Meinung

Zschäpes Schmierentheater

Die Strategie ist von Prozessen gegen Neonazis bekannt: Unpolitisch sei man, behaupten angeklagte Rechtsextreme – die Nazilieder habe man bloß gedankenlos mitgegrölt, und man sei ja auch provoziert worden. Die Erklärung, mit der die im NSU-Prozess angeklagte Beate Zschäpe in der vergangenen Woche vermeintlich ihr Schweigen brach, wirkt wie zusammengesetzt aus diesen Standardfloskeln.

Zschäpe ließ sich gängigen Klischees über Frauen folgend in der verlesenen Erklärung als emotionales, naives und unselbstständiges Mädchen vom Lande porträtieren. Weder von einer Terrorzelle namens NSU noch von den Morden habe sie vorab etwas gewusst. Lediglich moralische Schuld habe sie auf sich geladen, dafür wolle sie sich entschuldigen, verkündete ihr Anwalt.

durchschnittsdeutsche Das ist nicht nur für viele Angehörige der NSU-Opfer ein weiterer Schlag ins Gesicht. Das kommt einem auch bekannt vor: Schon in den NS-Kriegsverbrecherprozessen musste die Weltöffentlichkeit erleben, wie sich sogar Stützen des NS-Regimes als hilflose und unbedarfte Durchschnittsdeutsche präsentierten. Und auch Millionen andere Deutsche wollen von der Schoa entweder nichts gewusst haben oder hätten doch nichts dagegen tun können. Eine feine Gesellschaft.

Zschäpe allerdings überdrehte die rührselige Geschichte von der kleinen Beate, die an die falschen Jungs geraten sei. Es ist das gute Recht sowie die Pflicht der Verteidigung, die eigene Mandantin zu schützen. Ob dies in diesem Fall allerdings eine geschickte Strategie war, darf bezweifelt werden. Die öffentlichen Reaktionen fielen entsprechend hämisch aus.

show Ein Schmierentheater also – allerdings eines auf großer Bühne. Anfängliche Befürchtungen, der NSU-Prozess werde zur Zschäpe-Show, haben sich leider bewahrheitet: Nach Berichten über ihr Aussehen und über den Zwist mit ihren Pflichtverteidigern durfte die Angeklagte nun die Spielregeln für die Verlesung der Erklärung vorgeben.

Und letztlich bleibt Zschäpe ihrer bisherigen Strategie der Schuldabwehr treu: nur einräumen, was ohnehin bewiesen ist, und nur die Kameraden belasten, die als Verräter gelten oder die tot sind. Dass Zschäpe tatsächlich an deren Morden beteiligt war, muss das Gericht jetzt erst einmal beweisen.

Der Autor ist Journalist in Hamburg.

Berlin

Linke, Grüne und SPD einigen sich auf Sondierungsgespräche

Beim Streit um antisemitische Ausfälle von Abgeordneten soll es eine Einigung gegeben haben

 08.10.2026 Aktualisiert

Ausgerechnet am 7. Oktober

Greta Thunberg marschiert mit Terror-Unterstützern und Israelfeinden

Drei Jahre nach den Massakern der Hamas gab es in Berlin israelfeindliche Proteste. Mit dabei: die einstige Klima-Ikone Greta Thunberg

 07.10.2026

Berlin

Kerzen, Gebete und Warnungen - und Gedenken an Terroropfer

Der 7. Oktober 2023 hat sich eingebrannt in das Gedächtnis - nicht nur bei Opfern und Angehörigen des islamistischen Terrorangriffs auf Israel. Zum Jahrestag gibt es besorgte Warnungen

 07.10.2026

Berlin

Julia Klöckner ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Bundestagspräsidentin erinnert an die Opfer des 7. Oktober 2023 in Israel. Ihre Botschaft: Antisemiten müssten in die Schranken gewiesen werden

 07.10.2026

Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne, v.l.) vor dem ersten Vorsondierungsgespräch, 1. Oktober

Nach der Wahl

Linke, Grüne und SPD in Berlin beraten über Umgang mit Antisemitismus

Die Regierungsbildung ist noch nicht richtig in Gang gekommen. Nun treffen sich Linke, Grüne und SPD zu einem dritten Vorgespräch – an einem historischen Tag. Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

 07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  07.10.2026

Islamismus

Studie: Nach Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg verlagern sich Netzwerke nach Frankfurt

Einer neuen Untersuchung von American Jewish Committee Berlin und democ zufolge bestehen die Strukturen des vom Iran gesponserten schiitischen Islamismus in Deutschland fort

 07.10.2026

Berlin

Fischer, Thierse, Altmaier – Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

Frühere Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU wenden sich gegen eine Koalition mit der Linkspartei in der Hauptstadt. Sie sähen gemeinsame Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie nicht gesichert, heißt es in einem Appell

 07.10.2026