Israel

In Deboras Fußstapfen

Der Verein »ITIM« begleitete die Frauen. Foto: ITIM

Es sollte ein historischer Tag in Israel werden: Ende April haben zum ersten Mal drei Frauen an den offiziellen Halacha-Zertifizierungsprüfungen des Oberrabbinats in Israel teilgenommen. Doch obwohl der Oberste Gerichtshof dies ausdrücklich erlaubt hatte, wäre es beinahe nicht dazu gekommen.

Aber von Anfang an: Worum geht es bei diesen Zertifizierungsprüfungen des Rabbinats? Sie testen das rechtliche Wissen der Kandidaten in verschiedenen Bereichen der Halacha und überprüfen sowohl ihre Beherrschung der klassischen Quellen als auch ihre Fähigkeit, konkrete Fragen zu beantworten, denen religiös praktizierende Juden im Alltag begegnen können.

Ziel des Zertifizierungssystems ist es, dem Staat qualifizierte religiöse Autoritäten bereitzustellen: Wer besteht, kann als Ortsrabbiner in israelischen Gemeinden eingesetzt werden. Für diejenigen, die als Lehrkräfte und nicht als Rabbiner tätig sind, bringt ein solches Zertifikat ein höheres Gehalt mit sich, da es einem akademischen Abschluss gleichgestellt wird. Und darüber hinaus verleiht das Bestehen der Prüfungen eine gemeinschaftliche Legitimität, die ein hohes Maß an halachischem Wissen signalisiert.

Aus all diesen Gründen bemühen sich Frauen seit Langem um Zugang zu diesen Prüfungen. Im Februar 2018 meldeten sich sechs Frauen – allesamt etablierte religiöse Führungspersönlichkeiten und Gelehrte – zu einer Prüfung des Oberrabbinats an. Doch ihre Anmeldungen wurden umgehend annulliert, und ihnen wurde die Teilnahme verweigert.

Die Begründung des Rabbinats war zirkulär: Da Frauen seiner Auffassung nach keine Rabbiner werden können, haben sie auch nichts bei einer rabbinischen Prüfung zu suchen. Die Frauen und ihre Unterstützer wiesen jedoch darauf hin, dass diese Logik nicht trage, da die Prüfungen weit mehr Zwecke erfüllen als die Ordination: berufliche Anerkennung, Gehaltsvorteile und gesellschaftliches Ansehen. Indem Frauen von den Prüfungen ausgeschlossen werden, entziehe ihnen das Rabbinat konkrete finanzielle und soziale Vorteile.

Im Juli 2025 entschied der Oberste Gerichtshof einstimmig, dass Frauen nicht von den Prüfungen ausgeschlossen werden dürfen.

Jene sechs Frauen zogen damals vor Gericht und machten ihr Anliegen in Israel und in der Diaspora weithin bekannt. Es folgte ein Parcours durch das Rechtssystem, der in einer wegweisenden Entscheidung gipfelte. Im Juli 2025 entschied der Oberste Gerichtshof einstimmig, dass Frauen nicht von den Prüfungen ausgeschlossen werden dürfen. Das Gericht stellte fest, dass die Prüfungen, da sie greifbare zivile und berufliche Konsequenzen haben, als staatlich gestützte Zertifikate gelten und daher die Zulassung nicht aufgrund des Geschlechts beschränkt werden darf.

Nach dem Urteil vermied das Oberrabbinat monatelang, Prüfungstermine anzusetzen, beantragte eine Neuverhandlung und versuchte, die Teilnahme von Frauen auf bestimmte Fachgebiete zu beschränken – all dies wurde von den Gerichten zurückgewiesen. Als im Februar 2026 die Anmeldung für die Frühjahrsrunde eröffnet wurde, meldeten sich sechs Frauen an.

Am 27. April erschienen schließlich drei Frauen zur Prüfung – und wurden zunächst stundenlang aufgehalten. Die Tests sollten um 10.30 Uhr starten. Um 11.50 Uhr hatten die Männer bereits begonnen, die Frauen jedoch nicht. Das Rabbinat sprach von »technischen Problemen«. Rabbi Seth Farber, Gründer der NGO »ITIM«, welche die Frauen in ihrem Anliegen begleitet, rief daraufhin den Prüfungsleiter des Rabbinats an. Wie Farber später den Medien mitteilte, wurde ihm am Telefon gesagt, dass der Generaldirektor des Rabbinats direkte Anweisungen der Oberrabbiner erhalten habe, die Prüfungen den Frauen nicht zu ermöglichen.

Die Gruppe reichte daraufhin einen Eilantrag beim Obersten Gerichtshof ein, der eine einstweilige Verfügung erließ und das Rabbinat verpflichtete, die Prüfung durchzuführen. Nach einer mehrstündigen Verzögerung konnten die drei Frauen schließlich die Prüfung ablegen und beendeten sie erst nach 20 Uhr –wohingegen ihre männlichen Mitbewerber bereits gegen 14 Uhr fertig gewesen waren. Eine der Kandidatinnen, Yaara Vidman Samuel, sagte im Anschluss einer israelischen Zeitung: »Geschichte zu schreiben ist offenbar nicht so einfach.«

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