombiniert mit Briefen, in denen die verschiedenen Chanukkabräuche ausführlich erläutert werden.

Das Programn »Mischpacha« wird von der Genesis Philanthropy Group und dem JDC (American Jewish Joint Distribution Committee) gesponsert. Die Mitgliedschaft eines Elternteils in einer jüdischen Gemeinde ist Voraussetzung für die Teilnahme, die aber zwölf Monate lang auch möglich ist, ohne Gemeindemitglied zu sein.

Wer also nicht nur zur Chanukkazeit, sondern das ganze Jahr über Informationen über jüdische Feiertage erhalten möchte, sollte dieses Angebot nicht versäumen – mehrere 100 teilnehmende Familien gibt es bereits. Die nächste »MischpaBox« wird zu Pessach 2019 verschickt.

Mehr Informationen finden Sie online unter www.mitzvenow.de/zwst und unter www.mischpacha.de

Israel

In Deboras Fußstapfen

Seit 2018 versuchen Frauen, an den Halacha-Prüfungen des Oberrabbinats teilzunehmen. Nun ist es ihnen gelungen

von Sophie Goldblum  08.05.2026

Talmudisches

Die Zahl 80

Was unsere Weisen über die wahre Stärke im Alter lehren

von Avi Frenkel  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026

Medien

Worte wiegen schwer

Was dürfen Journalisten? Auch Pressekodex und Gesetz kennen Grenzfälle. In der jüdischen Ethik wirft der Chafetz Chaim einen interessanten Blick auf die Frage, was an die Öffentlichkeit gehört

von Mascha Malburg  07.05.2026

Behar–Bechukotaj

Vom Joch befreit

Wie der Ewige seinem Volk die Last der Unterdrückung nimmt

von Rabbiner Avraham Radbil  07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Interview

Josef Schuster: »Juden und Muslime sind keine Erzfeinde«

Bald startet der Katholikentag in Würzburg. Mit dabei: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Welche Tipps er für Gäste hat - und wie er auf Juden, Christen und Muslime in aufgeheizten Zeiten blickt

von Leticia Witte  06.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert