Wieso Weshalb Warum

Tosefet Schabbat

Der Zusatz zum Schabbat kann 18 oder 40 Minuten dauern. Foto: Flash 90

Wann beginnt der Schabbat? Eine einfache Antwort liegt nahe: mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend. Eine vorsichtigere Alternative wäre: mit dem Anzünden der Kerzen. Wenn der Schabbat aber mit Sonnenuntergang beginnt, warum zünden wir die Kerzen in den meisten Gemeinden dann 18 Minuten vor Sonnenuntergang? Die Antwort darauf könnte etwa lauten, dass der Schabbat überhaupt nicht mit dem Sonnenuntergang beginnt, sondern eine gewisse Zeit davor.

Man wartet nicht, bis der Schabbat Einzug hält, sondern man beginnt den Schabbat, indem man die Kerzen zündet, eine Bracha oder ein Gebet spricht (Talmud Schabbat 23a), durch eine mündliche Erklärung oder einfach durch Unterlassen der 39 verbotenen Arbeiten. In den meisten Fällen ist es natürlich das Zünden der Kerzen, das auch das Sprechen einer Bracha beinhaltet. Anschließend hat der Schabbat dann tatsächlich begonnen. Man wartet also nicht ab, bis die Sonne untergeht und der Schabbat den Menschen einholt.

18 Minuten Die gewisse Zeitspanne vor dem Schabbat ist eine Hinzufügung und wird deshalb als »Tosefet Schabbat« bezeichnet (deutsch: Zusatz zum Schabbat). Sie kann 18 Minuten vor Sonnenuntergang beginnen, wie es in vielen deutschen Gemeinden üblich ist, aber auch 21 Minuten wie in Tel Aviv, oder gar 40 Minuten wie in Jerusalem.

Der »Zusatz zum Schabbat« wird als Mizwa betrachtet. Josef Karo (1488–1575) schreibt im Schulchan Aruch (Orach Chajim 261), dass man etwas von der Woche dem Schabbat hinzufügen soll. Der Talmud (Joma 81b) berichtet davon, auch einem Fastentag etwas Zeit hinzuzufügen.

Rabbiner Chajm ben Mosche ibn Attar (1696–1743) aus Marokko, nach seinem gleichnamigen Torakommentar auch Or haChajim genannt, kommentiert zum 2. Buch Moses (31,16), wo es heißt, dass die Kinder Jisraels den Schabbat »machen sollen« (la’asot et schabbat), dass sich dies auf die Mizwa des »Tosefet Schabbat« beziehe.

1.000 Meter Die Frage, wie viel Zeit man hinzufügen sollte, beantwortet Josef Karo indirekt: Man sollte die Zeit hinzufügen, die man brauche, um ein Mil zu gehen. Ein Mil scheint eine Strecke von etwa 1.000 Metern gewesen zu sein. Festgelegt wurde von einigen Autoritäten, dass dies wohl 18 Minuten seien.

Eine alternative Erklärung für die Herkunft dieses zusätzlichen Zeitraums kann auch in der ursprünglichen Bekanntmachung des Schabbats liegen: Im Talmud (Schabbat 35b) wird erklärt, dass der Schabbat durch sechs Schofartöne angekündigt wurde und es zwischen einer Folge von Tönen einen Zeitraum gab, der so lange war, »wie es dauerte, einen kleinen Fisch zu rösten«. Es ist durchaus denkbar, dass dieser Zeitraum weiter beachtet wurde, jedoch eine andere Deutung erfahren hat.

Das Interessante ist jedoch die Absicht dahinter, den Schabbat nicht passiv zu erwarten und kommen zu lassen, sondern ihn selbst aktiv zu beginnen. Man würde ja besondere Gäste auch nicht am Tisch erwarten, sondern ihnen ein Stück entgegengehen.

Selbstfürsorge

Von der Mizwa, ein Bad zu nehmen

Schon Hillel wusste, dass man sich zuerst um sich kümmern soll. Auch im Fußball ist das heute angekommen

von Rabbiner David Kraus  14.06.2024

Talmudisches

Würmer

Was unsere Weisen über die wirbellosen Tiere lehrten

von Chajm Guski  14.06.2024

Fußball

Koscher jubeln

Der Talmud verbietet den Besuch eines Stadions. Aber gilt dies auch heute für die EM-Arenen?

von Rabbiner Dovid Gernetz  14.06.2024

Nasso

Im Dienst der anderen

Die Tora beschreibt ausführlich, wie eine gute Führungspersönlichkeit handeln sollte

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  14.06.2024

Schawuot

Von der Freiheit, wir selbst zu sein

Das jüdische Volk rettete sich aus Ägypten. Doch seine Unabhängigkeit erlangte es erst am Sinai

von Rabbiner Akiva Adlerstein  11.06.2024

Schawuot

»Unterschätzter Feiertag«

Sarah Serebrinski über das Wochenfest, die Tora und wie sie heute weitergegeben wird

von Mascha Malburg  11.06.2024

Talmudisches

Die vergessene Bracha

Wie König Janai und seine Frau ein Festmahl ohne Segensspruch beendeten

von Rabbiner Avraham Radbil  07.06.2024

Bamidbar

Ihre Zahl wird sein wie Sand

Warum die Kinder Israels in der Wüste erfasst werden – und das gleich zweimal

von Shlomo Rottman  06.06.2024

München/Berlin

Rabbinerkonferenz zeichnet Beauftragten gegen Judenhass aus

Felix Klein bekommt den Moshe-Rosen-Preis

 06.06.2024