Neulich beim Kiddusch

Knock‐out in den Ferien

Selbstgewiss und siegessicher: Boxweltmeister Wladimir Klitschko Foto: imago sport

Wann beginnen die Urlaubsvorbereitungen? Mit der Buchung der Reise, beim Kofferpacken oder wenn man, erschöpft von den Vorbereitungen, endlich in Auto, Bahn oder Flugzeug sitzt? Tatsächlich gilt auch hier die alte Fußballregel »Vor dem Spiel ist nach dem Spiel«. Das heißt, die Vorbereitungen sind auch dann nicht zu Ende, wenn der Urlaub vorbei ist und man zu Hause wieder in die Stammsynagoge geht. Denn nun werden die Weichen für den nächsten Urlaub gestellt.

Die harmlose Frage beim Kiddusch, wie der Urlaub gewesen sei, zielt nicht darauf ab, Sorge um das Wohl des Befragten auszuräumen. Sie zielt darauf ab, zu erfragen, wo man war, was man sich dort leisten konnte, ob man vielleicht nicht doch einen besseren Urlaub hatte als der Fragesteller.

Blumig Man kann dem Aushorcher eine Floskel hinwerfen wie: »Ach ja, der Urlaub ist doch immer zu kurz« oder »Das Wetter spielt leider überall verrückt«. Ganz falsch ist es, den Urlaub in blumigen Farben zu schildern.

Als ich noch etwas jünger und naiver war, habe ich das so gemacht. Das ist vor allem eines: unglaubwürdig. Niemand nimmt mir ab, dass ich jeden Tag mehrere Stunden Jetboot gefahren bin oder das Hotel einen Privatstrand hatte. »Das können die sich doch gar nicht leisten« oder »Der hat seine Bräune doch aus dem Stadtpark«, wird da hinter dem Rücken getuschelt. Niemand, der die Kunst der gepflegten Kiddusch‐Tisch‐Konversation mit der Muttermilch aufgesogen hat, gibt sich mit einer Floskel zufrieden, die so schäbig ist wie die Sonnenliegen am seeigelgepflasterten Privatstrand.

Missverstanden Wenn einem die investigativen Fragen um die Ohren fliegen wie die Fäuste der Klitschko‐Brüder bei einem Boxkampf, dann wird man schon einmal weich und verrät kleine Details. Einige davon können dazu dienlich sein, den Aufenthaltsort zu knacken. Das ist schlecht, denn das könnte Rückschlüsse auf das ausgegebene Geld zuzulassen, oder noch schlimmer, als Tipp missverstanden werden, und im Folgejahr fährt der Fragende auch dorthin und beruft sich auf mich, wenn es nicht schön genug war. Die absolute Katastrophe aber ist es, wenn man dann mit dem Gesprächspartner zur gleichen Zeit am gleichen Ort ist. Aber so kam es.

Bevor ich noch zu meiner Frau sagen konnte: »Schau mal, der Mann sieht aus wie Herr Banay«, entschied sie sich dafür, dass Angriff die beste Verteidigung ist. »Bist du das etwa, Baruch? Muss man erst drei Stunden fliegen, um euch mal zu Gesicht zu bekommen?«

wirkungstreffer Aber wir hatten die Rechnung ohne Banay gemacht. Er kennt sich im Ring aus. Er ist wie Wladimir Klitschko, selbstgewiss und siegessicher. Wir hatten nicht damit gerechnet, gleich in der ersten Runde einen Wirkungstreffer verpasst zu bekommen. Er sagte: »Ach, ihr seid es tatsächlich! Alisa meinte: Schau, das sind sie doch. Sie haben uns doch diesen Platz empfohlen. Und ich sagte, es könne unmöglich sein, dass die Guskis zweimal an denselben Ort fahren.«

Doch das war nur die Vorarbeit. »Und sie sagte, wahrscheinlich hätte ich recht. Sie würde uns bereits eine ganze Weile beobachten. Aber wir hätten meine Schwiegermutter gar nicht dabei. Das könne doch gar nicht sein, dass wir sie zur besten Jahreszeit zu Hause lassen. Ihr seid doch sonst so fürsorgliche Kinder.« Knock‐out in weniger als 20 Sekunden.

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