Talmudisches

Jüdische Longevity

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Talmudisches

Jüdische Longevity

Was unsere Weisen über gutes Altern lehrten

von Detlef David Kauschke  15.05.2026 11:45 Uhr

Longevity ist der neue Trend. Länger leben, gesund bleiben. Wer will das nicht? Ratgeber bieten dazu etwa Food-Formeln und Fit-Aging-Strategien an. Es geht um den Wunsch, länger als der Durchschnitt zu leben. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern etwa 78 Jahre, bei Frauen 83 Jahre. Und sie steigt.

Auch in talmudischen Zeiten hat das Thema viele Menschen beschäftigt. Eine häufig gestellte Frage der Schüler von Rabbi Sakkai (Megilla 27b) lautete beispielsweise: »Durch welche verdienstvolle Handlung hast du ein langes Leben erlangt?«

Es ist unmöglich zu erklären, warum guten Menschen Schlechtes widerfährt und umgekehrt

Die Weisen wussten, dass es keine einheitliche Formel gibt. Zudem sei es unmöglich zu erklären, warum guten Menschen Schlechtes widerfährt und umgekehrt. »Es liegt nicht in unserer Macht, das Wohlergehen der Gottlosen oder das Leid der Gerechten zu erklären«, heißt es in den Sprüchen der Väter (Pirkej Avot 4, 15).

Und auch wenn klar schien, dass Belohnungen für die Einhaltung der Gebote und ein gutes Leben nicht unbedingt in dieser Welt liegen, glaubten die Weisen dennoch, dass jemand, der ein langes Leben führt, über außergewöhnliche Verdienste verfügt.

In Berachot (8a) ist zu lesen, dass Rabbi Jehoschua ben Levi zu seinen Kindern sagte: »Kommt früh und bleibt lange, wenn ihr in die Synagoge geht, damit euer Leben verlängert werde.« An anderer Stelle ist in diesem Traktat (Berachot 54b–55a) vermerkt: »Es gibt drei Dinge, die, wenn man sie ausdehnt, dazu führen, dass sich die Tage und Jahre eines Menschen verlängern. Diese sind: das Gebet ausdehnen, die Mahlzeiten ausdehnen und die Zeit im Latrinenraum ausdehnen.«

In Berachot 13b wird gelehrt, dass Sumachos, ein Schüler von Rabbi Meir, sagte: Wer beim Rezitieren des Schma-Gebetes das Wort »Echad« betont, werde damit belohnt, dass »seine Tage und Jahre verlängert werden«.

In Pessachim (104b) wird im Namen von Rabbi Jehoschua ben Chananja geschrieben: Wer den Hawdala-Segen mit der folgenden Formel abschließt: »Der Israel heiligt und zwischen Heiligem und Profanem unterscheidet«, dem wird Gott seine Tage und Jahre verlängern.

Sich niemals Ehrerbietung auf Kosten der Erniedrigung seines Nächsten verschaffen

Praktische Alltagstipps gibt in Megilla (28a) Rabbi Nehunja ben HaKana. Auf die Frage, warum er wohl mit langem Leben gesegnet wurde, antwortete er, in all seinen Tagen habe er sich niemals Ehrerbietung auf Kosten der Erniedrigung seines Nächsten verschafft. Auch sei er niemals mit dem Fluch seines Nächsten zu Bett gegangen. Wenn er jemals jemanden gekränkt habe, habe er dafür gesorgt, ihn noch am selben Tag zu besänftigen. »Und ich war immer großzügig mit meinem Geld«, so Rabbi Nehunja ben HaKana.

»Es ist nicht allzu schwer, einen gemeinsamen Nenner für all diese strahlenden Eigenschaften zu finden. Sie alle zeugen ganz offensichtlich von friedlicher Toleranz und einem sanften Wesen«, schreibt Rabbi Moshe Meir Weiss in einem Beitrag für die amerikanische Wochenzeitung »Jewish Press«.

Hershey H. Friedman, Professor am Brooklyn College in New York, hat in seinem Aufsatz »The Talmudic Formula for a Long Life« die talmudischen Empfehlungen für ein langes Leben zusammengefasst: Erstens werden Wohltätigkeit und Großzügigkeit betont. Zweitens spielen Mitgefühl, Respekt und Demut eine entscheidende Rolle im Umgang mit anderen Menschen. Arroganz, Respektlosigkeit, Undankbarkeit und ein ausschweifender Lebensstil werden dagegen als schädlich für die Lebensdauer beschrieben. Drittens wird aufrichtiges und korrekt ausgeführtes Gebet als wichtiger Faktor hervorgehoben, einschließlich ritueller Reinheit und ehrfürchtigen Verhaltens in der Synagoge.

Viertens gilt die Liebe zur Tora und ihr intensives, selbstloses Studium als Grundlage eines langen und rechtschaffenen Lebens. Und fünftens geht es um verschiedene praktische Verhaltensweisen wie harte Arbeit, gesundheitliche Gewohnheiten und religiöse Rituale. Dies entspreche modernen Studien, die belegen, dass Großzügigkeit und soziale Werte Gesundheit und Lebenserwartung positiv beeinflussen, so Friedman abschließend.

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