Soziale Medien

»Ich will so viele Menschen wie möglich erreichen«

Freut sich über Beteiligung: Rabbiner Radbil Foto: Rabbiner Avraham Radbil

Herr Rabbiner Radbil, Sie haben seit einiger Zeit einen eigenen YouTube-Kanal zu religiösen Themen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Ich habe einfach nach einem Weg gesucht, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Es gibt bereits einige Tora-Videos, aber ich habe von vielen Jugendlichen gehört, dass sie nicht die Ausdauer haben, sich so lange zu konzentrieren. Und ich habe nach einem neuen Ansatz gesucht, wie man Menschen für die Religion begeistern kann.

In den Videos werden Gleichnisse aus der jüdischen Tradition wiedergegeben. Sie erzählen auch eine Geschichte über eine verstellte Uhr und vergleichen sie mit der Tora, an der nicht jeder drehen sollte. Ist das für Sie eine wichtige Botschaft?
Ich denke, man kann alles selbst interpretieren, und jeder versteht die Tora anders. Aber wenn jeder versucht, sie zu verändern, was bleibt dann am Ende von ihr übrig?

Ist es nicht viel Arbeit, diese Videos selbst zu machen?
Ja, aber eine Firma zu beauftragen, ist sehr teuer. Ich habe auch gesehen, dass Lord Jonathan Sacks, der ehemalige Oberrabbiner von England, einige Videos gemacht hat – natürlich wesentlich professioneller, aber es war für mich auf jeden Fall ein Ansporn. Und ich fragte mich: Warum mache ich so etwas nicht auf meine einfachere Art und Weise?

Wann haben Sie damit angefangen?
Vor etwa fünf Monaten.

Was ist das Problem an herkömmlichen Tora-Videos? Warum kommen sie Ihrer Meinung nach bei Jugendlichen nicht gut an?
Die meisten sind zu lang, sind nicht auf Deutsch, und normalerweise steht jemand vor der Kamera und erzählt etwas. Das finden viele nicht besonders spannend.

Gehören auch Erwachsene zu Ihrer Zielgruppe?
Am Anfang war es für Jugendliche gedacht, aber ich habe auch von vielen Erwachsenen gehört, dass sie sich die Videos gerne anschauen. Am meisten habe ich mich über eine Familie gefreut, die mir erzählt hat, dass sie sich abends vor dem großen Fernseher hinsetzt, sich ein Video ansieht und dann gemeinsam darüber diskutiert. Es gibt inzwischen auch einige der Videos in englischer Übersetzung. Und falls jemand Ideen für weitere Videos hat oder sich an einer Übersetzung in eine andere Sprache beteiligen möchte, kann er oder sie sich gerne bei mir melden. Ich freue mich auch, wenn die Videos kommentiert und geteilt werden.

Welche Technik verwenden Sie?
Ich habe ein Programm. Man sieht eine Hand, die das Ganze aufschreibt. Die Bilder sind vorgegeben, ich stelle sie nur zusammen.

Wie lange brauchen Sie für ein Video?
Wenn ich die Idee habe, braucht es für die Technik etwa zwei bis drei Stunden.

Zum Schluss sieht man immer einen Mann, der Ihnen ähnlich ist ...
Ja, das bin ich.

Was ist Ihr bisher erfolgreichstes Video?
Die meisten Aufrufe hatte bislang das Pessach-Video, bei dem es um den Sederabend geht.

Haben Sie auch andere auf die Idee gebracht, solche Videos zu drehen?
Es gibt einige Rabbiner, die mich gefragt haben, wie ich das mache, und ob man Talmuddiskussionen damit erklären könnte. Das ist aber schwieriger, als einfach nur eine Geschichte zusammenzubasteln. Wenn jemand meine Idee übernimmt, hätte ich nichts dagegen!

Mit dem Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) sprach Ayala Goldmann.

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