Talmudisches

Die messianische Zeit

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Talmudisches

Die messianische Zeit

Was unsere Weisen über die kommende Welt lehren

von Vyacheslav Dobrovych  11.09.2026 08:53 Uhr

Der Talmud (Sanhedrin 97ab) behandelt die Fragen, wie lange die Welt bestehen wird und wann die messianische Zeit und die Erneuerung der Schöpfung zu erwarten sind. Dazu gibt es verschiedene Meinungen.

Rav Ketina lehrt: Die Welt wird 6000 Jahre bestehen und anschließend 1000 Jahre lang in einem Zustand der Verwüstung beziehungsweise des Ruhens sein. Als Grundlage dafür wird ein Vers angeführt: »Und Gʼtt allein wird an jenem Tag erhaben sein« (Jeschajahu 2,11). Dieser »Tag« wird als ein Zeitraum von 1000 Jahren verstanden.

Abaje vertritt hingegen die Ansicht, dass dieser Zustand 2000 Jahre dauern wird. Er stützt sich auf den Vers: »Nach zwei Tagen wird Er uns wiederbeleben; am dritten Tag wird Er uns aufrichten, und wir werden vor Ihm leben« (Hoschea 6,2).

Eine Überlieferung unterstützt die Auffassung Rav Ketinas: So wie die Schmitta einmal in sieben Jahren die gewöhnliche Ordnung unterbricht, so durchläuft auch die Welt einen Zyklus von 7000 Jahren.

Das »Ende der Welt« ist lediglich ein Übergang von der Welt, wie wir sie kennen, zu einer Ewigkeit

Der Ben Isch Hai, Rabbi Yosef Chaim aus Bagdad, erklärt in seinem Kommentar zum Talmud, dass mit »Verwüstung« keine Zerstörung im Sinne einer Vernichtung gemeint ist. Vielmehr bezeichnet sie eine Zeit, in der die alte Welt »verwüstet« und durch eine neue Welt mit einer neuen, erhabeneren Natur ersetzt wird, die der spirituellen Entwicklung des Menschen zu diesem Zeitpunkt entspricht. Das »Ende der Welt« ist also lediglich ein Übergang von der Welt, wie wir sie kennen, zu einer Ewigkeit, die noch niemand außer Gʼtt gesehen hat.

Der Talmud sagt, dass der Maschiach bereits ab dem Jahr 4000 (239/240 n.d. Z.) hätte erscheinen können, dies aufgrund der Sünden des jüdischen Volkes jedoch noch nicht geschehen sei.

Der Talmud nennt daraufhin verschiedene Zeitpunkte, ab denen sein Kommen erwartet werden könne. Elijahu spricht von 85 Jowel-Zyklen, also vom Jahr 4250 seit der Schöpfung (ca. 489/490 n.d.Z.), ohne jedoch zu sagen, wann genau danach der Maschiach kommen werde. Rav Aschi versteht seine Aussage deshalb so, dass man den Maschiach bis dahin nicht erwarten solle, danach jedoch jederzeit.

Eine Überlieferung verbindet offenbar das Jahr 4291 (530/531 n.d.Z.) mit dem »Ende der Welt«

Eine weitere Überlieferung berichtet von einer geheimnisvollen hebräischen Schriftrolle aus römischen Archiven, die das Jahr 4291 (530/531 n.d.Z.) mit dem »Ende der Welt« verbindet. Interessant ist, dass die Schlussredaktion des Babylonischen Talmuds in das 5. bis 6. Jahrhundert fällt. Diese Daten lagen also in der nahen Zukunft derjenigen, die den Talmud redigierten.

Bemerkenswert ist auch, dass Rabbi Akiva (um 50–135 n.d.Z.) in Bar Kochba, der zur gleichen Zeit lebte, den Maschiach sah. Dies geschah rund ein Jahrhundert vor dem jüdischen Jahr 4000 (239/240 n.d.Z.).

Der Sohar (Wajera 119a) beschreibt die Jahre 5060 bis 5100 als Beginn der messianischen Zeit (1300 bis 1340 n.d.Z.). Den Beginn der neuen Welt verbindet er allerdings erst mit dem Ende des sechsten Jahrtausends, also mit dem 22. Jahrhundert. Interessanterweise wurden die ersten Manuskripte des Sohars in den Jahren kurz vor 1300 öffentlich zugänglich.

Das Jahr 6000, das am 29. September 2239 beginnt, als spätester Zeitpunkt für den Beginn einer neuen Welt

Mit anderen Worten: Seit dem Talmud wird das Jahr 6000, das am 29. September 2239 beginnt, als spätester Zeitpunkt für den Übergang von der Herrschaft des Maschiachs in dieser Welt zu einer neuen, zukünftigen Welt verstanden. Seine Ankunft und der Beginn der messianischen Zeit wurden dagegen von Menschen verschiedener Epochen immer wieder in ihrer jeweils nahen Zukunft verortet.

An dieser Stelle sind zwei Dinge wichtig: Erstens haben sich die Weisen nicht geirrt, sondern Daten genannt, die als »Et Ratzon« gelten, also als besondere Zeitpunkte, zu denen die Erlösung möglich ist.

Zweitens erklärte Rabbiner Jehuda Aschlag, einer der bedeutendsten Kommentatoren des Sohars, ausdrücklich, dass es sich bei den 6000 Jahren lediglich um eine Metapher handelt (Sefer Jad Benjamin 35). Wenn der Mensch nicht lernt, im Geiste der messianischen Zeit zu handeln, könnten noch viele weitere Jahre vergehen, ohne dass der Maschiach kommt.

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