Sukkot

»Alle werden ein Bund sein«

»Ihr sollt Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige.« Foto: Getty Images/iStock

Das Laubhüttenfest sollst du halten sieben Tage, wenn du eingesammelt hast von deiner Tenne und von deiner Kelter, und du sollst fröhlich sein an deinem Fest, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der Levit, der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Stadt sind» (5. Buch Mose 16, 13–15).

Nach dieser biblischen Anweisung feiert man heute in Israel sieben Tage und in der Diaspora acht Tage das Sukkotfest. Es gehörte zu den drei Wallfahrtsfesten, an denen die Kinder Israels nach Jerusalem pilgern und dort das Fest begehen mussten. Es beginnt am 15. Tischri – in diesem Jahr am Sonntagabend, dem 13. Oktober.

Hütte Die für jedes Auge auffälligste Mizwa dieses Festes besteht darin, dass wir aufgefordert sind, unseren Wohnsitz für sieben Tage in eine selbst erstellte Hütte (Sukka) zu verlegen. Diesem Brauch verdankt das Fest auch seinen Namen. Es soll alle Generationen daran erinnern, dass der Ewige die Kinder Israels in Hütten wohnen ließ, als sie aus Ägypten auszogen und durch die Wüste wanderten.

Für uns kommt es heute darauf an, diese Erfahrung einer ungesicherten beziehungsweise allein durch Gott geschützten Existenz nachzuvollziehen, indem wir unsere feste, permanente Wohnstätte für einen gewissen Zeitraum mit einer provisorischen tauschen.

Talmud Der Talmud legt Wert darauf, dass man möglichst viel Zeit in der Laubhütte verbringen soll, dort die Mahlzeiten abhält und übernachtet. Bei allen Gegenständen, die man dazu braucht und benutzt, soll man auf ihre Qualität und Schönheit achten.

Arba Minim

Zu den vielen Traditionen und Symbolen des Sukkotfestes gehört der Lulav, der Feststrauß, gebunden aus den sogenannten Arba Minim, vier sehr unterschiedlichen Pflanzenarten

Ein zweites wichtiges Gebot für das Laubhüttenfest besteht im Zusammenstellen der vier Pflanzenarten (Arba Minim). Dieser Brauch geht auf eine Anweisung im 3. Buch Mose 23,40 zurück: «Ihr sollt am ersten Tage Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige von Laubbäumen sowie Bachweiden und sieben Tage fröhlich sein vor dem Herrn, eurem Gott.»

Etrog Welche Früchte genau gemeint sein könnten, bleibt in der Tora unklar. Doch kommen unsere Weisen zu dem Schluss, dass es sich zum einen um eine Zitrusfrucht handelt. Rabbi Chia sagt: Ein Baum, dessen Stamm und Frucht im Geschmack gleich sind, das ist der Etrog. Zum Hadas erklärt Ben Azei, es sei die Pracht eines Baumes von Jahr zu Jahr.

Achilles, der Proselyt, übersetzt Hadas mit «der auf dem Wasser wohnt». Vom «Kapot Temarim» sagt Rabbi Tarfon: Mit dem «Kapot» sei gemeint, wenn die Blätter sich öffneten, soll man sie schließen, indem man sie zusammenbindet. Und auf den Myrtenzweig weist hin, dass er dicht belaubt sei. Es ist Brauch geworden, Etrog (Zweig vom Zitrusbaum), Lulav (Zweig einer Dattelpalme), Hadasim (Myrtenzweige) und Arawot (Bachweidenzweige) zu einem Strauß zusammenbinden.

Das Gebot der vier Arten hat seinen Namen vom Palmwedel erhalten, vom Lulav-Schütteln, weil er der auffälligste der vier Arten ist und die drei anderen an ihn gebunden werden.
Diese vier Pflanzenarten symbolisieren das ganze Volk Israel – in seiner Verschiedenartigkeit. Jede Pflanze und Frucht im Bündel stellt einen bestimmten jüdischen Menschentyp dar: Genau wie der Etrogbaum essbare Früchte hat und zugleich duftet, gibt es Menschen, die Kenntnis der Tora und guten Taten haben.

Früchte Genau wie der Palmbaum essbare Früchte, aber keinen Duft hat, gibt es Menschen, die Kenntnis von der Tora haben, aber nicht den Duft der guten Taten besitzen. Genau wie die Myrte duftet und keine genießbaren Früchte hat, gibt es Menschen, die um den Duft der guten Taten wissen, aber nicht die Kenntnis der Tora haben. Und gerade so, wie die Weide keine genießbaren Früchte und auch keinen Duft aufweist, so gibt es Menschen ohne Kenntnis der Tora und ohne gute Taten.

«Ihr sollt Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige.»

Wie soll man mit diesen so verschiedenen Charakteren umgehen, vor allem mit dem letzten? Gott will ihr Verderben keineswegs. Deshalb sagt der Heilige: «Lasst sie alle in einem Bündel zusammenkommen; ein Teil wird es für den anderen ausgleichen. Wenn ihr so handelt, so werde ich voller Freude sein» (Kizzur Schulchan Aruch). Alle – gleich, welchem Typ sie auch angehören mögen – sollen auf der Grundlage der Gebote erzogen werden, damit jeder für den anderen eintritt und die Verantwortung für ihn übernimmt.

Bürgen So bringt diese rituelle Vorschrift von Sukkot das fundamentale Verbindungsband der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck: «Kol Israel arewim se lase» – ganz Israel ist verantwortlich füreinander. Ganz Israel bürgt füreinander. Das sagt auch das Gebet während der Hohen Feiertage: «Und alle werden ein Bund sein, um deinen Willen mit vollem Herzen zu erfüllen.»

Koscher Was die Beschaffenheit dieser vier Pflanzenarten angeht, sollen sie ohne Makel, frisch und koscher sein. Man soll sie von einem angesehenen religiösen Menschen erwerben und keinesfalls stehlen.

Sukkot ist ein ausgesprochenes Freudenfest. Zu Zeiten des Tempels brachte man während der sieben Tage auf dem Altar Trankopfer dar. Jeden Abend versammelte man sich zu fröhlichen Festen.

Hoschana Rabba ist der letzte Tag des Laubhüttenfestes. Er ist geprägt durch die Stimmung der Hohen Feiertage, die eine freudige Stimmung ist. Es wird viel gebetet, die Bima der Synagoge wird nicht – wie sonst – nur einmal, sondern siebenmal umkreist.

Nach den sieben «Hakkafot» kommt es zum rituellen Schlagen mit Weiden­zweigen. Dabei betet man: «Antworte den Gläubigen! Sie ergießen ihr Herz wie Wasser. Erlöse sie!» Dieser Brauch wurde bereits von den letzten Propheten praktiziert, beruht aber auf keinem in der Tora erwähnten Gebot.

Mizwot Wasserschöpfen Mit den Mizwot von Sukkot verbinden sich der Brauch und die Freude des Wasserschöpfens. Er lässt sich nicht auf eine in der Tora erlassene Vorschrift zurückführen, gilt aber als eine Tradition Mosches. Mit der Feier dieses Festes verband man die Hoffnung auf ein regenreiches Jahr.

Jeden Morgen während der sieben Festtage gingen die Menschen zur Siloah- Quelle in der Nähe des Tempels. Dort schöpfte man Wasser und brachte es als Opfer zum Altar. Diese Zeremonie wurde sehr festlich begangen und mit großer Dankbarkeit durchgeführt. Die Menschen tanzten und sangen ausgelassen. Sie machten Tikkun. Ihr Lob- und Dankgesang wurde von Harfen-, Trompeten- und Geigenspiel begleitet.

Die Menschen blieben drei Tage und Nächte ununterbrochen wach. Sie beteten Schacharit und Mussaf, anschließend aßen sie, bevor sie sich zum Mincha und Maarivgebet versammelten. Es wird mehrfach betont: Wer die Freude beim Fest des Wassersschöpfens nicht erlebt hat, der hat keine wirkliche Freude in seinem ganzen Leben gesehen.

Der Autor ist Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK).

Berlin

Bundesregierung befasst sich mit Militärrabbinern

Das Bundeskabinett berät am Mittwoch über die Pläne für eine jüdische Militärseelsorge in der Bundeswehr

 10.12.2019

Wajeze

Der Weg zu G’tt

Was es mit der Leiter in Jakows Traum auf sich hat

von Rabbiner David Kern  06.12.2019

Talmudisches

Heimlich spenden

Wie Mar Ukwa versuchte, einen Armen nicht zu beschämen

von Yizhak Ahren  06.12.2019

Berlin

Rabbinerseminar schließt Jubiläumsjahr ab

Zentralratspräsident Schuster, Rabbiner Goldschmidt und Felix Klein diskutierten über jüdisches Leben in Deutschland

 05.12.2019

Religion

Augsburger Synagoge wird für 27 Millionen Euro saniert

Die Arbeiten sollen im Laufe des kommenden Jahres beginnen

von Ulf Vogler  05.12.2019

Bevölkerung

»Seid fruchtbar und füllet die Erde!«

Warum Weltuntergangsszenarien uns nicht davon abhalten sollten, Kinder zu bekommen

von Rabbiner Arie Folger  05.12.2019