Neulich beim Kiddusch

Jenseits der Bettenburgen

Wie es war, wollte meine Frau wissen, als ich aus der Synagoge nach Hause kam. »Dieser eingebildete Grynman!«, schimpfte ich. Dabei war alles akribisch vorbereitet. Ich hatte die Fotos so im Siddur platziert, dass sie beim Tischgebet herausfallen mussten. Darauf waren meine Frau und unsere beiden Kinder vor einem malerischen Hintergrund zu sehen: weißer Sand an einem menschenleeren Strand.

Die Bildkomposition war kein Zufall, sondern das Ergebnis härtester Arbeit! Gleich am Tag nach unserer Ankunft besorgte ich einen Mietwagen, und wir fuhren die Küste hinunter. Denn dort, wo wir wohnten, war der Strand dicht gesäumt von grauen Hotelbauten und zugepflastert mit Sonnenschirmen. Deren Nutzung kostete mehr als der Billigflug aus dem Internet.

Magen-Darm-Virus Der Tipp, die Fotos gleich am zweiten Tag zu machen, kam von Freunden aus Brooklyn. Die fliegen immer nach Mexiko und machen alle relevanten Fotos in den ersten drei Tagen. Den Rest der Zeit kämpfen sie dann immer mit einem Magen-Darm-Virus.

Diesen »Freunden« hatte ich den ganzen Aufwand zu verdanken. Als meine Frau deren Strandfotos sah, sagte sie, bisher hätten ihr unsere Reisen immer gefallen, aber jetzt habe sie gesehen, dass ein Urlaub viel malerischer sein kann. Damit war die Zeit der Zufriedenheit in unserer Familie ein für alle Mal vorbei. Hätte sie nicht auch einen solchen Urlaub verdient, fragte meine Frau vorwurfsvoll. Wofür würden wir uns das ganze Jahr über abmühen?

Auch die Bilder des neuen Hauses in Brooklyn seien fantastisch. Dabei hätte ich immer behauptet, Brooklyn sei wie das Ruhrgebiet, nur mit mehr Synagogen. Den Fotos nach zu urteilen, sei es da aber viel, viel schöner! Es habe oberste Priorität, dass die Familie in einem guten Umfeld lebe. Wenigstens das könne man ja wohl von mir verlangen. Ich sollte schleunigst etwas ändern.

Ich rief also in Brooklyn an und fragte die Freunde, wie sie das hinbekommen. Am Telefon klärte sich das rasch auf, und so war ich im Bilde, wie die Familien-PR funktionierte. Der Anruf in Brooklyn waren gut investierte 15 Cent.

Totenkopf Wir fuhren also im Urlaub drei Stunden, bis die Hotelzone langsam dünner wurde und wir in eine Gegend kamen, die man als unberührt bezeichnen konnte. Na ja, vielleicht waren es auch fünf Stunden. Jedenfalls fanden wir ein fotogenes Plätzchen.

Ins Wasser konnten wir nicht – dafür wäre auch gar keine Zeit gewesen –, aber meine Frau hat das Schild mit dem Totenkopf geschickt mit ihrem Kopf verdeckt, sodass es auf den Fotos nicht zu sehen ist. Wer die Bilder betrachtet, sieht, dass wir wieder einen Traumurlaub hatten. Wunderschön! Spät in der Nacht, als die anderen Gäste längst schliefen, kamen wir ins Hotel zurück.

Und Grynman? Wie zufällig fielen während des Kidduschs meine Fotos auf den Tisch. »Ach schau, unsere Urlaubsbilder«, sagte ich beiläufig und schob sie ihm lässig hin. Er warf einen flüchtigen Blick darauf und grinste. »Wie viele Stunden musstet ihr vom Hotel bis dorthin gefahren?«, fragte er und kniff ein Auge zu. »Ich kenne den Trick«, sagte er, »von meiner Schwester aus Brooklyn.«

Berlin

Aufruf zur Aufklärung

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland nimmt Stellung zu den Vorwürfen am Abraham-Geiger-Kolleg

 24.05.2022

Konferenz der Europäischen Rabbiner

Rabbiner wollen sich Ethik-Kodex geben

Zur 32. Generalversammlung werden vom 30. Mai bis 1. Juni mehr als 200 Rabbiner aus Europa, Israel und USA erwartet

 24.05.2022

Behar

Alle 7 und alle 49 Jahre

Was die Tora über das Schmitta- und über das Joweljahr lehrt

von Rabbiner Joel Berger  20.05.2022

Talmudisches

Bärenstark

In den jüdischen Schriften steht der Bär vor allem für eines: ungebändigte Natur

von Chajm Guski  20.05.2022

Interview

»Religiosität stößt auf immer weniger Verständnis«

Rabbiner Julian-Chaim Soussan über Feiertage, Konflikte zwischen Geboten und Alltag sowie gesetzliche Regelungen

von Eugen El  20.05.2022

Bamberg

Antijüdische Statue im Dom bleibt

Die Figur der Synagoga soll mit Informationsmaterial in ihren historischen und kulturellen Kontext eingeordnet werden

von Leticia Witte  20.05.2022

Tagung

Zwischen Glauben und Grundgesetz

Die Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden diskutierte mit Experten über das Verhältnis von Staat und Religion

von Ayala Goldmann  19.05.2022

München

400 orthodoxe Rabbis erwartet

Ab dem 30. Mai tagt die 32. Generalversammlung der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER)

 18.05.2022

Lag BaOmer

Trauer und Freude

Am 33. Tag zwischen Pessach und Schawuot wird traditionell gefeiert – im vergangenen Jahr wurde das Fest am Berg Meron von einer schrecklichen Tragödie überschattet

von Rabbiner Raphael Evers  18.05.2022