Potsdam

Die Rabbinerausbildung stärken

Rabbiner Netanel Olhoeft, Oliver Günther, Josef Schuster, Dmitrij Belkin, Andreas Brämer und Anastassia Pletoukhina Foto: Gregor Matthias Zielke

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg (HfJS) und die in Potsdam ansässige Nathan Peter Levinson Stiftung für die Ausbildung von Rabbinern und Kantoren wollen künftig enger kooperieren. Eine entsprechende Absichtserklärung ist Mitte Februar im Senatssaal der Universität Potsdam unterzeichnet worden. Neben dem Rektor der HfJS, Andreas Brämer, und dem Stiftungsvorstand Dmitrij Belkin unterschrieb auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, das Dokument. Der Zentralrat ist Träger der Hochschule und zugleich Stifter der 2024 gegründeten Levinson Stiftung.

Mit der Kooperation soll ein stärker vernetztes jüdisches Bildungs- und Forschungsumfeld in Deutschland entstehen. Geplant ist, Studienangebote für angehende Rabbiner, Kantoren sowie Studierende der Fachrichtungen Theologie und Pädagogik auszubauen und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen zu vertiefen. Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken.

Gebündelte Kräfte

Josef Schuster sprach von einem Signal mit strategischer Bedeutung für die jüdische Bildungslandschaft. »Ein Anker jüdischer Bildung muss die Fähigkeit und der Wille zur Vernetzung sein. Die heute vereinbarte Kooperation von Hochschule für jüdische Studien und Levinson Stiftung ist ein sehr bedeutsamer Schritt. Durch gebündelte Kräfte statt Parallelstrukturen und durch Austausch auf Augenhöhe entsteht ein Vorbild der Zusammenarbeit zur Stärkung der jüdischen Gemeinschaft.«

»Eine akademische und religiöse Brücke zwischen Potsdam und Heidelberg« entsteht, sagte Dmitrij Belkin.

Auch Andreas Brämer betonte den langfristigen Charakter der Vereinbarung. »Diese Absichtserklärung ist ein Versprechen an die Zukunft: Wir vollziehen den Schulterschluss zwischen akademischer Forschung und theologisch ausgerichteter Rabbinerausbildung, geeint durch den Auftrag, das jüdische Leben in Deutschland von innen heraus zu stärken.«

Dmitrij Belkin verwies auf die symbolische Bedeutung der Kooperation zwischen den Standorten Potsdam und Heidelberg: »Diese Kooperation schlägt eine akademische und religiöse Brücke zwischen Potsdam und Heidelberg – keine Brücke, die selbstverständlich ist. Das stärkt den jeweiligen Standort und die jüdische Gemeinschaft. Und das zählt.«

Die Unterzeichnung fand im Rahmen einer Veranstaltung an der Universität Potsdam statt, wo die Levinson Stiftung mit ihren Ausbildungsseminaren als An-Institut angebunden ist. Universitätspräsident Oliver Günther begrüßte die Initiative als wichtigen Impuls für die jüdische Bildung in Deutschland. Zum Abschluss sprach Rabbiner Netanel Olhoeft über Anforderungen und Herausforderungen an das Rabbinat in Deutschland. Anschließend diskutierten Brämer, Belkin und Schuster, moderiert von Anastassia Pletoukhina, über Perspektiven und konkrete Schritte der künftigen Zusammenarbeit.

Führung durch die Container

Anschließend zeigte Dmitrij Belkin interessierten Gästen bei einer kleinen Führung die Räumlichkeiten der Nathan Peter Levinson Stiftung auf dem Gelände der Universität Potsdam. »Wir sind hier in diesen Containern untergebracht, wo auch unsere Gottesdienste und Lehrveranstaltungen stattfinden. Die Synagoge auf dem Campus und das feine restaurierte Gebäude des Abraham Geiger Kollegs dürfen wir, und vor allem unsere Studierenden, nicht nutzen«, erläuterte Belkin.

Das Abraham Geiger Kolleg, das der Zentralrat der Juden in der Vergangenheit unterstützt hatte, war 2023 in die Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde zu Berlin übergegangen. Die Förderung der Rabbinerausbildung in der vorliegenden Trägerstruktur sei für den Zentralrat nicht möglich, hatte Schuster kurz darauf klar gestellt.

Die Nathan Peter Levinson Stiftung richtet in Potsdam eine eigene Bibliothek ein.

Nun richtet die 2024 gegründete Nathan Peter Levinson Stifung in den Containern in Potsdam laut Belkin eine eigene Bibliothek »vor allem aus rabbinischen Spenden aus dem Aus- und Inland ein, weil unsere Studierenden auch die Bibliothek des Abraham Geiger Kollegs nicht nutzen dürfen«.

Die Situation vor Ort müsse ein Provisorium bleiben: »Denn sie gefährdet auf Dauer den Standort Potsdam und die Zukunft der jüdischen religiösen Ausbildung in Deutschland. Ich bin nicht zweckoptimistisch – aber ich bin hoffnungsvoll, dass wir es mit gegenseitigem solidarischem Füreinander, hohem Niveau des Unterrichts und der Organisation sowie mit einer Prise Selbstironie gut hinbekommen werden.« ag

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